Kommentar
Der zweite Anlauf der Zypern-Rettung sitzt

Klüger und gerechter: So lässt sich der neue europäische Anlauf für die Rettung Zyperns überschreiben. Denn die Euro-Retter haben aus ihren Fehlern gelernt und am Ende doch noch vieles richtig gemacht. Ein Kommentar.
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Warum nicht gleich so? Die Frage drängt sich auf nach der zweiten langen Verhandlungsnacht der Brüsseler Zypern-Retter. Dieses Mal lief alles anders. Und es lief alles besser. Der Euro-Zone gelang es, drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.

Erstens: Zypern bleibt Mitglied der Währungsunion. Das ist für alle 17 Euro-Zonenmitglieder gut, denn sie haben der Welt erneut gezeigt, dass sie sich auch unter großem Stress nicht auseinander bringen lassen.

Zweitens: Kleinsparer werden nicht belastet. Die Euro-Zone stellte so klar, dass die EU-Einlagensicherung für Konten bis 100.000 Euro kein leeres Versprechen ist.

Drittens: Erstmals wagt es die Europäische Währungsunion, eine Pleite-Bank zu schließen und vermögende Anleger und Gläubiger zur Kasse zu bitten. Endlich einmal müssen die europäischen Steuerzahler nicht die ganze Zeche zahlen für unglaubliche, ja kriminelle Versäumnisse von Banken und Bankenaufsehern.

Man könnte sagen, dass die Europäische Währungsunion im nunmehr jahrelangen Kampf gegen die akute Schuldenkrise an Erfahrung gewonnen hat und klüger vorgeht als bei den ersten Rettungsaktionen. Vor allem ein Anfängerfehler kommt die betroffenen Staaten teuer zu stehen: In Irland und in Spanien hat der Staat alle Kosten für die Sanierung der Banken übernommen. Gläubiger und Einleger blieben vollkommen ungeschoren. Dieses Vorgehen ließ die Staatsverschuldung dramatisch explodieren. Wie die beiden Länder diese Schulden jemals zurückbezahlen sollen, ist vollkommen unklar. Die Währungsunion wird sich dafür noch eine Lösung einfallen lassen müssen.

Zypern kommt insofern jetzt besser weg: Die Staatsverschuldung des kleinen Inselstaates schießt zwar auch empor, gerät aber wenigstens nicht völlig außer Kontrolle. Das ändert allerdings nichts daran, dass der Mittelmeer-Insel nun viele sehr magere Jahre bevorstehen. Die Zeiten, in den Russen, Briten und Griechen das Land mit Milliarden fluteten, dürften jetzt endgültig vorbei sein.

Mit den angekündigten Kapitalverkehrskontrollen wird Zypern anfangs zwar noch verhindern können, dass die reichen Ausländer Vermögen abziehen. Doch auf Dauer ausschließen können sie das nicht. Reiche Privatpersonen und große institutionelle Anleger verlieren in Zypern jetzt viel Geld. Das erhöht logischerweise nicht gerade die Attraktivität des Finanzplatzes. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat daher recht, wenn er ein neues Geschäftsmodell für Zypern fordert.

Mit der Suche danach sollte die Währungsunion Zypern allerdings nicht allein lassen. Denn für Zypern gilt dasselbe wie für alle Krisenstaaten in der Euro-Zone: Nur wenn die Wirtschaft wieder auf die Beine kommt, kann die Regierung die von der Währungsunion gewährten Kredite zurückbezahlen. Daran aber müssen ja alle 17 Euro-Staaten ein Interesse haben.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel

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  • Der Schäuble-Kritiker Bosbach wird Recht behalten wenn er im Gegensatz zu seinem Chef sagte, es wäre besser gewesen die Zyprioten in eine eigene Währung zu entlassen.
    Das zypriotische Geschäftsmodell ist tot und diese Insel wird nicht in der Lage sein im Euro-verbund wieder auf die Beine zu kommen.
    Der Wahn der Euro-Religiösen steigt seinem Höhepnkt entgegen, ähnlich wie der der Münsteraner Wiedertäufer kurz vor ihrem Ende.
    Schäuble ist der neue Bockelson.
    Wer die Münsteraner Wiedertäufbewegung und ihren religiösen Wahn studiert hat, weiß wer Bockelson war.
    Die Geschichte des Euro ist die Geschichte eines Massenwahns.

  • Die Propaganda-Maschine von der Bundesregierung bzw. Merkel ist schon angelaufen.
    Werbeheft "Europa macht uns stark - wir machen uns für Europa stark".
    Diese Hefte werden inzwischen verteilt (z.B. Einleger bei Zeitschriften)
    Schon gelesen? Zum Schreien!

  • "In Irland und in Spanien hat der Staat alle Kosten für die Sanierung der Banken übernommen. Gläubiger und Einleger blieben vollkommen ungeschoren. Dieses Vorgehen ließ die Staatsverschuldung dramatisch explodieren."

    Ich habe immer wieder den Eindruck, dass den meisten Politikern in einer komplexen Situation der finanzielle Scharfsinn fehlt, mit dem all jene vertraut sind, die täglich in der Real- oder Virtualwirtschaft operieren. So soll Zypern 2008 samt Steuerparadies in die Zone aufgenommen worden sein, weil Griechenland gedroht hätte, sonst die Aufnahme osteurop. Staaten in die EU zu verweigern. Der Erweiterungskommissar darf jetzt seinen Mist als Finanzkommissar korrigieren.
    Es muss immer wieder betont werden, dass in erster Linie gewählte Regierungen für das Gemeinwohl verantwortlich sind, u.a. für all jene, die sich teilweise oder ganz sich nicht selbst helfen können -
    Kinder, Pflegebedürftige, Kranke, Behinderte, auch digital-demente, konfuse Finanzfachleute (die aber zuletzt).Wer diesem Staat Schulden aufbürdet, die andere verursacht haben, schadet dem Gemeinwesen. (Übrigens gilt trotzdem, wirtschaftliche Aktivitäten fangen in der Regel mit der Aufnahme eines Kredits an - und ganz Süd u. Südosteuropa wird im Moment ausgetrocknet). Schon vor dem ersten Gipfelsturm für Griechenland vor drei Jahren hat Harvard's Ken Rogoff einen haircut, also einen Schuldenschnitt zusammen mit einem temporärem Austritt aus dem Euro empfohlen.
    Der Maastrichtvertrag hat sich als fragile Basis für Europa erwiesen. Alles dauert ewig, inzwischen sitzen ganz Klein und ganz Groß mit gleichem Stimmrecht am selben Tisch(EZB) - in der Eurozone ohne Exit-Regeln und ohne Mut. Die Situation in Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich wird bald wieder "anbrennen" und das Ganze von vorne losgehen. Was man bei Zypern, das für 0.2% des europ outputs verantwortlich ist, noch schafft, kriegt man bei obigen Ländern wohl nicht hin. Aber man übt wenigstens.

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