Kommentar
Die Innenstadt als Showroom

Das Verhältnis zwischen Händlern und Produzenten wandelt sich momentan rasant. Neue Chancen und sogar neue Arbeitsplätze sind nicht ausgeschlossen. Eine zentrale Funktion nehmen dabei die Marken ein.
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Entlassungen bei Karstadt und bei Metro, schwindende Chancen für die Schlecker-Reste: Die Meldungen der vergangenen Tage aus dem Handel klangen bedrückend. Dabei sind sie nur ein Zeichen dafür, dass sich das Verhältnis zwischen Händlern und Produzenten rasant wandelt - mit neuen Chancen, auch für neue Arbeitsplätze. Zentral dabei sind die Marken.

Eine Meldung ging fast unter: Der Modekonzern Tom Tailor gestaltet künftig allein die kompletten Kinderabteilungen der Modekette Adler. Die Hamburger suchen die Produkte aus, schreiben vor, wie diese präsentiert werden, und bestimmen, wie viele Produkte im Laden liegen. Adler stellt im Grunde nur noch die Flächen bereit.

Hier wird ein Trend wie im Brennglas deutlich: Die Handelskette wandelt sich Richtung Einkaufs-Mall. In diesen Häusern unterhalten viele Marken ihre eigenen Läden - ohne zwischengeschaltete Händler. Sie bekommen so viel direkter mit, welche Artikel die Endkunden wünschen. Gerade Modeanbieter können so schneller und zielsicherer agieren. Zudem kassieren sie die Spanne, die sonst bei den Händlern anfällt, einfach mit. Deshalb verdienen Modekonzerne wie Tom Tailor, Gerry Weber und Hugo Boss derzeit im Gleichklang mit der Anzahl ihrer Neueröffnungen immer höhere Margen. Neue Arbeitsplätze entstehen nicht im klassischen Einzelhandel, sondern bei den Marken sowie bei denjenigen günstigen Anbietern wie H&M und Zara, die bereits seit Jahren Design, Beschaffung und Verkauf in einem Konzern vereinen.

Die Kollektionen werden zugleich kleiner und sind stärker auf den Geschmack der Kunden ausgerichtet. Eine klassische Funktion des Einzelhandels, die Vorauswahl der Angebote, verliert dadurch an Bedeutung.

So wie also einst das Kaufhaus die gemischten Einzelhändler abgelöst hat, löst die Mall das klassische Kaufhaus ab. Bei Karstadt laufen daher die drei Luxus-Häuser, das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus in Hamburg und der Oberpollinger in München, besonders gut. Sie sind weitgehend auf Marken und ihre Präsentation ausgerichtet. Damit nehmen sie die nächste Revolution der Innenstädte vorweg: Online-Handel wird immer beliebter, seine Preise sind unschlagbar, per Smartphone ordern die Kunden noch im Kaufhaus bei der Konkurrenz. Die Markenläden werden daher zunehmend zu reinen Präsentationsflächen, zu Showrooms, die den Online-Handel befördern. Mittelfristig dienen viele Läden mehr der Inspiration für den Online-Kauf als der Mitnahme. Wer sich darauf noch nicht wirklich eingestellt hat - etwa der Elektrohändler Saturn - wird in Zukunft (noch mehr) Probleme bekommen.

Die Zukunft im Massengeschäft gehört Läden und Handelsflächen, die von den starken Marken bestimmt werden. Eine Chance haben zudem einige wenige individuelle Fachgeschäfte, die Nischenmarken inszenieren. Und natürlich überleben die Ketten mit reinen Eigenmarken wie H&M. Das Mischwaren-Kaufhaus alter Prägung hat hingegen ebenso wenig Chancen wie Läden, die wie Schlecker die Marken verramschen.

Kommentare zu " Kommentar: Die Innenstadt als Showroom"

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  • Deutsch war schon immer vom Einfluss geprägt. Latein, griechisch, französisch. Warum nun anders, nur wegen ein paar verbitterten, die sich besonders deutsch fühlen.

  • Showroom, Schoruhm, mein Gott, wir haben eine eigene Sprache, warum immer die Charakterlosigkeit der Deutschen....

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