Kommentar
Die lahmgelegte Republik

Flieger bleiben am Boden, Straßenbahnen stehen still, Pendler in langen Taxischlangen: Die Gewerkschaft Verdi zeigt ihre Muskeln. Eine Eskalation, die hätte verhindert werden können. Das liegt auch an den Arbeitgebern.
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Gut für den, der heute nicht mit Bussen und Bahnen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterwegs sein wollte. Gut auch für den, der am Donnerstag nicht von einem der großen deutschen Verkehrsflughäfen abfliegen muss. Aber Pech für den, der darauf angewiesen ist: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi legt mit ihren großflächig angelegten Warnstreiks die halbe Republik lahm. Fahrgäste und Flugpassiere werden wieder einmal zu Geiseln einer offen ausgetragenen Tarifauseinandersetzung gemacht.

Muss das so sein? Hätte es vielleicht auch einen anderen Lösungsansatz geben können? Die Antwort darauf ist ein klares Ja. Natürlich hätte es zu dieser Eskalation auf den U-Bahnhöfen und Flughäfen nicht kommen müssen. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, diese Auseinandersetzung nicht auf dem Rücken der Passagiere und damit also friedlich auszutragen.

Trotz aller aktuellen Kritik an Verdi verhält sich die Gewerkschaft so, wie man es von ihr erwartet. Deutschland geht es wirtschaftlich im Vergleich zu seinen meisten Nachbarländern vergleichsweise gut. Während vor allem im Süden der Euro-Zone immer noch von der großen Krise die Rede ist, sind die Deutschen vergleichsweise gut weggekommen. Und jetzt wird es sogar noch besser: Namhafte Wirtschaftsforscher setzen die Wachstumsaussichten für Deutschland weiter nach oben.

Es geht aufwärts mit der deutschen Wirtschaft. Auch der Staat bekommt das zu spüren: Die Steuereinnahmen sprudeln. Bundesfinanzminister Schäuble will im kommenden Jahr sogar erstmals wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Dass eine Gewerkschaft in einer solchen Situation und nach mehreren mageren Jahren wieder einen „größeren Schluck aus der Pulle“ nehmen will, ist vollkommen logisch, nachvollziehbar und kalkulierbar. Die öffentlichen Arbeitgeber wissen also schon länger, was auf sie zukommt.

Kommentare zu " Kommentar: Die lahmgelegte Republik"

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  • Wurde endlich mal Zeit !

    Viele Jahre war es sehr still bei den Gewerkschaften und Betriebsräten !

    Ein Generalstreik müsste in Deutschland wieder eingeführt werden, damit man wieder merkt, was passiert, wenn der Arbeitnehmer nicht mitzieht !

    Ihr seid auf einem guten Weg ! Weiter so !

  • Ich kann keiderling100 nur zustimmen. Ein "Warnstreik" der die Wirtschaft Millionen an Verlusten bringt wird einfach so hingenommen und die doofen Pfeifen der Gewerkschaft sind wieder mit Ihren Trillerpfeifen unterwegs. Denen kann ich nur wünschen, dass sie auch mal Ihre Kreuzfahrt verpassen, nur weil eine Gewerkschaft "warnt".
    Und dann streiken sie wieder, weil sie angeblich nicht genug verdienen und tragen lustig dazu bei mit ihrer eigenen Forderung die Inflation anzuheizen. Alles logisch, oder?

  • Es spricht nichts dagegen, dass Arbeitnehmer ihre berechtigten Interessen vertreten, natürlich auch in gewerkschaftlich organisierter Form.
    Die Politik sollte aber endlich einmal darangehen, zu definieren, was ein "Warnstreik" ist und welchen Umfang eine "Warnung" annehmen darf.
    Es ist aber zu befürchten, dass unsere Regierenden dazu
    nicht den Mut haben. Durch Warnstreiks in einer Art, wie auch der derzeit laufende, werden große Teile der Bürger
    über Gebühr belästigt, den "Arbeitgebern" = regierenden Politikern scheint das aber egal, da es sie nicht persönlich trifft.

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