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Kommentar: Deutschland hat immer das Nötigste getan

Noch bevor das zweite Griechenland-Paket den Bundestag passiert hat, soll Deutschland den Rettungsschirm noch weiter aufzuspannen. Doch die ständigen Forderungen nach immer höheren Summen sind unsinnig.

Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola
Frank Wiebe ist Kolumnist beim Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Es war zu erwarten: Das Griechenland-Paket ist noch nicht durch den Bundestag gebracht, und schon sieht sich Deutschland von allen Seiten der Forderung ausgesetzt, den Rettungsschirm weiter aufzustocken. Das Muster ist immer dasselbe. Nach jeder Hilfszusage heißt es: Das reicht nicht! Die Argumentation wiederholt sich auch ständig: Die Politik muss die Märkte mit möglichst hohen Summen erschrecken, damit die sich gar nicht trauen, ihr keinen Glauben zu schenken.

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Die deutsche Regierung hat recht, gegenüber solchen Forderungen Zurückhaltung zu zeigen und sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Zwar ist der Rettungsschirm eine gesamteuropäische Veranstaltung, aber klar ist doch, dass seine Glaubwürdigkeit in erster Linie auf der Zahlungsbereitschaft des deutschen Steuerzahlers beruht. Und die Erfahrung hat gezeigt: Auch wenn man den Schirm verdoppelt, wird es bei der nächsten Unsicherheit sofort Stimmen geben, die noch höhere Summen sehen wollen.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble können ihren Bürgern – und dem Bundestag – nicht zumuten, im Eilverfahren immer höhere Summe zu schlucken. Das wäre der sicherste Weg, die Unterstützung für eine großzügige Politik zu untergraben. Je mehr der Eindruck entsteht, Europa sei ohnehin ein Fass ohne Boden, desto schneller ist das europapolitische Kapital aufgebraucht.

Euro in der Krise

Die Argumentation für immer höhere Summen geht inzwischen auch an dem vorbei, was die Märkte tatsächlich an Reaktionen zeigen. Entscheidend sind aus Sicht der Investoren nicht riesige Zahlen, die als „Firewall“ in den Raum gestellt werden. Viel wichtiger ist die Frage: Kann man den Europäern zutrauen, dass sie ihre Probleme nach und nach lösen? Dieses Zutrauen ist sichtlich gestiegen. Durch einen neuen Streit um Zahlen kann es nur geschwächt werden.

Die ständigen Forderungen an die Deutschen, mehr zu tun, sind genauso unsinnig, wie es die gleichlautenden Forderungen an die Europäische Zentralbank (EZB) waren, die vor kurzem auch noch zum Standardrepertoire der Rettungseuropäer gehörten. Die EZB tut schon, was nötig ist, um die Euro-Zone zusammenzuhalten – das hat zum Glück inzwischen jeder kapiert. Und politischer Druck erschwert ihr diese Aufgabe nur, weil dann jede Hilfe noch stärker als Verlust an Unabhängigkeit gesehen wird.

Letztlich hat aber Deutschland bisher auch immer getan, was nötig war – das sollte sich langsam herumsprechen. Die Regierung in Berlin kann es sich aber nicht leisten, als Marionette anderer Regierungen oder internationaler Organisationen zu wirken: Auch hier ist Druck von außen letztlich kontraproduktiv.

Und der verbreitete Eindruck, wenn Merkel schneller auf die Krise reagiert hätte, wäre alles einfacher gewesen, dürfte trügen: Diese Krise lässt sich nicht lösen, indem man die Märkte erschreckt, sondern nur durch Reformen in den schwachen Euro-Ländern. Die wären aber von noch schnelleren Rettungspaketen nicht beschleunigt worden – im Gegenteil.

Der Autor ist Kolumnist. Sie erreichen ihn unter: wiebe@handelsblatt.com


  • 24.02.2012, 17:21 UhrAnonymer Benutzer: Charlie

    "... die Dinge so zusammenlegen, dass sie Sinn machen!"

    Dass sie Sinn machen - Professor Sinn. Der tut das seit Längerem schon. Vielleicht nicht in jeder Einzelheit zutreffend, aber nach meinem Eindruck mit mehr Verstand als die breite Masse der "Experten".

    Sehr aufschlussreich und fundiert ist auch www.eurospethmann.de

  • 24.02.2012, 12:29 UhrAnonymer Benutzer: Radek

    Ich kann mich noch gut erinnern an eine Zeit, wo Herr Wiebe die Strategie des "Durchwurstelns" empfahl, die mir sogar in gewisser Weise stringent war und durchaus nicht vollständig abwegig erschien. Sie hat sich als Trugschluß erwiesen und ich nehme an, das hat auch Herr Wiebe inzwischen vollständig erkannt.
    Jetzt müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden, was schlicht bedeutet, dass Griechenland pleite ist und in die "Gant" muß, um auch einmal diese schöne altdeutsche Wort zu benutzen.

  • 24.02.2012, 12:13 UhrAnonymer Benutzer: Rapid

    Herr Wiebe , Sie dürfen ruhig mal ein bißchen schimpfen und richtig auf den Putz hauen, das schadet überhaupt nichts und muss in bestimmten extemen Situationen sogar sein.
    Le style c´est l´homme , seien Sie ein Mann und kein Leisetreter, der zwar recht hat aber ruhig bleibt. Sie verstehen doch das "Geschäft".

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