Kommentar
Die goldene Aktie hat keinen Glanz mehr

Die Fusion von EADS mit der Rüstungsfirma BAE wird kritisch beäugt. Und nun soll EADS auch noch geschützt werden - aber vor wem eigentlich?
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Berlin, London und Paris werden sich von kleinkarierten Beamten der Europäischen Kommission kaum beeindrucken lassen. Das Trio ist fest entschlossen, sein neuestes industrielles Großprojekt durchzuziehen. Da darf Brüssel nicht im Wege stehen. Geplant ist die Fusion des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit der britischen Rüstungsfirma BAE. Damit entstünde das weltgrößte Unternehmen seiner Branche. Vom Passagierflugzeug Airbus über Luftabwehrraketen bis zu Helikoptern wäre alles im Angebot. Das gilt es zu schützen, sagen sich die Regierenden. Und deshalb soll jeder der drei Beteiligten eine goldene Aktie der neuen EADS bekommen.

Die sollen verhindern, dass der neue Konzern in unerwünschte Hände fällt. Abgeschreckt werden aber nicht nur Konkurrenten, sondern auch potenzielle Aktionäre. Die Idee der goldenen Aktie ist nicht neu. Mit Sonderrechten ausgestattete Aktien als letztes Mittel zur Wahrung eigener Interessen hatten schon einmal Hochkonjunktur. Meist ging es der Politik darum, das letzte Wort bei Telefonkonzernen oder Energieversorgern zu behalten, als diese aus staatlicher Obhut entlassen und privatisiert wurden.

Frankreich beherrschte diese Form des ultimativen Zugriffs in Perfektion. Zeitweise gab es praktisch keinen Ver- oder Entsorger, der nicht mit einer entscheidenden Aktie vom Wohlwollen des Élysées abhing.

Brüssel kämpft seit Jahren dagegen. Goldene Aktien sind in der EU allenfalls zum Schutz nationaler Sicherheitsinteressen erlaubt. Gegen heftigen Widerstand schaffte es die Kommission, goldene Aktien nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen oder zu verhindern. Zuletzt in Portugal, wo die Regierung im Zuge der Reformen ihre staatlichen Versorger EDP und PT privatisieren, zugleich aber den letzten Zugriff behalten wollte. In Deutschland hat das weniger Tradition. Wir bedienen uns subtilerer Methoden. Beispielsweise des umstrittenen VW-Gesetzes, das dem Land Niedersachsen faktisch immer eine Mehrheit in der Hauptversammlung sichert. Auch unser Außenwirtschaftsgesetz ist ein Trick, zumindest unerwünschte Auslandsinvestoren fernzuhalten.

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  • Generell: Noch perverser ist die grundsätzliche Idee, dass solche Geschäfte - die im Sinne der nationalstaatlichen Sicherheit natürlich ihre Erfordernisse haben - VON PRIVATEN PROFITEUREN betrieben werden sollen.

    Moralisch beleuchtet ist ein Rüstungskonzern dieser Größe in Privathand absoluter Dunkelpfad! Die Rüstungssparte von EADS gehört vollständig verstaatlicht, kein Privatmann dürfte damit Profit machen können.

  • Zitat "So, als wäre der Welt führender Luft- und Rüstungskonzern ein glanzloses Investment."

    Ja, das ist es auch! Es klebt Blut dran und ist daher abzulehnen...

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