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Kommentar: Die Griechen geben ihr letztes Hemd

Die neuen Sparbeschlüsse sind mehr, als man von den Griechen erwarten konnte. Das Land geht ans Äußerste, um Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit zu übernehmen. Die Rettung naht. Ein Kommentar

Frank Wiebe ist Kolumnist des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola
Frank Wiebe ist Kolumnist des Handelsblatts. Quelle: Pablo Castagnola

Ja, es gibt noch Detailfragen zu klären. Aber insgesamt zeichnet sich jetzt doch deutlich ab, dass Griechenland das nächste Hilfspaket - bestehend aus Krediten plus einem großen Schuldenschnitt - tatsächlich bekommt. Dass bis zur letzten Minute noch gefeilscht, kritisiert und protestiert wird, gehört zum politischen Spiel. Niemand, der sein Gesicht wahren will, kann Positionen aufgeben, ohne möglichst medienwirksam dafür zu kämpfen.

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Die Grundzüge des Konzepts stehen fest. Griechenland friert die Löhne ein, senkt die Arbeitskosten und spart Stellen im öffentlichen Dienst ein. Die Idee ist, auch ohne Austritt aus der Währungsunion eine Art Abwertung hinzubekommen, damit das Land wieder wettbewerbsfähiger wird. Ergänzend verzichten die privaten Gläubiger auf rund 70 Prozent ihrer Forderungen - dieser Prozentsatz ergibt sich rechnerisch aus einem Schuldenschnitt um 50 Prozent plus einer künftig unter Marktniveau liegenden Verzinsung der neuen Anleihen, die die Gläubiger im Tausch für die auslaufenden Papiere bekommen.

Offiziell noch unklar ist, ob die Europäische Zentralbank, die ja große Bestände griechischer Anleihen besitzt, sich an der Aktion beteiligt. Aber die kursierenden Vorschläge, dass die Notenbank, die ihre Papiere zumeist deutlich unter Nominalwert gekauft hat, zumindest auf künftige Gewinne verzichtet, ist so plausibel und wirtschaftlich so vernünftig, dass man doch darauf hoffen kann.

Schuldenschnitt in Griechenland Die Rhetorik des Wartens

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Was wäre das Ergebnis, wenn all dies umgesetzt würde?

Griechenland wäre von einem erheblichen Teil seiner Schulden befreit, bliebe zahlungsfähig, behielte den Euro und wäre wettbewerbsfähiger als vorher. Das sind eine ganze Menge positiver Punkte.

Natürlich darf man die negative Seite auch nicht übersehen: Ein komplett neues „Geschäftsmodell“ für Griechenland, das auf Dauer die schwache Leistungsbilanz sanieren kann, entsteht so noch nicht. Außerdem wird das Land weiter durch harte politische Auseinandersetzungen gehen, und es wird durch die Sparmaßnahmen auch in der Rezession stecken bleiben.

Griechenland

Nebenbei wird es noch eine Menge Krach in Europa geben, und beim Schuldenverzicht werden einige Hedge-Fonds versuchen, sich rauszuziehen und abzusahnen, weil sie griechische Bonds billig gekauft haben und dann doch irgendwie noch zu hohem Kurs ausbezahlt bekommen.

Aber  konnte man in dieser komplizierten Gemengelage ernsthaft ein besseres Ergebnis erwarten? Ein Patentrezept, mit dem sich alle Probleme lösen lassen, gibt es nicht. Und der Blick in die Vergangenheit hilft auch nicht weiter – ob Griechenland besser gar nicht den Euro eingeführt  hätte, ist eine Frage für die Historiker.

107 Kommentare

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  • 10.02.2012, 18:56 UhrAnonymer Benutzer: Amen

    @ allemeineentchen,
    das wäre Enteignung à la Castro.
    Man kann nicht dafür sein wenn man Jahrzehntelang das bei Castro gebrandmarkt hat.
    Besser einfach Insolvenz anmelden und die (überwiegend deutsche und französische) Banken die Jahrzehntelang an Griechenland sich fettgefressen haben, sollen zusehehn wie sie zurecht kommen.
    Basta

  • 10.02.2012, 10:54 UhrAnonymer Benutzer: eli

    Wahnsinn, was einem von der Journaille alles verklickert wird. Die armen griechischen Sparer werden verlieren und was ist mit den deutschen???
    Die griech. Notenbank druckt bereits wie wahnsinnig unter der Aufsicht des Inflationärs Draghi Euros.
    Ach ja und die reichen Griechen sind ja alle fort und dieses unterstützten Barroso, Juncker und Konsorten.

    Eine Frechheit sondergleichen, Herr Wilbe, was Sie uns da verklickern.

  • 10.02.2012, 08:03 Uhrr.jonasson

    Meine Güte, was für ein naives Geschreibsel, unfassbar für eine Wirtschaftszeitung. Nein Herr Wiebe: Die Griechen geben keineswegs "ihr letztes Hemd", sie behaupten dies nur, zum wiederholten Mal, denn umgesetzt wurde und wird von den angeblichen Sparpaketen so gut wie nichts. Und die große Überraschung, dass auch das nächste "Hilfspaket" auf unsere Kosten abgeschickt wird, ist ja wohl reine Heuchelei, oder? Ich jedenfalls wußte das schon vorher. Der Gipfel aber ist der schöne Satz Europa dürfe wegen eines so kleinen Landes nicht die "Glaubwürdigkeit des Euro" aufgeben. Was gäbe es da wohl noch aufzugeben - soll das ein Witz sein?! Wie glaubwürdig ist wohl ein System, das im 14-Tage-Rhytmus mit Unsummen "gerettet" werden muss? Griechenland ist seit zwar Jahren pleite, jeder weiß es, nur die verblödeten Euromantiker bilden sich ein, sie könnten die Märkte austricksen, mit Hunderten Milliarden Steuergeld, die am Ende, natürlich, weg sind. Inzwischen wird hinter vorgehaltener Hand auch schon von maßgeblichen Politkern zugegeben, dass nur noch auf Zeit gespielt wird, damit Herr Sarkozy doch noch eine kleine Chance im Wahlkampf hat - deutsche Steuer-Millarden für den französichen Wahlkampf, ich bin gespannt, welche Ausreden das Verfassungsgericht diesmal erfindet, um auch diesen Irrsinn noch durchzuwinken. Herr Wiebe: Man kann Europa nicht auf Lug, Betrug und Vertragsbruch bauen, schon gar nicht aber gegen den - oft genug erklärten - Willen der Bürger. Es gibt für diesen Euro-Sozialismus, der beschönigend Transfer-Union genannt wird, keine demokratische Mehrheit (noch nicht mal in den nehmerländern) und daher wird DIESES Europa auch untergehen wie Jugoslawien und die UdSSR, je eher, und das ist gut so!

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