Kommentar
Die Gefahr weiterer Ölpreisausschläge ist hoch

Das hatte gerade noch gefehlt! Die Schließung des Ölfeldes Prudhoe Bay in Alaska auf unabsehbare Zeit versetzt dem ohnehin angespannten Ölmarkt einen unverhofften Nackenschlag. Für den federführenden britischen Energiekonzern BP ist sie eine Blamage und für die ganze Industrie ein Warnzeichen.

Die rostenden Pipelines in Alaska zeigen, dass die Ölproduktion in immer unwirtlicheren Gegenden ihren Preis hat. Das schwarze Gold ist immer schwerer zu bergen und die Ausfallrisiken wachsen. Und da die Ölwirtschaft wegen der starken Nachfrage aus Asiens aufstrebenden Ländern auf vollen Touren arbeitet, reagiert der Ölmarkt nervös auf jede neue Störung. Schon jetzt produziert die Industrie nach einer Serie kleinerer Pannen unter den Erwartungen. Der Ausfall in Alaska verschärft die Lage noch.

Es zeichnet sich also ab, dass der Ölpreis bis in die Wintersaison hinein hoch bleiben wird. Die Gefahr weiterer Ausschläge nach oben wächst: Der Krieg im Libanon, die anhaltende Gewalt im Irak, die Probleme in Nigeria, die Verstaatlichungstendenzen in Lateinamerika - das Bündel an Problemen ist groß genug. Jederzeit kann eine Naturkatastrophe wie die Hurrikane im Golf von Mexiko im vergangenen Jahr die Lage verschärfen. Und noch dazu bietet jede weitere Verknappung dem Regime in Teheran neue Möglichkeiten, im Ringen um sein Atomprogramm die Ölkarte zu spielen. Zum Glück hat sich die Weltwirtschaft bisher erstaunlich resistent gegen die hohen Ölpreise gezeigt.

heilmann@handelsblatt.com

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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