Kommentar
Die Schweiz kann sich keine Zweifel leisten

Die Schweiz kann sich keine Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Notenbank leisten. Hildebrand muss alle Bedenken ausräumen. Nur so kann der SNB-Chef die Affäre überleben.
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ZürichIn der Causa Hildebrand wurden bis jetzt zwei Missstände enthüllt. Der erste ist ein Devisenkauf der Ehefrau des Notenbank-Präsidents über immerhin 500.000 Dollar wenige Tage vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen. Der zweite ist, dass laut dem internen Reglement der Schweizerischen Nationalbank (SNB) diese Käufe zwar grenzwertig, aber nicht illegal waren.

Nur mit einem Kunstgriff gelang es den Aufsehern, das umstrittene Devisengeschäft noch in das Regelwerk hineinzupressen. Insgesamt drei Mal wurden die Hildebrands 2011 am Devisenmarkt tätig: Im März und im August wurde gekauft, im Oktober dann verkauft. Zwischen den Käufen von August und den Verkäufen im Oktober liegen aber nicht die geforderten sechs Monate Haltefrist. Die wird nur de jure eingehalten, da die Prüfer davon ausgingen, dass beim Dollar-Verkauf vom Oktober Devisen aus den März-Beständen verkauft wurden. Und unter der Annahme, dass die umstrittene Dollar-Transaktion vom August tatsächlich von der Ehefrau getätigt wurde.

Kann Philipp Hildebrand heute alle Zweifel daran ausräumen, dass er irgendwas mit der Devisen-Transaktionen vom August zu tun hatte, so dürfte er die Affäre überleben. Das bankinterne Reglement wird es mit Sicherheit nicht. Viel zu weich sind dort die Anforderungen für Eigengeschäfte formuliert. Notenbanker haben nun mal eine besondere Verantwortung. Das müssen auch ihre Angehörigen beachten. Wie bei der EZB sollten daher alle Geschäfte untersagt werden, die bereits den Verdacht eines Interessenkonflikts auslösen könnten.

Denn schon Zweifel an der Lauterkeit sind tödlich für die Reputation. Das kann sich auch die Schweiz im derzeitigen Umfeld nicht leisten. Denn noch hält die Kurs-Grenze von 1,20 Franken je Euro. Zweifel an der Handlungsfähigkeit der Notenbank könnten aber Spekulanten dazu verleiten, die Kursgrenze zu testen. Ohne vollständigen politischen Rückhalt kann die SNB aber keine Milliarden auf den Markt werfen, um die für die Schweizer Wirtschaft wichtige Kursgrenze zu verteidigen.

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  • Weil er schliesslich kein Gewinn damit machte

  • Was hier geschrieben wird ist kompletter Umfug.die EZB Richtlinien sind viel weicher, da es keine Begrenzung von Geschaeften gibt. Es wird lediglich verlangt, dass die Akteuren Situationen vermeiden die als Interessenkonflikt betrachtet werden. D.h. Zentralbaenker in Euroraum duerfen in Prinzip beliebig mit Waehrung handeln, ohne Begrenzung und Restriktion (sie duerfen Bankenaktien und Staatsschulden z.b. Kaifen, was die SNB untersagt)

  • Wer den Job annimmt UND Devisengeschäfte macht, ist wie ein Drogensüchtiger, der Stoff verkauft, um seine Sucht zu finanzieren. Wie bitte will den Hildebrand jetzt beweisen, dass seine Entscheidungen sich nicht nur am eigenen Vorteil orientieren. Die Zweifel sind gesät: fort mit Schaden!!

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