Kommentar
Die Lücken im „Merkozy-Pakt“

Merkel und Sarkozy haben eine Strategie zur Rettung der Eurozone. Allerdings sind noch viele Fragen offen. Die müssen schnell beantwortet werden - schon um den Ratingagenturen den Wind aus den Segeln zu nehmen.
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Nein, es ist keine Verschwörung gegen den Euro. Dass die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Europa ausgerechnet am Tag der vielleicht historischen Beschlüsse von Merkel und Sarkozy in Sippenhaft nimmt und droht, selbst finanzkräftigen Ländern wie Deutschland die Bonitätsbestnote zu entziehen, hat einen viel banaleren Grund: S&P macht in der Kommunikation einfach einen lausigen Job. Europa sollte die Warnung aber nicht aus Unmut in die Tonne treten. Der „Merkozy-Pakt“ hat nämlich noch Lücken, die bereits beim EU-Gipfel am Donnerstag geschlossen werden müssen.

Die Empörung in Europa über das merkwürdige Timing der Bonitätswächter ist jedoch verständlich. Dürfte den Analysten in New York doch nicht entgangen sein, dass „Merkozy“ wenige Stunden zuvor weitreichende Schritte zur Lösung der Euro-Krise verkündeten. Da die S&P-Experten in ihrer Entscheidung mit keinem Wort darauf eingehen, haben sie die Beschlüsse offenbar ignoriert. Noch schlimmer: Die Agentur bemängelt ausdrücklich, dass die Europäer bei der Lösung der Schuldenkrise nicht vorankämen.

Europa sollte sich nicht allzu lange über die Querschüsse aus New York ärgern. Zumal die Gelbe Karte der Bonitätsprüfer den Reformdruck auf die Europäer noch erhöhen dürfte. Merkel und Sarkozy haben damit ein zusätzliches Argument, um die geplanten Verfassungsänderungen für eine Fiskalunion auf dem Gipfel in Brüssel durchzupauken.

Überhaupt nicht in den Kram passen dürfte Merkel dagegen, dass S&P die Sicherheit von Staatsanleihen aus dem Euro-Raum erneut infrage stellt. Hat die Kanzlerin doch gerade versprochen, dass Europa künftig zu seinen Zahlungsverpflichtungen stehen wolle. Einen überraschenden Hair-Cut wie in Griechenland solle es nicht mehr geben. Das bezweifeln jedoch nicht nur die Kreditwächter, sondern auch die Aufseher des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht. Die denken angeblich darüber nach, wie sie die Liquidität der Banken mit anderen Anlageklassen sichern können.

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  • Sehr geehrter Herr Rieke,
    Fiskalunion ohne gleiche Steuer- und Wirtschaftsgesetze, wie soll das gehen? Die sogenannten Eurobonds sind in meinen Augen nichts anderes, als ich für die Schulden meines Nachbarn hafte, egal wie er wirtschaftet.
    Der Nachbar kauft sich alle 2 Jahre einen neuen Mercedes und ich fahre 7 Jahre meinen Opel. Beide haben wir aber die selben Schulden!
    Ich könnte hier noch unterschiedliches Renteneintrittsalter u.ä. einfügen, aber ich glaube sie haben den Sinn meines Kommentares verstanden.
    Wenn wir Europäer (Nachbarn) für alle Schulden haften, dann auch unter gleichen Voraussetzungen.
    Als nächstes frage ich mich, wer denn mit "privaten Gläubigern" gemeint ist. Ich persönlich habe keine Griechenlandanleihen im Keller. Evtl. mein Lebensversicherer ( der zahlt sowieso nur minimale Zinsen), aber in meinen Augen ist der nicht privat. Ausserdem hat er seine Anleihen schon "Eingepreist" und "Abgeschrieben". Ausserdem hat man bei der Einführung des Euro vergessen die unterschiedlichen Wirtschaftsleitungen zu berücksichtigen. Insofern ist die Analyse der Eurozone von S&P viel zu spät gekommen; das haben wir schon vor 5 Jahren an der Theke diskutiert, mit ähnlichem Ergebnis.
    Fazit: Erst die Gesetze anpassen, dann schauen wie ist die Wirtschaftsleistung und erst dann gegenseitiges Bürgen!

  • Das AAA zu verlieren ist nicht so dramatisch - AA reicht und AAA haben dannn auch nur noch die Langweiler - also die, die ohnehin kaum Schulden haben.

    Schliesslich handelt Credit Default Swaps auf Bundesanleihen bei ca. 1%, das war früher mal A+ oder A Niveau !!

  • Die Lücken sind die Merkozy-Clowns selbst.
    Nie seit Ende des Krieges haben Deutschland und Frankreich zwei jeder auf seiner Weise so unfähige Regierungeschefs.

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