Kommentar
Die Kurzsichtigkeit des Eon-Chefs

Die massiven Stellenstreichungen machen das jahrelange Missmanagement bei Eon deutlich: Statt die Strukturen zu straffen, hat sich die Konzernspitze jahrelang auf ihren fetten Gewinnen ausgeruht. Den Mitarbeitern jetzt mit Kündigungen zu drohen, wird dem Unternehmen schaden.
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Düsseldorf Eon steckt in der Krise. Der Konzern braucht hoch motivierte Mitarbeiter, um sich neu zu erfinden. Doch die Fragen der meisten Mitarbeiten lauten derzeit nicht: Wie kann ich zusammen mit meinen Kollegen meinem Unternehmen aus dem Schlamassel helfen? Oder: Wie schaffen wir das gemeinsam?

In den Köpfen der meisten geht vielmehr folgende Frage um: Habe ich morgen noch einen Job? Jeder ist sich selbst der Nächste, das liegt in der Natur des Menschen. Und wer um seine eigene finanzielle Existenz und die seiner Familie bangen muss, kann sich schlechter auf seine Arbeit konzentrieren. Hinzu kommt der unvermeidliche Flurfunk, der ebenfalls Kräfte raubt und Unruhe in das Unternehmen bringt.

Eon-Chef Johannes Teyssen steht das Wasser bis zum Hals. Im August dieses Jahres verkündete er den ersten Quartalsverlust der Unternehmensgeschichte. Im Unternehmen muss etwas passieren, Teyssen muss liefern. Und das einfachste ist in diesen Momenten stets: Stellen streichen.

Darum geht es auch bei der heutigen Sitzung des Aufsichtsrates. Lange hatte das Gremium nicht mehr so viel zu besprechen. Und ausgerechnet jetzt ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt.

Eon muss Arbeitsplätze abbauen, das ist unbestritten. In vielen Bereichen des Konzerns wird doppelt gearbeitet, es gibt mehr hoch bezahlte Führungskräfte, als nötig wären. Doch diese Wasserköpfe bestehen nicht erst seit der von der Bundesregierung beschlossenen Atomwende. Teyssen und seine Vorgänger haben es versäumt, in weniger turbulenten Zeiten die Strukturen zu straffen, Verträge sanft auslaufen zu lassen, ohnehin frei werdende Stellen nicht neu zu besetzen. Stattdessen haben sie sich stets auf den Gewinnbringer Atomkraft verlassen. Nun hat der Konzern Not.

Entsprechend kopflos agiert die Konzernspitze jetzt. Bereits im August war durchgesickert, dass Teyssen bis zu 11.000 Stellen abbauen will. Danach ließ er die Mitarbeiter mit dieser Drohung lange allein. Erst drei Monate nach der Ankündigung wurde klar, welche Bereiche es konkret treffen wird. Vor allem die Verwaltungszentralen in Düsseldorf, Hannover und München sollen stark verkleinert werden. Laut „Rheinischer Post“ sollen in Deutschland bis zu 3000 Beschäftigte in den Vorruhestand gehen, bis zu  2500 Beschäftigte in eine Transfergesellschaft wechseln, und 500 Stellen sollen durch das Auslaufen befristeter Verträge wegfallen.

Dass die Energieversorger die Atomwende hart getroffen hat, ist unbestritten. Der Börsenwert von Eon etwa ist in diesem Jahr um fast die Hälfte abgestürzt Aber die Beschlüsse der Bundesregierung belasten die Unternehmen vor allem deshalb so stark, weil sie unvorbereitet waren. Weil die Konzernspitzen kurzsichtig agiert haben.

Eon hätte ebenso wie zahlreiche private Anleger von den hohen Subventionen für regenerative Energien profitieren können. Gerade auf dem Land erzielen Solaranlagenbesitzer Traumrenditen mit ihren Solaranlagen - und das nicht erst seit der Atomwende. Und wer etwas mehr auf der hohen Kante hat, verdient sich eine goldene Nase mit Windkraftanlagen. Doch die Experten, die großen Energieversorger, haben das Geschäft mit diesen Geldmaschinen schlicht verschlafen und sich stattdessen auf die altbewährten Energiebringer Atom- und Kohlestrom verlassen. Auch Eon gewinnt bisher gerade mal 12 Prozent seines Stroms aus regenerativen Energien.

Das war kurzsichtig. Und es ist der Hauptgrund dafür, dass Eon jetzt mit harten Schnitten reagieren muss.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Der Beitrag ist unqualifiziert. Ralf Kugelstadt

  • Herr Isotop - Ihren Kommentar verstehe ich als undefinierte emotionale Aeusserung.

    Vielleicht zur Erinnerung. In Fukushima wurden die Installationen des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi durch eine gigantische Flutwelle als Folge eines Erdbebens soweit zerstört das es in 3 Reaktoren zur Kernschmelze kam und das Wasser im Abklingbecken eines weiteren Reaktors verdampfte.
    In der Folge ertranken 2 Arbeiter in der Flutwelle, 1 älterer Fremdarbeiter verstarb an Erschöpfung. 30 Arbeiter erhielten eine radioaktive Dosis zwischen 100 und 250 mSv. (Nachweisgrenze für Gesundheitsschäden 100 mSv). Möglicherweise hat der eine, oder andere Arbeiter eine höhere J131 Belastung aufgenommen. Da Schilddrüsenkrebs sehr gut heilbar ist, sind Opfer durch Radioaktivität eher nicht zu erwarten. Aufgrund der sehr niedrigen zulässigen Werte für Radioaktivität hat man die evakuierten Gebiete noch nicht wieder besiedelt. Gem. der übervorsichtigen Pläne wird man erst nächstes Jahr damit beginnen. Die Kosten der Reaktorunfälle werden seitens der jap. Regierung auf 64 Mrd. $ geschätzt.

    Vandale

    Aufgrund der nthält keinen

  • Ganz richtg, abgeschriebene Kernkraftwerke. Heute würde kein Energieerzeuger ein neues Atomkraftwerk. Aufgrund des billigen Windstroms lässt sich kein Atomkraftwerk mehr abbezahlen. Sobald der Wind weht, fahren Atomkraftwerke Verluste ein, da diese nicht schnell genug abgeregelt werden können. Geld verdient man nur noch bei Windstille - und um in dieser Lücke Geld zu verdienen sind unseren aktuellen Grundlastkraftwerke leider zu träge.

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