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Kommentar: Die riskante Wette mit Windows 8

Für Microsoft ist es fast eine Revolution: Der Software-Konzern macht sein Betriebssystem Windows fit für die boomenden mobilen Geräte. Dabei geht er aber das Risiko ein, einen Teil der Nutzer zu verschrecken.

Fass mich an: Das neue Windows 8 ist für Touchscreens optimiert. Damit geht Microsoft eine riskante Wette ein. Quelle: dapd
Fass mich an: Das neue Windows 8 ist für Touchscreens optimiert. Damit geht Microsoft eine riskante Wette ein. Quelle: dapd

Microsoft hat ein prima Betriebssystem für Tablet-Computer entwickelt: Die Kachel-Oberfläche von Windows 8 ist gradlinig und funktional, nach etwas Eingewöhnung macht sie sogar richtig Spaß. Allerdings zwingt der Software-Riese sie allen Nutzern auf, die einen neuen Windows-Rechner kaufen, selbst wenn dieser keinen Touchscreen hat (und das dürfte nach wie vor auf die Mehrzahl der verkauften Geräte zutreffen). Der Software-Riese geht damit eine riskante Wette ein.

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Christof Kerkmann ist Redakteur bei Handelsblatt Online. Quelle: HB
Christof Kerkmann ist Redakteur bei Handelsblatt Online. Quelle: HB

Dass Microsoft die Tablet-Computer und Smartphones nicht mehr vernachlässigen darf, zeigen die jüngsten Zahlen vom PC-Markt eindrücklich. Traditionelle Desktop-Rechner und Notebooks, die der Branche lange Jahre zweistellige Zuwächse bescherten, sinken in der Gunst der Nutzer, zuletzt schrumpfte der Markt sogar.

Das Geschäft der Zukunft sind die schicken mobilen Geräte, ein Trend, der sich mit den vielen neuen und teils sehr günstigen Modellen noch verstärken dürfte. Wer seine E-Mails zwischendurch auf dem Smartphone checkt und das Weihnachtsgeschenk auf dem Tablet-Computer bestellt, braucht aber seltener einen neuen PC.

Wie Windows wurde, was es ist

  • Windows 1.0

    Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

  • Windows 3.1

    Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

  • Windows NT

    Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

  • Windows 95

    Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

  • Windows XP

    2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt, die immer noch auf vielen Rechnern läuft. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

  • Windows 7

    Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

Microsoft steckt in einem Dilemma: Der Quasi-Monopolist bei den PC-Betriebssystemen muss weiterhin klassische Software entwickeln – das ist das Brot-und-Butter-Geschäft. Ein Blick in die Konzernbilanz zeigt, dass sich damit immer noch sehr viel Geld verdienen lässt; auch das hochprofitable Geschäft mit dem Office-Paket liefe ohne Windows bedeutend schlechter.

Will der Konzern aber mit Apple, Amazon und Google mithalten, muss er auf die mobile Revolution reagieren. Das dient auch dem Image: Windows steht für Arbeit und Produktivität. Das hilft, um die wichtigen Unternehmenskunden bei der Stange zu halten. Etwas mehr Spaß und Coolness kann aber nicht schaden, zumal immer häufiger die Mitarbeiter und nicht die IT-Abteilung entscheiden, welche Geräte zum Einsatz kommen.

Kacheln, Querformat und Cloud So sieht Windows 8 aus

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Windows 8 ist die Antwort darauf: Ein Betriebssystem mit Touch-Oberfläche, das aber immer noch einen klassischen Desktop hat. Dieser ist jedoch versteckt, der Start-Knopf ist ganz verschwunden.

Viele Nutzer dürfte die neue Oberfläche irritieren. Möglich, dass sie darüber die vielen durchdachten Features und die verbesserte Leistung übersehen, die das Betriebssystem bringt. Microsoft steht viel Arbeit bevor, sie von den neuen Möglichkeiten zu überzeugen.

Noch komplizierter wird es durch Windows RT, eine abgespeckte Version für die stromsparenden ARM-Prozessoren, die in den meisten Smartphones und Tablet-Computern zum Einsatz kommen. Das öffnet für Microsoft zwar neue Geschäftsfelder. Allerdings droht auch hier Kundenfrust: Denn die Software für Tabellenkalkulation oder Fotobearbeitung, die noch im Schrank steht, läuft zwar auf dem normalen Windows 8, aber nicht auf der RT-Version – die eignet sich nur für Apps aus dem neuen Windows Store.

Microsoft ist das Risiko offenbar bewusst. Der Konzern fährt eine große Werbekampagne. Und zum Start verkauft er das neue System anfangs zu Kampfpreisen ab 30 Euro. Auch das überzeugt vielleicht so manchen Nutzer.

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