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Kommentar: Die ARD entdeckt die Wirtschaft

Es ist ein neuer Trend im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Eine faire und kritische Unternehmensberichterstattung erreicht ein Millionenpublikum. So wie bei der ARD bei den Reportagen über McDonalds und Lidl.

Hans-Peter Siebenhaar ist Medienexperte des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola
Hans-Peter Siebenhaar ist Medienexperte des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Das Urteil der ARD über ein Wirtschaftsunternehmen kann vernichtend sein. Gestern Abend zur besten Sendezeit nahm sich das Erste in der Serie "Markencheck" die Fast-Food-Kette McDonald's vor. Der US-Konzern, der in Deutschland über knapp 1400 Filialen mit drei Milliarden Umsatz verfügt, wurde mit Testverkostungen und Lebensmittelanalysen auf Herz und Nieren geprüft. Das Ergebnis: enttäuschender Geschmack und geringe Bekömmlichkeit des Essens, raffinierte Verführung durch Werbung und unzureichende Fairness als Arbeitgeber. Die Quintessenz der Dokumentation im Ersten ist umso bitterer für McDonald's, denn mit dem "Markencheck" erzielt die ARD Quotenrekorde.

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Bereits in der vergangenen Woche brach die ARD mit dem "Lidl-Check", Auftakt der Wirtschaftsdoku-Serie, alle Rekorde. 6,31 Millionen Zuschauer verfolgten den Preisvergleich der Warenkörbe der Supermarktketten. Das entspricht einer Quote von 18,5 Prozent. Fasziniert verfolgten die Zuschauer, wie die Autoren den Discounter entzauberten, indem sie bewiesen, dass bei einem Einkauf im Lidl von knapp 52 Euro der Preisunterschied zum teuersten Supermarkt, Rewe, gerade mal 1,70 Euro betrug. Mit einem Marktanteil von 17 Prozent in der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen verwies die ARD private Konkurrenten wie RTL, Sat 1 und Pro Sieben auf die hinteren Ränge. So etwas kommt im deutschen Fernsehen nicht alle Tage vor.

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Eigentlich ist der Publikumserfolg gar nicht so überraschend. Denn es ist eine Binsenweisheit, dass Marken unseren Alltag beherrschen. Dementsprechend groß ist logischerweise das Interesse der Zuschauer an verbrauchernahen Wirtschaftsthemen wie McDonald's, Lidl oder dem Billigklamotten-Händler H&M, das nächste Woche ansteht. Doch die Programmverantwortlichen der ARD hatten sich bislang nur mit spitzen Fingern dem Thema Wirtschaft genähert. Die Altvorderen in den Intendanzen hielten ökonomische Themen in der Hauptsendezeit für einen Quotenkiller. Das ist ein Irrtum, wie wir seit dem "Markencheck" wissen.

Die ARD-Sendereihe ist noch aus einem anderen Grund äußerst wichtig. Sie kann für die ARD einen Paradigmenwechsel in der Unternehmensberichterstattung einleiten. Der "Markencheck" beweist, dass gerade eine faire und dennoch kritische Wirtschaftsberichterstattung ein Millionenpublikum erreichen kann.

Wenn im öffentlich-rechtlichen TV über Wirtschaft überhaupt berichtet wurde, dann waren es bislang häufig in die Jahre gekommene Politmagazine, die sich noch im Geiste des naiven Antikapitalismus der siebziger Jahre bewegten. Unternehmen tauchten dort als skrupellose Abzocker, miese Arbeitgeber oder als Öko-Ignoranten auf.

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Wenn es hingegen um die eigenen wirtschaftlichen Interessen geht, wird schon länger mal in die propagandistische Trickkiste gegriffen. Unvergessen ist die Doku "Quoten, Klicks und Kohle" des SWR-Chefreporters Thomas Leif, die einer Reklamesendung für die Internetoffensive der Öffentlich-Rechtlichen glich. Eine unvoreingenommene Berichterstattung sieht anders aus. Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Erfahrung die vielgescholtene Wirtschaftselite bisher vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk fernhielt. Die meisten Manager sind gebrannte Kinder.

  • 17.01.2012, 18:31 Uhrbraunm

    Wann macht ARD mal den ARD-Check?
    Da fordert eine völlig abgeschirmte Organisation Transparenz von Unternehmen. Prüfpunkte gäbe es genügend zu den Öffentlich Rechtlichen die den Gebührenzahler interessieren: Unternehmensbeteiligungen, Bilanzen, G+V, einschl. GEZ

  • 17.01.2012, 09:14 Uhrihr

    Ein weiterer Artikel, der den Niedergang des HB dokumentiert.Schlechter gehts kaum noch.

    All die vielen Verbraucherratgeber die eben die Öffentlcih rechtlichen von den witschaftstreuen Privaten unterscheiden bleiben aussen vor:
    markt, wiso usw. Da können die Sender mit der Tausendsten soap ala Bauer sucht depp, oder big Blöd eben nicht mithalten.

  • 17.01.2012, 07:56 UhrWolfgangPress

    Ich kann von Kuala Lumpur die Qualität der Sendung nicht beurteilen, glaube aber, dass es ein richtiger Schritt in eine richtige Richtung ist.

    In Anbetracht der Wirtschafts-, Finanz-, Schulden und Eurokrise glaube ich auch, dass sich sehr viel mehr Bürger/innen für die Problematik interessieren. Hier erscheint es mir sehr wichtig dass die Fakten welch zu den Krisen geführt haben publik gemacht werden. Da muss man sich aber die Mühe machen bis auf die Zeit der US-Präsidenten Carter zurück zu gehen, denn der legte den Grundstein für die Krisen welche wir jetzt haben. Ob das die ARD Oberen wirklich können und wollen, das ist die große Frage.

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