Kommentar

Die Solarförderung muss intelligenter werden

Debatten über die Photovoltaik in Deutschland gibt es genug. Doch tief genug gehen sie nicht. Das System zur Finanzierung von Solarstrom sollte nicht abgeschafft, sondern intelligenter und flexibler werden.
  • Felix Matthes
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Felix Matthes ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts in Berlin. Quelle: PR

Felix Matthes ist Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts in Berlin.

(Foto: PR)

Die Diskussionen über die Förderung der Photovoltaik greifen zu kurz. Statt das bisherige System abzuschaffen oder massiv einzuschränken, sollten wir es intelligenter und flexibler machen sowie eine stärker als bisher am Markt orientierte Förderung ermöglichen.

Die Förderung der Photovoltaik in Deutschland hat in den vergangenen Jahren schon zu kaum vorstellbaren Kostensenkungen geführt – allein in den letzten fünf Jahren um nahezu 60 Prozent! Profitiert haben davon auch Schwellen- und Entwicklungsländer.

Auf der anderen Seite zeigen sich die Grenzen des bisherigen Förderinstrumentariums, das auf dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beruht. Die Anpassung der Garantiepreise hat mit den Preissenkungen der Photovoltaik nicht Schritt gehalten, es ist zu massiven Überförderungen gekommen.

Nun gibt es einerseits Bestrebungen, den bisherigen Fördermechanismus ganz abzuschaffen. Andererseits taucht die Forderung auf, die Rolle der Photovoltaik einzuschränken: Da sich die Erzeugung von Solarstrom auf die Mittagsstunden konzentriert, sollte der Ausbau entsprechend begrenzt werden. So hat sich ein politischer Unterbietungswettbewerb entwickelt – mit dem Ziel, die Förderung von Solarstrom möglichst weitgehend einzuschränken. Nach Erreichen eines bestimmten Deckels solle die Förderung für den Rest des Jahres oder sogar noch längere Zeiträume ausgesetzt werden, heißt es.

Sinnvoll ist aber weder die grundsätzliche Abschaffung des bisherigen Förderinstrumentariums noch die Umstellung auf eine Deckelung. Beides würde den Ausbau der erneuerbaren Energien um Jahre zurückwerfen. Das mühsam hergestellte Vertrauen der Investoren würde zerstört.

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  • Ich stelle der PV-kritischen Grundstimmung die folgenden drei Thesen entgegen:

    1.) Der Energiepreis über den Tag verteilt hat gerade Morgens und Abends eine Spitze. Der meise PV-Strom fällt aber Mittags an. Es sind daher noch erheblich Investitionen in Speicher notwendig, mit mindestens gleicher Priorität wie der Netzausbau.

    2.) Wenn die Speicher erst mal da sind, muss man sie aber auch füllen können. Und dann ist die Photovoltaik eine ideale Ergänzung der Windenergie. Deswegen ist es sinnvoll, auch heute und in D die PV weiter auszubauen.

    3.) Aich heute schon ließe sich mit einer tageszeitabhängigen Regelung der Einspeisevergütung bei der PV viel erreichen. Auch Morgens und Abends scheint die Sonne, aber es lohnt sich bisher nicht die Module nach Osten oder Wseten auszurichten.

  • Hallo Ekki, natürlich kann man sich an irgendwelchen Strombörsenpreisen das ökologische Herz erwärmen.

    Da die Sonneneinstrahlung aufgrund des hiesigen unstetigen Wetters nur zu bedingt verhersehbaren Stromeinspeisungen führt, müssen die Netzbetreiber Schattenkraftwerke bereithalten. Deren Kosten fliessen nicht in den möglichen Ertrag an der Strombörse ein, allerdings in die Rechnung für den Stromverbraucher.

    Gesamthaft gesehen liegt der Wert von Zufallsstrom etwa bei den vermiedenen Brennstoffkosten abzüglich kurzfristiger Regelleistung.

    Vandale



  • Der Mittagsstrompreis an der Börse im Sommer ist ja wohl der schlechteste, den es gibt. Gerechter wäre zumindest ein Durchschnittspreis aus den Photovoltaikerträgen tagsüber im ganzen Jahr. Als hilfreich erachte ich besonders eine variable Vergütung mit einen elektronischen Zähler, der zwischen dem 9 und 12. Februar die hohen Strompreise von 30 bis 50 ct./kWh (300 - 500 €/ MWh) berücksichtigt hätte, als Strom sehr knapp war.

  • Viel Spß beim Lesen
    http://www.photovoltaikforum.com/energiepolitik-f90/merit-order-und-das-maerchen-vom-teueren-eeg-strom-t36937.html

    Selbst etliche PV-Verfechter vom dortigen Forum sehen den MOE als Nasenwasser an

  • Hi Vandale,
    mit einem Modul, was 200-250W Leistung hat und einem passenden Modulwechselrichter steht bei richtiger Phasenbelegung im eigenen Netz während der Sonnenscheinphase der Stromzähler still - das Ganze geht ab 500€ Invest problemlos im Selbstaufbau. Das lass ich noch durchgehen - technische Spielerei mit auf 8 Jahren angesetzten Amortisationseffekt- der Rest ist IMHO einfach nur Öko-Tinnef - zudem ist der Wirkungsgrad der PV- Systeme mit deutlich unter 20% ein schlechter Witz. Ich habe mich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und mir kommt trotz voller Süddachausrichtung kein schrottiges Chinamodul als Brandbeschleuniger (gibt es sehr interessante Statistiken drüber) aufs Dach- trotz aller rechnerisch möglicher Rendite. Von den seid 2008 auf die bundesdeutschen Dächer genagelten Anlagen wird so gut wie Keine ohne grössere Ausfallzeiten wegen Modul- und Wechselrichterdefekten über die 20 Jahre Subeventionsabgreifung kommen- zusammengeschusterter Kernschrott "Made in Fernost" dominiert den Markt - auch wenn der Hersteller mit einem "Made in EU" oder "Made in Germany" gern was anders suggeriert.. Und die Technik ist immer noch in den Kinderschuhen - das wird bei den schwachsinnigen EEG-Subventionen weiterhin so bleiben - weil dann einfach kein marktwirtschaftlicher Druck für Verbesserung / Innovation entsteht - deshalb gehen auch die deutschen PV-Hersteller spätestens 2013 komplett über die Wupper- auch die derzeitigen Platzhirsche wie SMA wird es erwischen.

  • @teflon
    Wenn der Merit Order Effekt - wie Sie behaupten - nicht vorhanden ist, wie funktioniert denn dan die Strompreisbildung an der Börse?
    Und warum hat sich dann der day-ahead peak-Preis an der EEX zur Mittagszeit in den letzten Jahren dem base-Preis immer weiter angenähert? Dieser Effekt ist ganz klar dem Ausbau der PV zuzuschreiben und beträgt ca. 500-900 Mio. EUR/Jahr an Preisvorteilen für die deutschen Industrieunternehmen. An den privaten Stromkunden wird dieser Preisvorteil ja leider nicht weitergegeben...

  • Hallo Teflon, wenn Sie den Verbrauch eines Arbeitnehmerhaushalts, Stromverbrauch am Morgen und am Abend mit der Erzeugung einer PV Anlage, Stromerzeugung Mittags, vergleichen, so können Sie feststellen, dass der Selbstverbrauch üblicherweise bei ca. 10% liegt.

    Solarellen sind lediglich bei sehr begrenzten Awendungen sinnvoll..Ampel in der Saudischen Wüste abseits des Stromnetzes mit Batterie für die Nacht, Wasserpumpe in Aegypten abseits des Stromnetzes, Alpenhütte abseits der Zufahrtswege mit Batterien...

    Vandale

  • Photovoltaik in der derzeitigen Form ohne Absicherung über Speicher, Netzausbau, Kraftwerksverbundnetz etc. ist der grösste Unfug , der gerade gefördert wird. Wenn man sich anschaut, welche Summen da aktuell für max 3,2% Erzeugeranteil verbrannt werden, dann ist´s nicht mehr lustig. PV-Strom in der derzeitigen Form ist an der Strombörse einfach nur "Schrottstrom"- auch wenn einige Protagonisten den MOE-Effekt propagieren (der schlicht so nicht vorhanden ist) . Einzig bei PV-Microanlagen zum direkten 100% Selbstverbrauch sehe ich aktuell einen Sinn - beim Rest ist mir Offshore /Onshore-Windkraft wegen ihrer wesentlich höheren Vollaststunden p.a. deutlich lieber.
    Das Problem an der sogenannten Energiewende ist, das Bundesangie aber wirklich "null Plan " hat und das Ganze irgendwie "selbst" läuft. Hier gehört dringendst eine verbindliche Roadmap aufgesetzt, die für alle klare Regeln / Plangrössen aufstellt . Sonst geht das Ganze völlig an die Wand.

  • Die Sonneneinstrahlung auf diesem Planeten ist unzureichend um für eine industrielle Stromerzeugung genutzt zu werden. Abseits der Wüsten ist die Stromereugung durch Wolkenbedeckung und Schnee auch zu unstetig. Die Solarmodule mögen noch etwas preiswerter werden, allerdings werden die Kosten für die Installation, Wechselrichter und Anschluss an das Netz nicht günstiger werden. Selbst bei einem Modulpreis von 0 kann die Solarenergie nicht mit modernen Grosskraftwerken in den Wettbewerb treten.

    Aktuell wird mit extremen Subventionen ein weitgehend wertloser Zufallsstrom produziert. Sehr wahrscheinlich bedarf es mehr Energie Solarstrom zu erzeugen als diese je ereugen.

    Ich nehme an, dass der Autor die Subventionen, anstatt diese zu grossen Teilen nach China fliessen zu lassen, in die Taschen Deutscher Solarunternehmer fliessen lassen möchte. Diese betreiben wiederum eine sehr intensive Medien- und Politikpflege, wovon auch Zeitungen und Zeitschriften profitieren.

    Eine intelligente "Förderung" wäre aus meiner Sicht, dass die Oekogläubigen ihre religiösen Monumente selbst bezahlen und nicht über allgemeine Abgaben und Steuern auch von Ungläubigen bezahlt erhalten. Aus Umweltschutzgründen wäre es sinnvoll anstelle der Solarmodule, gemustertes blaues Glas auf die Häuserdächer zu montieren. Die Kosten wären geringer, die Gläubigen könnten den Unsinn genauso anbeten.

    Vandale

  • Schön wär´s! Wer investiert in ein (immer noch) hochpreisiges Objekt, wenn die Vergütungen monatlich variabel sind?

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