Kommentar
Die „Sportschau“-Entscheidung ist ein Fehler

Seit Jahrzehnten können die deutschen Fußballfans die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen samstags am frühen Abend sehen. Dass es auch ab 2013 dabei bleibt, könnte sich als schwerer Fehler erweisen.
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Keine Frage, die „Sportschau“ der ARD ist eine Institution. Viele Fußballfreunde haben sich sehr daran gewöhnt, die Berichte über die Spiele der Fußball-Bundesliga samstags ab 18.30 im frei empfangbaren Fernsehen zu schauen. Und viele werden es schön finden, dass es auch von 2013 bis 2017 so weitergeht. Das hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) heute beschlossen.
Doch Gewohnheiten, selbst wenn man sie Tradition nennt, ändern sich. Es war vor der heutigen Vergabe schon nicht mehr tragbar, dass der Gebührenzahler für die Sportschau 100 Millionen Euro pro Saison hinblättern muss. Noch ist unklar, wie viel es ab 2013 genau sein wird. Vermutlich sehr viel mehr.

Zudem haben sich die Zeiten geändert – die Alternativen, also vor allem die Internet-Übertragung, sind zu gut, als dass sich diese Wahnsinnssumme im Sinne aller Zuschauer noch rechnet. Was sich im Wesentlichen geändert hat ist die Rolle des Internetfernsehens. Es geht vor allem um die Frage, ob die ersten, zeitnahen Zusammenfassungen nicht mehr im Free-TV laufen sollen, sondern im Internet. Die exklusiven Live-Rechte dürften beim Bezahlfernsehen bleiben, also vermutlich Sky Deutschland.


Auch wenn das Wort „Tradition“ sehr oft in Zusammenhang mit Fußball fällt: Die Mediengewohnheiten der Menschen haben sich rasant geändert – und das macht vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt. Eine Veränderung weg von der Sportschau hin zum Internet durfte kein Tabu sein. Entscheidend hätte allein sollen, wer das bessere Angebot macht. Doch allem Anschein nach spielten noch andere Faktoren eine Rolle. Viele davon haben offenbar mit anachronistischen Denkweisen zu tun.

Andere Länder wie Spanien und Italien haben längst bewiesen, dass Fußball keine Free-TV-Berichterstattung braucht, wie sie in Deutschland noch üblich ist. Und erst recht müssen keine 100 Millionen Euro plus x dafür ausgegeben werden. Das ZDF zahlt bereits eine Unsumme für die Liverechte an der Champions League. Kleinere Sportarten wie die Leichtathletik leiden darunter erheblich, denn selbst bei den Öffentlich-Rechtlichen kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c

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  • Schade, mit 353 Wörtern Thema verfehlt – Druckkosten, Verteilerkosten des Handelsblattes mal hinten angestellt. So sehr wie die Kosten und Lasten die von der gerade milliardenschwerbedachten Bundesliga (DFB) zusätzlich auf den Öffentlichen Sektor abgewälzt werden. Jetzt könnte der DFB die notwendigen Sicherheitskräfte für die „Spiele“ aus eigener Tasche finanzieren. Die sehr zahlreich notwendigen Sicherheitskräfte sprich Polizeieinheiten die jeden Spielbetrieb begleiten müssen könnte man dem DFB nach einem derartigen Umsatzzuwachs auch in Rechnung stellen!

  • Sie glauben doch nicht wenn kein Fußball gesendet wird, dass dadurch die Gebühren fallen, da werden vieleicht noch ein paar Auslaufpolitikerposten geschaffen bevor auch nur ein Euro Gebühren zurückerstattet wird.
    Da der Fußball aus komerziellen Gründen schon auf viele Tage gestreckt wird und ich nicht die Zeit habe alle Spiele live zu sehen bin ich mit der Sportschau sehr zufrieden.

  • amen!

    die sportschau muss bleiben...was hat man denn von den höheren einnahmen aus tv-vermarktung in spanien und italien...real madrid hat beim spiel in getafe (ein vorortclub von madrid) nicht mal 100 fans in den auswärtsblock bekommen...italiens fussballclubs machen zwar ne menge kohle...aber mit nem zuschauerschnitt wie in der zweiten bundesliga will man wohl auch nicht gerade werben...

    und schauen wir uns mal bitte die budgets der volksmusiksendungen an...nun ja...da wird auch ne menge geld verbrannt

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