Kommentar

Die Strombranche gehört verstaatlicht!

Der Strommarkt wird nach und nach ausgehebelt. Alles was an staatlichen Eingriffen noch hinzukommen könnte, würde das System nur noch verschlimmern. Konsequent wäre nun nur die Verstaatlichung der ganzen Branche.
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Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte. Quelle: Pablo Castagnola

Dieter Fockenbrock, Chefkorrespondent Unternehmen & Märkte.

(Foto: Pablo Castagnola)

Dies, um es gleich vorwegzunehmen, ist ein Plädoyer für die Verstaatlichung der Stromindustrie. Es ist zwar nicht meine wirkliche Meinung, schon gar nicht mein heimlicher Wunsch nach dem starken Staat. Es ist nur eine logische Ableitung. So wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter.

Beginnen wir mit der von Rot-Grün vor gut einem Jahrzehnt eingeleiteten Energiewende. Seitdem werden Sonne und Wind durch eine Umlage auf den Strompreis gefördert. Anfangs waren es noch bescheidene Mittel, die zwischen Stromkunden und den Betreibern regenerativer Kraftwerke verschoben wurden. Inzwischen reden wir über 20 Milliarden Euro, die jährlich parallel zum Staatshaushalt fließen und die deshalb auch nicht Subvention heißen. Was sie natürlich sind. Tendenz steigend.

Allein die Größenordnung ist aber nicht entscheidend, sondern die Tatsache, dass inzwischen 25 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Kurzum: Ein Viertel des Marktes findet heute außerhalb des Wettbewerbs statt. Wind- und Sonnenstrom hat eine Abnahmegarantie. In wenigen Jahren sollen es schon 35 Prozent sein. Der Markt wird nach und nach ausgehebelt.

Zweiter großer Einschnitt war der Atomausstieg durch Schwarz-Gelb vor zwei Jahren. Seitdem wird der Ausbau der Windkraft forciert vorangetrieben - mit gigantischen Kraftwerken vor der Küste. Was fehlt, sind die Leitungen, um den Strom zu den Verbrauchern im Süden des Landes zu transportieren. Die Investitionsrisiken sind den Netzbetreibern zu hoch, weil technisches Neuland betreten wird.

Also entschied das Kartell aus Staat, Windparkinvestoren und Netzbetreibern kurzerhand, das Risiko auf Dritte abzuwälzen. Das ist der Stromverbraucher. Der muss künftig dafür haften, wenn bei den Windparks auf hoher See etwas schiefgeht. Den Unternehmen sind jegliche unternehmerische Risiken abgenommen. Der Kunde zahlt.

Verrückte Welt
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16 Kommentare zu "Kommentar: Die Strombranche gehört verstaatlicht!"

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  • Ich möchte Dieter Fockenbrocks Artikel ergänzen.

    Märkte sind da, wo sich viele freie Anbieter und Abnehmer im Wettbewerb untereinander begegnen.
    Genau hier ist die kapitalistisch organisierte Wirtschaft für die Gesellschaft eine nützliche, unbürokratische und, wie ich meine, demokratisch beherrschbare Methode. Das Beste, was es bisher gibt!

    Für Energie- und Wasserversorgung, große monopolistische Energieversorger, Energie-, Verkehrs- und Nachrichtennetze, große Banken, usw. ist dieses Instrument allerdings untauglich. Diese Wirtschaftsbereiche gehören in gesellschaftliche und kommunale Hände.

    Geeignete Parlamentarier wissen das.

  • Das Problem an der Verstaatlichung: Die Politiker machen meist den grössten Bockmist. Es ist ANDERER Bockmist als die Unternehmen machen, aber ist er besser?
    Wer ist den Vorsitzender Vom Nürnburgring und Berlin-Flughafen-Projekt? Beim Nürnburgring ist das in Worten ein gelernter Elektriker! Nix Gegen diese Berufsgruppe, aber ich als BWLer würde auch nicht im Elektrokabelsalat eines grossen Betriebes rumpfuschen!

  • Meine Güte, so ein schwacher Kommentar, ich finde nicht einen Grund für seine These. Im Endeffekt heißt es doch, der Staat macht einen Eingriff nach dem anderen bis er den Markt so sehr kaputt gemacht hat, dass er so irrational geworden ist, dass wir ihn gleich ganz vom (wirtschaftlich) unfähigen Staat übernehmen lassen...
    Was für eine Logik? Wie wäre es mal mit andersrum? Weniger Staat, denn dieser hat noch nie die Effizienz in der Wirtschaft vergrößert.
    Und an alle die sich über Strompreise etc. aufregen: Die Zeiten in denen das Oligopol Überrenditen machten sind lange vorbei: Die Gewinne im Versorgersektor sind massiv zusammengeschmolzen und längst auf ein bescheidenes Niveau zusammengeschmolzen. Preistreiber Nr. 1 war dagegen der Staat (neben Rohstoffkosten). So viel also zu dem Staat als Heilsbringer...

  • @ Fockenbrock – Also emtweder haben Veritas und ich Ihren Artikel nicht richtig verstanden oder die Mitkommentatoren haben es nicht verstanden. Vielleicht sollten Sie fuer Aufklaerung sorgen ;-)

  • @lichtenberger
    Hinter Tennet steht bekanntlich der niederländische Staat und hätte Tennet das Höchstspannungsnetz nur unter der Bedingung des unverzüglichen Netzausbaus im erforderlichen Umfang erhalten, währe doch alles bestens. Die Niederlande würden dafür bürgen. Nur will sich jetzt keiner aus "Political Correctness" mit den Holländern anlegen und den Netzausbau durchsetzen, obwohl das deutsche Recht dieses ausdrücklich verlangt. Das war aber auch schon vor den Verkauf an Tennet so und damit ist Tennet in der Pflicht, ob es nun im Kaufvertrag steht oder nicht.
    Nichterfüllung der gesetzlichen Verpflichtungen führt aber zur Haftung und es liegt jetzt an Deutschland, diese bei den Holländern geltend zu machen, notfalls durch Pfändung des Netzes.
    Sollten die Netze aber wieder beim Staat sein, dann hoffe ich, dass auch die erforderlichen Fachkräfte mitkommen, sonst wird das Chaos noch größer und keiner ist mehr haftbar.

  • Wir alle Wissen das Verstaatlichung auschließlich Chaos heißt. Politik war noch nie fähig Wirtschaftsbetrieb mit Gewinn zuführen.
    Politik hat hier die Aufgabe den Wettbewerb in Trab zu bringen.

  • Jawohl! Und die Banken auch. Und langsam kommt heraus, dass die Konzepte der Linken doch gar nicht so abwegig sind. Denn immer nur den Dummen und den Zahlemann zu spielen kann sich der deutsche Steuerzahler nun mal nicht leisten!

  • insofern ihnen diese unter konkreten Ausbau- und Modernisierungszielen zugeschlagen werden. Unter den Netzbetreibern muss nur ein echter Wettbewerb um die Netze herrschen, anstatt des vorhandenen Protektionismus.

    total lustig

    wir haben einen niederländischen Netzbetreiber der ist so groß, daß er bei 50 Millionen Investitionen sofort überschuldet ist und
    in die Kniee geht.

    Na saperlott, bei dem sind wir gut aufgehoben.

    Außerdem Schweden als Nation ist sich nicht zu schade im dt.
    Dtrommarkt mitzumischen. Also gasnz staatsfrei sind wir eh nicht. Abgesehen von unseren Ländern mit ihren Super-Hauptlingen, die ja ne Menge in der Sache zu sagen haben-oder-
    Da ist wohl Frau Merkel di3e allerletzte die man fragen wird.
    Dann nämlich beim Bundzuschuß.

    Richtig ist wie ein Vörgänger schrieb:
    Energie und Wasser sowie auch ruhig die Bahn;nicht die Post
    oder der Flughafen, sind Volkseigentum, nicht veräußerbar, warum auch.
    Der König ist nackt, das Volk ist nackt, Minusgrade sind angesagt.
    Sorry, auch ich bin kein Kommunist-trotzdem- das oben zählt

  • Was soll denn bei einer Verstaatlichung der ganzen Branche herauskommen? Die der Stromnetze wäre schon ausreichend, um die Macht der Stromkonzerne zu brechen, die Energiewende ad absurdum zu führen. Und selbst die Netze sollten privaten Netzbetreibern überlassen werden, insofern ihnen diese unter konkreten Ausbau- und Modernisierungszielen zugeschlagen werden. Unter den Netzbetreibern muss nur ein echter Wettbewerb um die Netze herrschen, anstatt des vorhandenen Protektionismus.
    Wenn aber, wie heute üblich, Städte und Gemeinden an den Energieversorgern bzw. Netzbetreibern selbst beteiligt sind und Konzessionsverträge über mehr als 20 Jahre mit der Stromlobby schließen dürfen, wie soll dann Wettbewerb entstehen?! Wie sollen Genehmigungsverfahren für den Netzausbau zu beschleunigen sein, wenn der Netzausbau nicht mal im Interesse der genehmigenden Städte und Gemeinden ist, weil sie ja selbst Netzbetreiber oder Stromversorger sind, sich zum Teil aus den Stromverkäufen finanzieren und die Investitionen scheuen?! Wie ernst ist der Staat wirklich um Energieeffizienz und –einsparung bemüht, wenn er doch am Umsatz beteiligt ist.
    Die Lösung des Dilemmas liegt vielmehr in der Auflösung der zahlreichen Interessenskonflikte. Netzbetreiber haben eben nur Strom zu transportieren. Wenn dafür Netze modernisiert werden müssen, dann kostet das. Stromversorger haben nur Strom zu beschaffen und den vorrangig aus erneuerbaren Quellen. Wenn alle Stromversorger den gleichen Anteil erneuerbaren Stroms an ihrem Stromabsatz tragen müssen, dann ist keiner im Nachteil. Städte und Gemeinden haben die Interessen ihrer Bürger zu vertreten, auch wenn es um Energieeinsparung geht. Umweltminister haben dafür zu sorgen, dass möglichst viel erneuerbarer Strom erzeugt werden kann, auch wenn er dabei in das Baugenehmigungsrecht eingreift und Wirtschaftsminister dafür, dass das möglichst wirtschaftlich passiert, auch wenn es nicht im Interesse der Stromlobby ist.

  • Besonders traurig ist, dass ein Großteil der Handelsblatt Leser mittlerweile so ideologisch verblendet und von Verschwörungstheorien zerfressen ist, dass man aus diesem Artikel nicht die Kritik an staatlichen Eingriffen herausliest, sondern plump kommentiert "Ja bitte, endlich verstaatlichen.". Ohje...

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