Kommentar
Die Strombranche gehört verstaatlicht!

Der Strommarkt wird nach und nach ausgehebelt. Alles was an staatlichen Eingriffen noch hinzukommen könnte, würde das System nur noch verschlimmern. Konsequent wäre nun nur die Verstaatlichung der ganzen Branche.
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Dies, um es gleich vorwegzunehmen, ist ein Plädoyer für die Verstaatlichung der Stromindustrie. Es ist zwar nicht meine wirkliche Meinung, schon gar nicht mein heimlicher Wunsch nach dem starken Staat. Es ist nur eine logische Ableitung. So wie bisher geht es jedenfalls nicht weiter.

Beginnen wir mit der von Rot-Grün vor gut einem Jahrzehnt eingeleiteten Energiewende. Seitdem werden Sonne und Wind durch eine Umlage auf den Strompreis gefördert. Anfangs waren es noch bescheidene Mittel, die zwischen Stromkunden und den Betreibern regenerativer Kraftwerke verschoben wurden. Inzwischen reden wir über 20 Milliarden Euro, die jährlich parallel zum Staatshaushalt fließen und die deshalb auch nicht Subvention heißen. Was sie natürlich sind. Tendenz steigend.

Allein die Größenordnung ist aber nicht entscheidend, sondern die Tatsache, dass inzwischen 25 Prozent des Stroms aus regenerativen Quellen stammen. Kurzum: Ein Viertel des Marktes findet heute außerhalb des Wettbewerbs statt. Wind- und Sonnenstrom hat eine Abnahmegarantie. In wenigen Jahren sollen es schon 35 Prozent sein. Der Markt wird nach und nach ausgehebelt.

Zweiter großer Einschnitt war der Atomausstieg durch Schwarz-Gelb vor zwei Jahren. Seitdem wird der Ausbau der Windkraft forciert vorangetrieben - mit gigantischen Kraftwerken vor der Küste. Was fehlt, sind die Leitungen, um den Strom zu den Verbrauchern im Süden des Landes zu transportieren. Die Investitionsrisiken sind den Netzbetreibern zu hoch, weil technisches Neuland betreten wird.

Also entschied das Kartell aus Staat, Windparkinvestoren und Netzbetreibern kurzerhand, das Risiko auf Dritte abzuwälzen. Das ist der Stromverbraucher. Der muss künftig dafür haften, wenn bei den Windparks auf hoher See etwas schiefgeht. Den Unternehmen sind jegliche unternehmerische Risiken abgenommen. Der Kunde zahlt.

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  • Ich möchte Dieter Fockenbrocks Artikel ergänzen.

    Märkte sind da, wo sich viele freie Anbieter und Abnehmer im Wettbewerb untereinander begegnen.
    Genau hier ist die kapitalistisch organisierte Wirtschaft für die Gesellschaft eine nützliche, unbürokratische und, wie ich meine, demokratisch beherrschbare Methode. Das Beste, was es bisher gibt!

    Für Energie- und Wasserversorgung, große monopolistische Energieversorger, Energie-, Verkehrs- und Nachrichtennetze, große Banken, usw. ist dieses Instrument allerdings untauglich. Diese Wirtschaftsbereiche gehören in gesellschaftliche und kommunale Hände.

    Geeignete Parlamentarier wissen das.

  • Das Problem an der Verstaatlichung: Die Politiker machen meist den grössten Bockmist. Es ist ANDERER Bockmist als die Unternehmen machen, aber ist er besser?
    Wer ist den Vorsitzender Vom Nürnburgring und Berlin-Flughafen-Projekt? Beim Nürnburgring ist das in Worten ein gelernter Elektriker! Nix Gegen diese Berufsgruppe, aber ich als BWLer würde auch nicht im Elektrokabelsalat eines grossen Betriebes rumpfuschen!

  • Meine Güte, so ein schwacher Kommentar, ich finde nicht einen Grund für seine These. Im Endeffekt heißt es doch, der Staat macht einen Eingriff nach dem anderen bis er den Markt so sehr kaputt gemacht hat, dass er so irrational geworden ist, dass wir ihn gleich ganz vom (wirtschaftlich) unfähigen Staat übernehmen lassen...
    Was für eine Logik? Wie wäre es mal mit andersrum? Weniger Staat, denn dieser hat noch nie die Effizienz in der Wirtschaft vergrößert.
    Und an alle die sich über Strompreise etc. aufregen: Die Zeiten in denen das Oligopol Überrenditen machten sind lange vorbei: Die Gewinne im Versorgersektor sind massiv zusammengeschmolzen und längst auf ein bescheidenes Niveau zusammengeschmolzen. Preistreiber Nr. 1 war dagegen der Staat (neben Rohstoffkosten). So viel also zu dem Staat als Heilsbringer...

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