Kommentar
Die große Farce von Athen

Das Schauspiel, das wir in diesen Tagen in Athen erlebt haben, war eine Farce. Griechenland kann nur mit einem geordneten Staatskonkurs „gerettet“ werden. Ohne diesen Neuanfang ist Hellas verloren.
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Meist wird die Tragödie bemüht, um den zum Scheitern verurteilten Kampf Griechenlands mit seinen Schulden zu beschreiben. Das Schauspiel, das wir jedoch in diesen Tagen in Athen erlebt haben, war eine Farce.

Nicht, weil man über das Leid der Griechen lachen könnte, sondern weil hier mit allen theatralischen Tricks versucht wurde, dem Publikum etwas vorzugaukeln. Die Griechen taten so, als ob sie bei dem Poker mit ihren Gläubigern noch einen Joker im Ärmel hätten. Dieser Joker war die Drohung, das Land für zahlungsunfähig zu erklären und damit unter den Investoren eine panische Kettenreaktion auszulösen. Für den Euro wäre das der Anfang vom Ende.

Doch die griechische Karte konnte nicht stechen. Die größten Leidtragenden einer ungeordneten Staatspleite wären die Griechen selbst. Das, was seit Ausbruch der Krise noch übrig geblieben ist von einem verfallenden Staatswesen, würde zerstört. Das heißt aber nicht, dass ein solches Schreckensszenario völlig ausgeschlossen ist. Die Geschichte folgt nicht der Kant’schen Vernunft, sondern wird oft getrieben von einer irrational agierenden Politik. Schwere Unfälle sind deshalb jederzeit möglich.

Aber auch die Troika der europäischen Gläubiger hat die Zuschauer des griechischen Spektakels mit leicht durchschaubaren Zahlenspielen getäuscht. So ist das anvisierte Ziel der brachialen Spar- und Streichaktion, den Schuldenstand Griechenlands innerhalb von acht Jahren von 160 auf 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken. Diese Schuldenlast, so glauben EU und Internationaler Währungsfonds, könne das Land aus eigener Kraft schultern.

Zu Beginn der Schuldenkrise 2010 galt ein derart hoher Schuldenstand jedoch als nicht tragbar für das Land. Und zwar, weil die Wachstumskräfte schon damals nicht stark genug waren, um allein die Zinslasten zu tragen. Seitdem hat man die Zinsschraube zwar etwas gelockert, doch die Wachstumskräfte sind völlig erschlafft. In den vergangenen beiden Jahren ist die griechische Wirtschaft zwischen vier und fünf Prozent geschrumpft. Wie Griechenland trotz härtester Austerität auf einen Wachstumspfad zurückkehren soll, bleibt das Geheimnis der Troika. Die von Bundesfinanzminister Schäuble immer wieder zitierten US-Ökonomen Rogoff und Reinhart sehen übrigens bereits bei einer Quote von 90 Prozent die Gefahr einer unkontrollierbaren Schuldendynamik.

Diese Fakten sollten wir im Kopf behalten, wenn die Farce von Athen in den kommenden Monaten neu aufgeführt wird. Hier lügen sich beide Seiten aus unterschiedlichen Gründen kräftig in die Tasche. Die einen, weil sie sich aus lauter Not nicht anders zu helfen wissen. Die anderen, weil sie sich immer noch scheuen, das Unabwendbare zu akzeptieren.

Griechenland kann nur mit einem geordneten Staatskonkurs „gerettet“ werden. Ohne diesen Neuanfang und ohne eine langfristige Wachstumsstrategie ist Athen verloren.

Der Autor leitet das Ressort Meinung und Analyse. Sie erreichen ihn unter: riecke@handelsblatt.com

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Kommentar: Die große Farce von Athen"

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  • @lichtenberg

    Sie besitzen zu Griechenland nur rudimentaere Kenntnisse, die zudem in ihrem Surri voellig ausgrenzen. Germanischer kleiner Grosskotz

  • einverstanden.

    Es muß das Motto her,
    man kann nur ausgeben was man hat, und vom Volksvermögen
    darf man sich aus was pumpen. Aber man sollte es für ordentliche Zwecke verwenden.
    Wie weit die Günstlingswirtschaft in Deutschland bereits ist, sieht man ja an der Reaktion des Oberhauptlings.
    Er findet das wohl redlich, als normaler Bürger, so meint der Bürger, wäre er niemals in die upgrades gefallen. In dem Fall hat5 die Straqße recht. Der normale Bürger kommt schon gar nicht ans check in ran.

  • @lichtenberg, die andere Alternative ist, Griechenland bekommt kein weiteres Geld (kriegen eh kaum welches, landet alles bei den Banken), dann wären zwar 750.000 öffentlich Bedienstete in Anstellung (man frägt sich, womit die sich beschäftigen), müssten allerdings dann mit einem Bruchteil ihrer derzeitigen Bezüge auskommen

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