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Kommentar: Deutsche Konzerne sollten in Brasilien zugreifen

Für Deutschlands Konzerne bieten sich in Brasilien zur Zeit gute Gelegenheiten. Denn die Regierung privatisiert große Teile ihrer Firmen. Eine Ausrede für fehlendes Engagement gibt es diesmal nicht.

Alexander Busch
Alexander Busch ist Korrespondent in São Paulo.

Die Teilprivatisierung der drei wichtigsten Flughäfen Brasiliens war überraschend erfolgreich: Elf Konsortien boten mit und trieben den Preis auf mehr als das Dreifache des Mindestgebots. Die Regierung kann sich über umgerechnet rund elf Milliarden Euro an Einnahmen freuen. Und darüber, dass die aus allen Nähten platzenden Flughäfen von den privaten Betreibern modernisiert werden.

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Vor allem aber zeichnet sich mit der ersten größeren Privatisierung nach 14 Jahren Stillstand in Brasilien eine Wende ab: Die Regierung der Präsidentin Dilma Rousseff ist gewillt, ihre ideologischen Bedenken zurückzustellen und auf privates Kapital bei der Sanierung der Infrastruktur zu setzen. Der überraschende Erfolg der Ausschreibungen dürfte sie bestärken. Noch dieses Jahr sollen weitere Flughäfen privatisiert werden. Häfen, Schienen, Straßen, Schnellbahnen, Stromverteilung – alles könnte jetzt weit schneller als bisher gedacht verkauft werden.

Die Regierung steht unter Zeitdruck: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 rücken näher. Gerade für deutsche Konzerne bietet sich damit eine Chance, die sie nicht erneut verpassen sollte. Bei den großen Versteigerungen Brasiliens der 90er-Jahre in den Bereichen Telekom, Strom, Chemie, Stahl und Finanzen glänzten deutsche Konzerne durch Abwesenheit. Dafür gab es viele Gründe: die Wiedervereinigung, die Konzentration auf Osteuropa und China, die Entflechtung der Versorger in Deutschland. Doch solche Ausreden für fehlendes Engagement gibt es diesmal nicht.

Die guten Preise bei den Privatisierungen zeigen: Es gibt derzeit weltweit wenig attraktivere Plätze als Brasilien, um Kapital für 20 oder 30 Jahre zu investieren. Das hat auch die Vergangenheit gezeigt: Die großen brasilianischen Multis wie Petrobras, Vale, Embraer entstanden in der letzten Dekade durch die Beteiligung privaten Kapitals. Ausländische Konzerne wie HSBC, Telefónica, Santander, EDF, TIM, Arcelor-Mittal und America Movil konnten wichtige Positionen aufbauen. Die zum Teil notleidenden Mutterhäuser in Europa sind heilfroh, dass die brasilianischen Töchter jetzt hohe Gewinne ins kriselnde Europa überweisen.

Zwar ist die deutsche Industrie schon gut aufgestellt in Brasilien. Doch bisher sind die Konzerne nur Zulieferer eines beginnenden Booms. Das ist gut, aber nicht genug. Denn die Erfahrungen zeigen, dass auch Zulieferer besser zum Zuge kommen, wenn sie ihren Kunden nahestehen, wenn sie die Versorger, Betreiber und Konzessionäre bereits von ihrem Heimatmarkt kennen.

Letztlich ist natürlich alles auch eine Frage des Preises. Etablierte Betreiber wie Fraport, die Flughäfen München und Zürich oder Changi aus Singapur sind bei der jüngsten Privatisierung leer ausgegangen, weil ihre Gebote weit unter denen der Konkurrenten lagen. Den Zuschlag erhielten Newcomer wie die südafrikanische ACSA, die französische Egis und die argentinische Corporación América. Man mag zweifeln, ob diese ihre Renditeprognosen einhalten. Wichtiger ist aber: Die etablierten Betreiber müssen aufpassen, dass sie in Brasilien nicht eine gewaltige Chance verpassen. Das gilt nicht nur für Flughafenbetreiber wie Fraport – es gilt für die gesamte deutsche Wirtschaft.

  • 13.02.2012, 19:00 UhrAnonymer Benutzer: carioca

    Mal sehen ob Brasilien es nun tatsächlich schafft.

    Politisch ist es ein reines Grauen und auch Stefan Zweig war bereits der Meinung, dass es "ein Land der Zukunft sei". Ein Wachstum ist möglich, klar, aber was ist danach? Worauf soll dieser bauen? Ausbeutung der natürlichen Ressourcen? Import von teurem Kapital um die Produktivität zu steigern?

    Brasilien muss selbst Innovationen vorantreiben. Bildung, Forschung und eine funktionierende Politik die nicht Unmengen an Geld kassiert um dann doch aufgrund ständiger Korruption als absolut unglaubwürdig wirkt (siehe: mensalao). Die neue Regierung hat es allein auf 6 Ministerrücktritte innerhalb von 6 Monaten gebracht.

    Aber trotzdem wünsche ich diesem so entzückendem Land muito sorte (viel Glück)!

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