Kommentar
Die Gewerkschaften gefährden den Arbeitsmarkt

Dass die Gewerkschaften quer durch Branchen und Regionen höhere Abschlüsse verlangen, ist ihr gutes Recht. Problematisch für die Wirtschaft wird es dann, wenn Beschäftigungsgarantien zur Debatte stehen. Ein Kommentar.
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Die deutsche Industrie ist nicht so leicht kaputtzukriegen. Und ihr Schicksal hängt zurzeit wohl sogar mehr von der chinesischen Konjunktur ab als von der deutschen Lohnpolitik im Jahr 2012. Das enthebt die IG Metall allerdings nicht ihrer Verantwortung. So wie es in der Politik sogenannte Richtungswahlen gibt, geht es in der Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr gewissermaßen um eine Richtungs-Tarifrunde.

Auf die akute Ausnahmesituation der Wirtschaftskrise haben IG Metall und Arbeitgeber vor zwei Jahren mit einem beachtlichen Gemeinsinn reagiert, der ihnen viel Respekt eintrug. Umso mehr geht es jetzt nicht nur darum, wie ein Lohnabschluss kurzfristig die Kostenrechnung von Auto- und Maschinenbauern verändert. Diese Tarifrunde ist der erste echte Gradmesser dafür, welchen Kurs das System der deutschen Arbeitsbeziehungen nach der Krise nimmt.

Die Antwort auf diese Frage ist auch nach mittlerweile vier Wochen Metall-Tarifverhandlungen noch nicht so recht erkennbar. Im Vordergrund geht wieder routinemäßig um Prozente - im aktuellen Fall darüber, inwieweit die Lohnforderung von 6,5 Prozent ins Konjunkturbild passt. Brisanter ist die zweite Ebene dahinter: ein neuer, alter Richtungsstreit über die Funktion von Tarifpolitik schlechthin.

In den vergangenen zehn Jahren war Metall-Tarifpolitik vor allem so etwas wie Flexibilitätsmanagement: Das Bedürfnis der Betriebe, im Wettbewerb schnell zu disponieren, wurde in tarifliche Regelwerke mit vielen betrieblichen Differenzierungsklauseln umgesetzt. Das Prinzip: mehr Flexibilität im Tausch gegen mehr Mitsprache der Betriebsräte und ordentliche Lohnzuwächse. Dass die Betriebe weitere Flexibilitätspuffer wie Outsourcing und Zeitarbeit in der Hinterhand hatten, rundete dieses ökonomisch erfolgreiche Arrangement zunächst nur ab.

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Mehr Mitsprache begrenzt Flexibilität

Kommentare zu " Kommentar: Die Gewerkschaften gefährden den Arbeitsmarkt"

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  • @ Dietrich Creutzburg

    Das verdienen Sie in der Stunde netto?

  • @ Johannes Schmidt

    Wem wollen sie das erzählen?
    Etwa dem AN der in den letzten Jahren über 20% Kaufkraftverlust hinnehmen mußte?
    Oder etwa den Rentnern?
    Oder den Leiharbeitern, die jetzt für weniger als die Hälfte den selben Job machen?

    Und wofür?

    Für den europäischen Währungsraum, also für griechische Fakelaki, etc
    Gehts noch?

    Schönen Tag noch. Nutzen zum Nachdenken

  • In einer Zeit, in der die EZB 2 Billionen in den europäischen Währungsraum pumpt, sind die Vorstellungen der Gewerkschaften verantwortungslos.
    Gewerkschaften sind Lobby-Vereinigungen, die sich als nächstenliebende Wohlfahrtsorganisationen darstellen und darstellen lassen.

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