Kommentar
Die letzte Lösung lautet Enteignung

Staatsschulden sind Bürgerschulden. An Kreativität, den Bürgern die Schuldenlast aufzubürden, hat es Regierungen noch nie gemangelt. Man muss diese Politik nur richtig an den Mann bringen.
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Das sind die bedrohlichsten Worte, mit denen sich jemand vor Ihrer Haustür vorstellen kann: Ich bin von der Regierung und hier, um Ihnen zu helfen. So sagte es der US-Schauspieler Ronald Reagan, in den achtziger Jahren Präsident der Vereinigten Staaten. Er ist nah an der Wahrheit.

Es ist wieder Hilfezeit. Politiker und Notenbanker wollen die Schuldenkrise lösen. Seit vier Jahren stecken wir im Morast. Dem festen Boden sind wir nicht nur keinen Millimeter nähergekommen. Wir rutschen immer weiter in den Schuldenmorast.

Die Roadmap zur „Lösung“ hat viele historische Vorbilder und liegt deshalb seit langem fest. Nur dringt sie äußerst langsam ins Bewusstsein. Das liegt auch daran, dass der Weg so steinig ist. Es wird unangenehm und sogar bedrohlich für die Bürger.

Eines hätte Reagan in seinem leider viel zu wenig bekannten Statement noch ergänzen können. Doch diese Krise gab es zu seinen Zeiten ja noch nicht. Er hätte sagen können: Es gibt gar keine Staatsschuldenkrise, denn Staatsschulden sind Bürgerschulden.

Bürgerschulden wird jeder Bürger tragen müssen. So ist die einsetzende Diskussion etwa über Vermögensabgaben logisch. Buchhalterisch betrachtet, ist die Lösung simpel: Eine Umbuchung vom großen Privatvermögen zum Staat. Schon sind die Schulden weg - und die Bürger entsprechend ärmer.

Noch ärger sind die verschleierten Umbuchungen. Der Staat enteignet schon jetzt seine Bürger durch die Euro-Krise. Fluchtgeld treibt die Zinsen Richtung null. Das freut Schäuble, muss er doch für seine Schulden, sprich Anleihen, fast nichts mehr zahlen. Der Staat lebt auf Pump zum Nulltarif.

Doch auf der anderen Seite der Bilanz schrumpfen die Zinseinnahmen der Bürger. Das sind auch unsere Vorsorgegelder, die größtenteils in Zinspapieren stecken. Wir müssen also nicht nur gewaltige Schulden abtragen. Wir werden auch im Alter ärmer sein.

Wie sollen wir vorsorgen? Zinsen und Wertpapierpreise sind durch Eingriffe der Politiker und Notenbanker längst manipuliert. Mit einem Augenzwinkern möchte man sagen: Solche Börsen könnten auch in Nordkorea stehen.

Geldanlage ist heute vor allem Vermögenssicherung. Sachwerte schaffen das eher als Zinspapiere. Aber wir müssen uns vor unliebsamen Besuchern an der Haustür wappnen. Und es klopft laut an der Tür. Reagan war hier seiner Zeit voraus.

Der Autor ist Korrespondent in Frankfurt. Sie erreichen ihn unter: narat@handelsblatt.com

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  • Es nützt nichts auf die Politik zu schimpfen, wenn man selbst nur noch versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Wir wissen doch alle wohin "Geiz ist Geil" führt. Damit macht man sich und anderen keine Freude. Im Übrigen sind die Zinsen heute nicht so niedrig, weil die Bürger enteignet werden sollen, sondern weil nicht genug Geld im Umlauf ist. Einerseit immer nur billig, billig einkaufen, andererseits aber sein Geld nur für die bestmögliche und/oder sicherste Rendite anlegen. Diese Strategie geht eben irgendwann nicht mehr auf. Auch Altersvorsorge-Zinsen müssen durch Arbeit Anderer erwirtschaftet werden und schon heute stecken sie in erheblichem Ausmaß in jedem Produkt, jeder angebotenen Dienstleistung. Die kommende Generation soll jetzt zusätzlich zur Schuldentilgung die Überalterung finanzieren, gleichzeitig Investieren, Infrastruktur ausbauen und die nächsten Jungen ausbilden & vorbereiten. Ja, was glauben denn Sie, "Bürger", wie das funktionieren soll, wenn sie auf Ihrem Gold nur rumsitzen?

  • [+++Beitrag wurde von der Redaktion gelöscht+++]

  • Oder hier ist noch ein anderes Szenario ( erspart den Politikern auch das klingeln):

    Wir bleiben noch eine Weile im Euro und lassen den Euro unsere Staatsschulden entwerten.

    Wegen zu großer Widerstände in der Bevölkerung retten wir nicht mehr mit Schirmen sondern über die EZB. Hat Draghi ja sowieso angekündigt. Dazu runzeln wir die Stirn, machen aber nicht wirklich was dagegen.
    Ein paar Jahre läuft die Wirtschaft ganz gut wegen des fallenden Euros.
    Wenn die Preissteigerungen zu unangenehm werden und der Widerstand in der Bevölkerung wächst, führen wir eine neue Paralellwährung ein. Nicht lang dann mehr und jeder arbeitet nur noch gegen harte Währung - nicht mehr für Euros. Der Euro bleibt offizielles Zahlungsmittel wird aber über kurz oder lang aus dem Geschäftsleben verdrängt.
    Die Staatsschulden aber werden nie umgewandelt. Sie werden einfach in wertlosen Euros zurückgezahlt. Und die ganzen Sünden der letzten vier bis fünf Jahrzehnte sind getilgt. Die Schuld kann man larmoyant jammernd der EZB zuschieben. Und die Politiker können weitermachen wie bisher.

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