Kommentar
Die Sorge des guten Kaufmanns

Konzerne ziehen Milliarden Euro Bares aus dem Euro-Raum ab und transferieren ihr Geld in sichere Dollar-Anlagen. Was soll ein Finanzchef auch sonst tun? Er muss die Liquidität sichern.
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Der griechische Staatsbanker Theodoros Pantalakis investiert seine privaten Millionen in London. Sein Noch-Euro-Heimatland ist ihm zu unsicher, das britische Pfund die rettende Insel. Pantalakis steht sogar öffentlich zu seiner Flucht und weist auf Hunderte reicher Landsleute hin, die dasselbe tun. Shell dagegen dementiert. Der britisch-niederländische Ölkonzern soll 15 Milliarden Euro Bares aus dem Euro-Raum abgezogen und in sichere Dollar-Anlagen transferiert haben. Da sei der Finanzchef falsch interpretiert worden. Richtig sei dagegen: Shell lege seine Liquidität möglichst risikofrei an.

Was soll ein Finanzchef auch sonst tun? Eine seiner wichtigsten Aufgaben besteht nun einmal darin, die Liquidität zu sichern. Und nicht etwa hohe Cashbestände unnötigen Abwertungsrisiken auszusetzen. Für einen Konzern, der ohnehin in US-Dollar bilanziert, liegt deshalb nichts näher, als sein Geldvermögen ebenfalls in US-Dollar anzulegen. Da kann nichts anbrennen. Davon abgesehen: Shell wird - Euro-Krise hin, Währungsrisiken her - ohnehin den Großteil seiner Liquidität immer in der Hauswährung anlegen. Überschüssiges Cash aus Kontinentaleuropa abzuziehen dürfte deshalb business as usual sein.

Der vermeintliche Aufreger in der olympischen Sommerpause Großbritanniens ist eigentlich keiner. Jedenfalls betriebswirtschaftlich betrachtet. Natürlich verfügt ein weltweit operierender Konzern wie Shell über ein zentrales Cash-Management. Alles andere wäre auch sträflicher Leichtsinn. Und natürlich muss der Finanzchef die freien Mittel erstens ertragsreich und zweitens sicher anlegen. Und dass der Euro-Raum derzeit Turbulenzen ausgesetzt ist, das muss ja nicht sonderlich betont werden.

Das Risiko der Euro-Krise ist eigentlich ein ganz anderes. Je länger das Drama um die Gemeinschaftswährung währt, desto vorsichtiger werden von den Unternehmen mögliche Investitionen im Euro-Raum eingeschätzt. Anders formuliert: Der Neubau einer Fabrik oder der Ausbau einer Niederlassung in Europa kommt künftig lieber zweimal auf den Prüfstand, bevor Entscheidungen getroffen werden. Denn die Frage, ob sich das Investment rechnet, ob sich genügend Käufer für die Produkte finden werden, die beantwortet sich auf den ohnehin gesättigten Märkten Westeuropas nicht mehr von allein.

Wenn Zweifel über die künftige wirtschaftliche Entwicklung des Euro-Raums die Überhand gewinnen, werden Investitionen in andere Regionen der Welt abwandern. Asien oder Lateinamerika bieten genügend Alternativen zu einem unsicheren Europa in Dauerdepression. Ein schleichender, aber weit gefährlicherer Prozess als der Abzug einiger Konzernmilliarden.

Der Fall des Athener Staatsbankers ist glasklar. Mangelhafte Loyalität eines Staatsdieners gegenüber seinem Land. Shell dagegen muss keinen Patriotismus beweisen. Das angebliche Missverständnis ist jedoch eine klare Warnung an die Europäer. Kein Unternehmen wird tatenlos dem Zusammenbruch des Euros zusehen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

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  • Jeder sollte seine Sichteinlagen auch aus der Eurozone heraus transferieren!

    "EURO? Nein Danke!" Aufkleber besorgen und Protest gegen den Einheits-Euro zeigen!

  • Das kann auch gefährlich wrden, denn sie entziehen das Geld ja unseren Banken.
    So fing es 1929 auch an

  • Solche schlechten Artikel findet man m.E. in letzter Zeit viel zu oft im Handelsblatt. Seitdem verlieren Sie bei uns reihenweise (Zeitungs-)Leser. Entweder die werden wieder seroös oder sie werden als Klatsch- und Tratschzeitung ala BILD sang- und klanglos untergehen.

    ...aus meiner Sicht: lieber schneller als so etwas noch länger zu sehen...

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