Kommentar
USA und China müssen erste Hilfe leisten

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Der Worst Case wird längst durchgerechnet

Wenn die EZB ihre Hilfe stoppt, versiegen die Geldquellen total. Griechenlands Banken wären pleite. Es bliebe kein anderer Weg übrig, als aus dem Euro-Raum auszutreten. Die Direktverlauste - ungefähr 150 Milliarden Euro für die EZB und das Eurosystem, davon entfallen 27 Prozent auf Deutschland - sind verkraftbar. Dazu kommen 20 Milliarden Euro an Forderungen der deutschen Banken gegenüber Griechenland. Bezeichnend ist, dass nach der jüngsten Rechtsanalyse Griechenland aus der Währungsunion austreten, aber in der Europäischen Union verbleiben kann.

Die viel wichtigere Frage ist, was mit Italien und Spanien geschieht. Auf hoher deutscher Ebene geht man davon aus, dass die parlamentarische Zustimmung für eine notwendige Verdopplung der "Brandmauer" - der EFSF/ESM Rettungsfonds - auf weit mehr als eine Billion Euro etwas wahrscheinlicher ist, als ein Bundestag-Ja zu einem weiteren Athener Milliardenprogramm.

Die Griechen opfern, damit die anderen gerettet werden? Eine um Griechenland und möglicherweise das eine oder andere kleinere Land geschrumpfte Währungsunion wäre, so heißt es, deutlich stabiler als die bestehende Konstruktion. Dieses Spiel wäre aber äußerst riskant. Niemand weiß, ob die Ansteckungsgefahren wirklich eingrenzbar sind. Inzwischen warnen die Amerikaner Deutschland vor Säbelrasselei, legen der Bundesregierung nahe, mit großzügigen Hilfen vorzustoßen, nicht abzuwarten, bis hilfsbedürftige Länder "am Abgrund" sind.

Was bedeutet das für Amerika? In den Monaten vor der Präsidentenwahl kocht die europäische Vertrauenskrise hoch, die schlimmsten Befürchtungen Barack Obamas - ein totaler Euro-Kollaps - werden sich aber nicht erfüllen. Der Euro fällt stetig zurück, der Dollar wird stärker. Auf der Weltbühne zeigt Obama staatsmännisches Krisenmanagement. Im Wahlkampf um ein zweites Mandat ist das für den Amtsinhaber gar kein schlechtes Szenario.

Der Autor ist Chairman von OMFIF. Sie erreichen ihn unter: gastautor@handelsblatt.com

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David Marsh
David Marsh
/ Co-Chairman OMFIF

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  • Ich frage mich bloß, wo der ESM 1 Bio. Euro her bekommen will? Wo soll plötzlich das Geld herkommen? Sind die Märkte sooo liquide?

  • wir habn nichtmal militär

    aber wir rasseln mt dem säbel.... :( tz
    Klar unser gold in den Staaten ....
    verfassung nur halb... wahlrecht am arsch...
    dann die stimmen und risiko verteilung...
    innerhalb der Eu....

    Mr obama sollte die andern ermahnen
    ohne die Empfindlichkeiten der andern hätten wir den Salat nicht... wir wollten nur vereint sein.....
    D und seine Menschen habn keinem was zuleide getan.

  • Es wird mittlerweile langweilig, aber...
    1. Spanien und Italien können Pfandbriefe mit hinterlegten Sicherheiten herausgeben und weg ist ihr Zins- und Finanzierungproblem.
    2. Spanien und Italien haben vor dem Eurozeitalter viel höhere Zinsen gezahlt. Wo ist hier eigentlich eine Krise
    3. Für die Privatisierung der Staatsbetriebe in Griechenland hat Roland Berger ein Konzept vorgelegt, womit Griechenland sich weitestgehend entschulden könnte
    4. Der Schuldentilgungsfond mit hinterlegten Sicherheiten könnte kurzfristig die Finanzsituation in der EU grundlegend ändern.
    5. Die Reformen müssen umgesetzt werden, mit der sich die Bevölkerung im Süden nicht mehr länger besser stellt, als die Bürger im Norden.
    6. Die Bankenrettung muss aufhören. Es ist nur eine Einladung an die Finanzindustrie ihre Probleme auf den Steuerzahler abzuwälzen

    Man fragt sich unwillkürlich, warum die Südstaaten keine Sicherheiten für ihre Kredite geben wollen, keine professionelle Privatisierung zulassen, keine Reformen durchziehen.

    Warum gibt es nur den Weg der Transferunion für sie?

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