Kommentar
Die Credit Suisse und ihr Mantel des Schweigens

Hausdurchsuchungen bei den Kunden der Credit Suisse – und die Bank will damit nichts zu tun haben. So einfach geht das nicht. Offenbar machen die Schweizer immer noch gern Geschäfte mit unversteuerten Geldern.
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Versicherungskunden der Credit Suisse droht ein heißer Sommer. Eine große Zahl von ihnen hat versucht, den Fiskus mit Scheinpolicen, sogenannten Versicherungsmänteln, auszutricksen. Und die Bank tut jetzt so, als ginge sie die Serie der Hausdurchsuchungen bei ihren Kunden nichts an. Credit Suisse sei nicht Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens, heißt es.

Und die Berater würden ständig ihre Kunden darauf aufmerksam machen, selbst für die Erfüllung ihrer Steuerpflicht verantwortlich zu sein. Die Bank argumentiert damit streng legalistisch. Das ist aus ihrer Sicht nachvollziehbar, denn sie will sich nicht als Helfer der Steuertrickser auf der Anklagebank sehen. Der neue Skandal hat aber nicht nur eine rechtliche Dimension. Er weckt vielmehr neue Zweifel daran, wie ernst es dem Schweizer Finanzsektor mit seinen Beteuerungen ist, mit unversteuerten Geldern keine Geschäfte mehr zu machen.

Credit Suisse hat hierbei immer für sich in Anspruch genommen, den Kulturwandel konsequent zu leben. Bermuda-Policen passen dabei aber nicht so recht ins Bild. Das Problem betrifft dabei sicher nicht nur Credit Suisse, denn Versicherungsmäntel hat der gesamte Finanzsektor im Angebot. Da die Policen länger laufen als die Verjährungsfrist für Steuerdelikte, waren oder sind sie ein beliebtes Vehikel, um aus unversteuertem Geld Weißgeld zu machen.

Die Frage ist daher erlaubt, inwieweit ein Anbieter zumindest moralisch eine Mitverantwortung trägt, wenn er Produkte verkauft, die zum Missbrauch einladen. Credit Suisse selbst waren die fraglichen Bermuda-Policen offenbar selbst nicht ganz geheuer: Die Bank nahm sie 2009 aus dem Angebot, als die Debatte über steuerkonformes Verhalten schon längst entbrannt war. Die Errichtung eines sauberen Finanzplatzes gelingt nur, wenn sich die Einstellung in den Köpfen der Banker und Berater ändert.

Dieser Prozess ist schmerzlich. Denn in der Vergangenheit waren die Kunden mit undeklarierten Vermögen die angenehmsten. Hohe Anforderungen an die Rendite stellten sie nicht, zudem waren sie vergleichsweise treu. Der Renditekick kam über die Steuerersparnis. Und für die Banken war das Geschäft hochprofitabel. Hier schlummern noch einige deutsche Altlasten in den Schweizer Tresoren. Die Bundesregierung schätzt das Volumen der nicht versteuerten Gelder auf 80 Milliarden Euro.

Deutsche Steuersünder hoffen genauso wie die Schweizer Finanzbranche auf die Ratifizierung des überfälligen Steuerabkommens zwischen beiden Ländern, mit dem auch das Problem der unversteuerten Altfälle bereinigt werden soll.

Doch der Skandal um die (Versicherungs-)Mäntel des Schweigens droht diese Hoffnung zunichte zu machen: Das Abkommen enthält Amnestiebestimmungen, an der sich der rot-grün dominierte deutsche Bundesrat ohnehin schon störte. Diese Vorbehalte dürften im Licht der neuen Vorkommnisse kaum geringer geworden sein. Der Autor ist Korrespondent in Zürich. Sie erreichen ihn unter: alich@handelsblatt.com.

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  • Man sollte nicht vergessen, daß der Anleger schon betrogen hat, wenn er bei der Credit Suisse auf der Matte steht (so es sich um Schwarzgeld handelt ist es Steuerhinterziehung)! Sollte dieser Anleger nun bei der Credit Suisse plötzlich die Wahrheit erzählen? Dieses ewige Zeigefingerzeigen auf andere wirkt widerlich und unglaubwürdig. Es geht doch immer nur in eine Richtung: Erfolg, Reichtum, Know How, etc. - alles weckt Begehrlichkeiten. Vielleicht sollten sich diese selbsternannten Moralaposteln erst einmal im eigenen Land für gerechtere Steuern einsetzen; oder profitieren sie vielleicht selbst von dieser Situation und wollen nur auf eine andere Art und Weise schmarotzen?

  • Eine Bank existiert durch die Arbeit mit fremden Geld. Kunden bringen Ihr Geld zur Bank, weil es mehr werden soll. Wenn das ganze Geld in der Schweiz alles Schwarzgeld ist dann frage ich mich, woher das kommt? Während in Deutschland ein selbständig Tätiger Steuererklärungen nach Gutdünken abgeben kann (mit dem Risiko einer Betriebsprüfung) soll die Schweizer Bank also von jedem Kunden alle Daten abfragen? Wenn der Kunde nun sagt, er hätte alles regulär versteuert, hat dann die Bank die Möglichkeit dies nachzuprüfen? Es ist so, wie die Credit Suisse sagt: Sie weist die Kunden auf die individuelle Steuerpflicht hin und der Kunde wägt das Risiko mit dem zu erwartendem Gewinn ab. Jeder der etwas anderes behauptet sollte all seine bisherigen beruflichen Zertifikate wegschmeissen!

  • Mit den Steuerhinterziehungsmodellen der Banken zeigt die Schweiz wieder einmal, daß sie nicht der moralische Saubermann ist, für den sich die Eidgenossen so gerne ausgeben. Gravierender als für Deutschland wirkt sich das für Griechenland aus, wo die Schweiz praktisch durch Bunkerung hinterzogener Steuern den Griechen die Luft abdrückt.

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