Kommentar

Die Kanzlerin ist wieder auf Kurs

Angela Merkel hatte keine andere Wahl: Hätte sie ihrem Umweltminister nicht den Laufpass gegeben, hätte ihre Kanzlerschaft gelitten. Union, FDP und die Opposition haben es nun mit einer anderen Merkel zu tun.
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Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur und Büroleiter in Berlin.

In 90 Sekunden hat sich die politische Welt in Berlin geändert. 90 Sekunden brauchte Angela Merkel, um zu dokumentieren, wer die Chefin im Ring ist und welche Ausrichtung ihre Partei haben soll. In einer schneidend kurzen Erklärung, die einer öffentlichen Hinrichtung gleichkam, hat sie Umweltminister Norbert Röttgen aus dem Amt geworfen und ihren Vertrauten Peter Altmaier zum Nachfolger gekürt.

Damit hat sich Merkel nach einer kritischen Phase ihrer Kanzlerschaft wieder stabilisiert. Die Art und Weise der Demission ihres einstigen Lieblings („Muttis Klügster“) zeigt jedoch, dass es hier nicht nur um einen an seiner eigenen Eitelkeit gescheiterten Politiker ging - für Merkel stand mehr auf dem Spiel. In den Iden des Mais wurde ihre Kanzlerschaft auf eine heftige Probe gestellt. Wenn sie jetzt nicht gehandelt hätte, wären in Regierung und Partei die Dinge aus dem Ruder gelaufen.

Außen- und innenpolitisch sind in den vergangenen Tagen Entwicklungen zusammengekommen, die zu erheblichem Druck geführt haben: In Europa drohte eine Revolte gegen die von einigen Ländern zunehmend als deutsche Hegemonie empfundene Europapolitik. Die Wahl des Sozialisten Hollande zum neuen französischen Staatspräsidenten wird von Merkels Gegenkräften in Europa und von der deutschen Sozialdemokratie als Signal für eine Umkehr gesehen. Sie witterten Morgenluft. Zugleich hat das Wahldebakel in Nordrhein-Westfalen die Union in Selbstzweifel gestürzt. Erstmals nach elf Niederlagen bei Landtagswahlen in Folge richteten sich die kritischen Blicke auf Merkel selbst. Ihr Kurs einer Sozialdemokratisierung und Vergrünung der CDU wurde für die Niederlage mitverantwortlich gemacht.

Es ist erstaunlich, wie die Kanzlerin es immer wieder schafft, negative Entwicklungen in positive Energie umzuwandeln. Das war schon 2002 so, als sie absehbar nicht Kanzlerkandidatin der CDU/CSU werden konnte - und dem bayerischen Ministerpräsidenten Stoiber den Vortritt ließ. Was zunächst als Schwäche galt, wurde später zur Stärke. Es sind diese gewonnenen Niederlagen, die das Besondere ihrer Person ausmachen. So hat sie am Dienstagabend den renitenten Hollande in Berlin erst einmal elegant abgefedert. Dessen Forderungen nach Wachstum gehen jetzt in ein geordnetes Verfahren der typischen EU-Gipfeldiplomatie und werden am Ende vermutlich so passend gemacht, dass Merkel und Hollande damit leben können.

Röttgen hat auf eigene Rechnung gearbeitet
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10 Kommentare zu "Kommentar: Die Kanzlerin ist wieder auf Kurs"

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  • SCHÖNES BEISPIEL Teil 2
    Als Beobachter kann man an diesem Fall wieder einmal genau beobachten, was merkel wirklich beeindruckt; Stimmenverluste nur Stimmenverluste. Man kann es bei der CDU/CSU drehen und wenden, wie man will; der NRW-Wähler hat merkel und schäuble deutlich gezeigt, wo der Hammer hängt; da kann merkel Sündenböcke schlachten, soviel sie will. 2013 ist Zahltag, da nützen auch noch so viele Propaganda taktische Manöver nichts. Merkel hat hier wieder einmal in aller Deutlichkeit gezeigt, was menschlich von ihr zu halten ist. Der Wähler tut gut daran, dies zu erkennen, zu begreifen und daraus seine Konsequenzen zu ziehen. Wer glaubt, dass merkel mit den Deutschen menschlicher anders umspringt, macht sich zum Narren.
    Merkel ist alles, aber nur nicht wieder auf Kurs, das sollte auch langsam ein Herr Inacker begreifen.

  • SCHÖNES BEISPIEL Teil 1
    Hier haben wir wieder einmal ein schönes Beispiel, wie merkel mit anderen umspringt; sei es die Bürger Deutschlands oder ein Minister den sie noch vor Tagen wie „Sauerbier“ dem Wähler als politische Führungskraft verkaufen wollte, wohl wissend, dass Röttgen, bei diesem katastrophalen Regierungsstil merkel’s, auch nur den Hauch einer Chance hatte, gut abzuschneiden. Er wurde von merkel wie so viele vor ihm kalt lächelnd verheizt. Wer dies mit Schadenfreude verfolgt, sollte dabei nicht außer Acht lassen, dass merkel mit den Deutschen Bundesbürgern genauso umspringt, wenn es um ihre europäischen Machtinteressen geht.
    Röttgen machte den Fehler sich von Merkel verheizen zu lassen. Er wäre besser beraten gewesen eine Kandidatur abzulehnen aber so hat er sich von merkel auf schäbige Weise vorführen lassen; nicht gerade ein Zeichen von politischer Intelligenz. Wie lange braucht die Basis der CDU/CSU eigentlich noch, um zu begreifen wie gnadenlos sie von ihrem „Führungspersonal“ schamlos zu politischen Trotteln degradiert wird, die gnadenlos zu Kanonenfutter verarbeitet werden, wenn es den Herrschaften den eigenen Machtinteressen dient.
    Wie lange brauchen die eigentlich noch, um gegen diesen Menschen verachtenden Umgangsstil aufzubegehren um merkel wie schäuble endlich in die Wüste zu schicken. Stattdessen machen sie sich zu „Bücklingen“ ohne Rückgrat und Selbstachtung und wagen es nicht auch nur ansatzweise aufzubegehren; einfach nur traurig und beschämend.

  • Es nutzt nur noch der Aufstand und die Ausschaltung der "Politiker", die gegen das Grundgesetzt handeln. Das Grundgesetz verpflichtet jeden Büger dazu die Rechte der Bürger und der Demokratie zu verteidigen. Die Köpfe der Kanzlerin und des Politpacks müssen rollen!! Das Grundgesetz legitimiert uns dazu.

  • Merkel hat eine sehr weise Entscheidung getroffen. Die Wahlniederlage in NRW und die schlechte Arbeit von Röttgen als Umweltminister waren Anlaß genug um endlich (!) klarzustellen: Die Union darf nicht zu einer zweiten Es Pe De mit grünem Anstrich werden. Röttgen stand für eine Verwischung des Profils der Union. Ob er intelligent und gutaussehend ist, spielt für die meisten Unionswähler keine Rolle. Warum sind denn soviele Wähler in NRW zu Hause geblieben? Röttgen hätte mal nach Münster, Paderborn, ins Siegerland, an den Niederrhein, etc. fahren sollen und zuhören müssen. Dort will man von einer rot-grünen Union nichts wissen! Schwarz muß die Union sein, ansonsten ist sie nicht! Ein Wahlerfolg, egal wo, erringt man zu allererst, wenn man die eigene Anhängerschaft möglichst zu 100 % motiviert und aktiviert. Zur Erinnerung: Frau Kraft - was hat die denn bisher geleistet? - hat weniger Stimmen als beim letztenmal bekommen. Sie hat nur gesiegt, weil die Union ihre Wähler nicht an die Urne bekommen hat. Das ist Röttgens Schuld. Sein Rauswurf ist auch in der vorgenommenen Härte verdient. Bravo Angela Merkel! Und den vorlauten Hollande kriegt sie auch noch...

  • Die Kanzlerin ist wieder auf Kurs
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    womit ich trotz ihres Europakurses,dennoch sehr einverstanden bin,das sie grad das Boot Deutschland
    durch die Wellen führt.Vor Rot/Grün,graust es mich regelrecht.

  • Mit Verlaub, Herr Inacker,

    Frau Merkel hat keinen Kurs. (Fast) nie gehabt.

    Sie befindet sich (aus Fehlern lernt man, Leipzig "quo vadis Deutschland?") auf einem Schiff, welches kein mehr Ruder hat. Vielmehr ist das Segel - je nach Wind und Wetter (allgemeine Meinungsrichtung) das Ruder des Schiffes im Meer. Die Strömung gibt die Richtung vor, die Dame vertraut auf den Strom. Sie lässt bisweilen lediglich auf- und abhissen. Die Berater entscheiden natürlich , aber der Wind gibt die Argumentationsketten vor.

    Das Problem ist nun, dass das Meer austrocknet. Der Wind weht von allen Richtungen. Heute so. morgen anders. Das wird sich rächen, sobald sich Zusammenschnitte der kontroversen "Richtungsentscheidungen" der Bundeskanzlerin häufen.

    Die CDU / CSU betritt die Endphase, die SPD / Grüne (nach der Schröder-Ära) können auf Machtgewinn spielen, die kleinen (FDP / Piraten / X) könnten entscheiden.

    LG
    Blackstone

  • Die Kanzlerin ist wieder auf Kurs? Was für ein Kurs? Hatte Frau Merkel jemals einen Kurs? Der einzige Kurs den sie je hatte, war das Wegbeißen jeglicher Personen, die ihre Unwissenheit entblößen hätten können. Lasst uns alle hoffen, dass die Ära Merkel bei der nächsten Bundestagswahl beendet wird. Sie nutzt ihre Macht nie für etwas sinnvolles. Das liegt daran, dass sie nicht weiß was überhaupt sinvoll ist. Für sie gibt es nur eine sinnvolle Sache. Dass sie an der Macht bleibt. Ob uns Deutschen das reichen sollte?? Wollen wir nicht bald mal wieder eine Regierung haben, die nicht nur für Europa einsteht, sondern dabei auch mal an das eigene Land denkt. Nur ein kleines bisschen vielleicht.

  • Endschi Du hast es richtig gemacht. Röttgen war genau wie Wulff ein Blender. Wie war das? Ja, er war auch ein Blender. Dieser Mann gehörte und gehört nicht in eine verantwortliche Position. Es ist so. Er ist kalt wie ein Eisberg. Ich weiß garnicht wo er seine Promotion gemacht hat. Vielleicht sollte man auch hier einmal nachsehen. In NRW hat er einen Flopp gelandet. Er mußt nach Hause geschickt werden. Und dann ist Frau Kraft mit Herzenswärme auf die Menschen losgegangen. Anstatt das Gleiche zu tun, hat er eine Distanz zum Wähler aufgebaut. Das haben die Menschen gespürt und haben gehandelt. So einfach ist das.

  • @azaziel

    Respekt, Ihre Einschätzung kommt der Realität sehr nahe. Der Herr Inacker befremdet mich doch sehr.

  • Was fuer eine Fehleinschaetzung Herr Inacker! Seehofer hat Wind gemacht und Merkel umgeblasen. Fuer die schlechte Energiepolitik ist Merkel ganz allein verantwortlich. Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg war eine eine chaotische Fehleinschaetzung unserer Moeglichkeiten und verursacht Energiechaos. Auch Altmeier wird es nicht mehr richten. Merkel hat kein Konzept! Fuer nichts ein Konzept, auf keinem Fachgebiet wird erkennbar, was diese Frau will. Vom Sozialismus und vom Kapitalismus das jeweils Beste? Fuer jeden ein bischen? „Negative Entwicklungen in positive Energie umwandeln“, also Herr Inacker, da hebts mich ja aus den Socken. Mir kommt es vor wie in den letzten Stunden im Fuehrerbunker, als der Fuehrer Divisionen an die Front schickte, die es lange nicht mehr gab, nicht mal auf dem Papier. Und auch er hat wild um sich gebissen und seine Vertrauten gefeuert. Endzeit! Vielleicht wacht endlich mal einer in der CDU auf und feuert Merkel.

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