Kommentar
Die Risiken sind und bleiben hoch

Facebook ist seit dem Börsengang ein handelbares Gut. Um auch in Zukunft weiterhin Wachstum generieren zu können, muss das Potenzial der sozialen Vernetzung besser genutzt werden.
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San FranciscoDie ersten Analystenempfehlungen zu Facebook kamen noch vor dem Börsengang. Sie setzten Kursziele so um 44 Dollar. Wenn man diesen Analysen überhaupt Glauben schenken will, dann ist es schon vorbei mit dem Kursanstieg. Zumindest für die kommenden Monate. Die Phantasie ist raus, die Decke wurde mit 45 Dollar für einen Moment schon erreicht. Warum jetzt noch kaufen? Da gibt es Papiere mit mehr kurzfristigem Potenzial.

Den ersten Handelstag beschloss das Papier mit einem anämischen Plus von 0,61 Prozent. Aber was ist das schon nach der gigantischen Hype um die größte Aktienemission in der Geschichte der Internet-Industrie und einem der größten Börsengänge der USA überhaupt.

Es wird immer klarer, dass Mark Zuckerberg mit schon bewundernswerter Energie und Überzeugungskraft Wall Street Banken und Großinvestoren dazu überredet hat, ihr letztes Hemd zu geben und ihren Maßanzug mit einem Hoodie zu tauschen. Die Macht des Kapuzenpullovers.

Die nächste Zäsur in der noch jungen Geschichte von Facebook kommt, wenn die nächsten Quartalszahlen, die ersten nach der Börsennotiz, vorgelegt werden. Wird das Wachstum weiter abflachen? Kann das lahmende Geschäft mit den mobilen Internetnutzern angekurbelt werden? Gut möglich, dass der Profi Zuckerberg sich ein Ass im Ärmel aufgehoben hat, um die Analysten dazu zu bewegen, ihre Kursziele ständig anzuheben, so wie sie es bei Apple machen (müssen).

Oder auch nicht. War Facebook bis gestern ein bewundertes Phänomen, ist es seit heute ein handelbares und bewertbares Gut. Ob es sich dabei um eine begehrte Edelimmobilie in Toplage handelt oder einen tristen Plattenbau, das wird erst die Zukunft zeigen.

Die größte Unsicherheit, aber auch Chance, liegt dabei in dem noch völlig neuen Geschäftsmodell. Es ist noch nicht ausgetestet. Bislang wird das theoretisch enorme Potenzial der sozialen Vernetzungen im Internet noch gar nicht ausgeschöpft. Wie auf jeder beliebigen anderen Webseite werden Anzeigen verkauft.

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  • Facebook erhofft sich aus den Infos über das private Leben Kenntnisse die es in gezielte Werbemaßnahmen ummünzen will. Werbung ist zwar eine große Industriesparte, aber noch kein Verkauf einer Ware und der Verkauf einer Ware nicht unbedingt ein Gewinn. Mal abgesehen davon, ob diese Werbeschiene überhaupt so viel Wirkungs entfalten kann wie die Anleger hoffen. Die Skepsis gegenüber Werbung ist ein unabhängiger Trend. Und bei Facebook wollen die Benutzer ihren Freundeskreis -aber nur diesen- pflegen. Aber nicht Werbung inhalieren.

    Wem nutzt nun der Börsengang? Sicher Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern. Gratulation. Den Anlegern kaum, die Ernüchterung der Hype kommt mit Sicherheit.

    Der einzige Gewinner von Facebook ist -völlig unabhängig vom Börsengang- die NSA, welche vollen Zugang zu allen dortigen Daten hat. Aber auch das nutzt dieser Organisation wahrscheinlich genau soviel wie es der Stasi nützte, über jeden Bürger der DDR eine Akte zu haben. Der Lauf der Geschichte wurde dadurch kaum aufgehalten.

  • Ich glaube nicht das Fb es je schaffen wird die "Social Ads" soweit voran zu bringen wie man sich das an der Wall Street vorstellt u. wünscht. Ich kann mir bei Fb-Werbung einfach keine Win-Win Situation vorstellen. Sicher, wenn ich bei Google etwas suche und dann Werbung angezeigt bekomme, betrachte ich das auch nicht unbedingt als Gewinn... trotzdem bleibt das insgesamt zielführend. Aber bei Fb? Es gibt das Beispiel von Ticketmaster (http://www.businessinsider.com/one-thing-is-clear-facebook-hasnt-figured-it-out-yet-2012-4), wo eine solche Win-Win Situation entsteht... Doch gerade bei Konsum/Pharma/Auto/Versicherungen - den Branchen mit den grössten Werbebudgets - kann ich das beim besten Willen nicht erkennen, 900 Mio Nutzer hin oder her. GM lässt grüssen.

    Ich glaube dass Fb auch an der Börse noch eine grosse Erfolgsgeschichte wird weil es viele Wege finden wird mit den Nutzern Geld zu verdienen - doch Social Ads gehören nicht dazu.

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