Kommentar
Der Weg aus dem Dilemma

Mit Blick auf die akuten oder potenziellen Krisenherde rund um den Globus mag die These bizarr klingen: Bei der Suche nach einem Weg aus dem durch Massenvernichtungswaffen verursachten Dilemma dürfen winzige Fortschritte in Richtung Abrüstung registriert werden. Die daran geknüpfte Hoffnung bleibt zwar vage, aber die positiven Fakten sollten nicht ignoriert werden.

So macht sich in diesen Tagen eine Delegation der Internationalen Atomenergie-Behörde in Richtung Libyen auf den Weg. Sie will den von Muammar el Gaddafi bekundeten guten Willen testen, die in seinem Land angelegten Arsenale biologischer, chemischer oder gar atomarer Waffen zu vernichten. Der Revolutionsführer in Tripolis folgt dem Regime in Teheran, das sich zur uneingeschränkten Kontrolle seiner Atomanlagen verpflichtet hat. Auch aus Nordkorea werden wieder Signale geortet, dass man über die eigene Nuklearrüstung zumindest wieder verhandeln wolle. Und der Irak ist ohnehin entwaffnet.

Nicht zuletzt: Für die kommenden Tage ist ein indisch-pakistanisches Gipfeltreffen terminiert. Beide Staaten verfügen zwar erklärtermaßen seit Jahren über die Bombe und zeigen keinerlei Absicht, darauf verzichten zu wollen. Gleichwohl: Sollten die verfeindeten Nachbarn erneut zu Protokoll geben, dass sie ihre Potenziale vor allem als politische Waffen betrachten, so kann dies die Furcht vor einem Atomkrieg in Südasien zwar nicht zerstreuen, aber vielleicht mildern: Im Kalten Krieg zwischen Ost und West hat die Strategie der Abschreckung über fünfzig Jahre hinweg durchaus funktioniert.

Klar, eine Garantie für Sicherheit bieten die jüngsten Meldungen nicht. Aber sie sorgen zumindest für mehr Transparenz. Und können damit die Angst vor dem Unbekannten, dem Unberechenbaren erträglicher machen.

Nun mag man darüber streiten, ob es Amerikas martialische Mission im Irak war, die solche Impulse in Richtung Sicherheit durch Entspannung ausgelöst hat und fördern kann. Es gilt aber vor allem, die Ursachen zu erkunden, die das Streben nach Massenvernichtungswaffen auslösen. Eine Antwort ist längst bekannt: Solange es wenigen Staaten erlaubt ist, solche Waffen zu besitzen und zu testen, dem Rest der Welt aber nicht, gibt es Neider. Und diese bilden eben eine latente Gefahr.

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