Kommentar
Die Euro-Krise erreicht Ost-Asien

Je länger sich die Krise der westlichen Länder hinzieht, desto bedrohlicher werden in Fernost die Auswirkungen des billigen Geldes. Noch können die Regierungen gegensteuern.
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Früher waren es die USA, von deren Gesundheit das Wohl der restlichen Welt abhing. Gestern zeigte sich jedoch, dass wichtige Impulse inzwischen auch aus einer anderen Richtung kommen: Nachdem die japanische Zentralbank eine neue Phase lockerer Geldpolitik angekündigt hatte, eröffneten die Märkte in London und Frankfurt stärker.

Genau eine Woche zuvor hatte die Ankündigung einer neuen Konjunkturstützung durch den chinesischen Premier für ein Zwischenhoch an den Märkten gesorgt. Gerade deutsche Unternehmen hören heute genau hin, wenn Konjunkturnachrichten aus den Ländern Ostasiens kommen.

Denn das deutsche Handelssaldo mit China ist bereits größer als das mit den USA. In Fernost lassen sich zudem noch üppige Zuwächse erzielen, während der Rest der Welt bestenfalls stagniert. Allein im ersten Halbjahr hat die deutsche Wirtschaft unterm Strich vier Milliarden Euro im Geschäft mit der Volksrepublik verdient.

Im Gespräch mit Mittelständlern ist immer wieder zu hören: „Bei uns kommt schon ein Drittel des Umsatzes aus China - und fast das komplette Wachstum!“ China verdankt seine Resistenz gegen Konjunkturschocks der Fähigkeit der Regierung, auf Knopfdruck neue Investitionen in Bauprojekte und Fabrikausrüstung auszulösen.

Doch gerade die Folge immer neuer Konjunkturprogramme und Geldschwemmen macht die Wirtschaftsvertreter auch in Ostasien misstrauisch. Auch dort wirkt dieses Aufputschmittel immer schlechter, je öfter es verabreicht wird. Versagt es ganz, dann wird die Hoffnung der deutschen Investoren auf eine Fortsetzung des Wachstumswunders enttäuscht.

Gerade Japan ist hier abschreckendes Beispiel. Nach dem Platzen einer Immobilienblase Ende der 80er-Jahre versicherten Ökonomen in Tokio, die Konjunktur werde schnell wieder anspringen - ein staatliches Ausgabenprogramm werde wie ein Kickstart für die Fortsetzung des Booms wirken; kein Grund zur Sorge. Es kam anders.

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  • Endlich mal ein ausgewoger Kommentar über Probleme , Abhängigkeiten und Chancen zwischen China und Europa.Gute Beschreibung zu Wirkungen von Infrastruktur-Projekten in China und der sich verändernden Industrie.

  • Aufschwung in Europa? Wo soll der herkommen? Die Krise beginnt gerade erst. Es sei denn, man kann noch mehr Schulden machen. Da dürften sich allerdings kaum noch Möglichkeiten auftun. Japan ist ein gutes Beispiel für die Zukunftsaussichten - wenn es noch einigermaßen gut geht.

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