Kommentar
Die verordnete Bescheidenheit in China

Chinas Kader sollen umsteigen. Statt Audi, Mercedes oder BMW erhalten sie heimische Dienstkarossen. Doch das hat nichts zu tun mit Abschottung. Auch in Asien wachsen die Bäume für Beamte nicht mehr in den Himmel.
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Wenn Chinas Beamte künftig keine Audis mehr fahren dürfen, dann weist das nicht auf neuen Nationalismus hin, sondern schlicht auf eine Normalisierung der Verhältnisse. Auch in Deutschland ordern die Behörden nach Möglichkeit heimische Fahrzeuge - oder zumindest solche aus regionaler Produktion. Deshalb können sich Polizisten in Bayern auch freuen, im Einsatz überwiegend mit Audi oder BMW unterwegs zu sein. Wenn die Kanzlerin einmal nicht in einer deutschen Marke vorfahren würde, wäre die Aufregung vermutlich groß.

Für Chinas Beamte bedeutet die Neuregelung - wenn sie denn in der diskutierten Form kommt -, dass sie in Zukunft auf etwas Komfort verzichten müssen. Die chinesischen Luxusautos machen zwar auf den ersten Blick bereits einen ordentlichen Eindruck, aber während der Fahrt quietscht mal die Innenverkleidung, mal wärmt die Heizung den Innenraum nur sehr unzureichend.

Das chinesische Volk hat zuletzt mit zunehmendem Neid auf den Prunk in den Ministerien und Staatsbetrieben geblickt. Die Führungsspitze verordnet den Kaden nun Bescheidenheit. Die Dienstwagen sind ist dabei nur ein Teil des Gesamtbilds.

Für Audi und Co. ließe sich der Verlust des Staatsgeschäfts verschmerzen. Sein Anteil am Umsatz liegt seit einiger Zeit runde zehn Prozentpunkte niedriger als das Wachstum der vergangenen Jahre. Ein Wegfall des Beamtengeschäfts würde also allenfalls einen Dämpfer bedeuten, aber keinen Rückgang bewirken. Auch hier zeigt sich die Normalisierung: Hauptabnehmer ist längst nicht mehr der Staat, sondern die schnell wachsende Mittelklasse, deren Wohlstand täglich zunimmt. Das Auto ist ein wichtiges Symbol dafür, es geschafft zu haben. Davon profitieren die deutschen Luxusmarken ganz besonders - und hier liegt das Geschäft der Zukunft. Wenn sich Chinas Wirtschaft auch nur annähernd so weiterentwickelt wie bisher, dann läuft es weiter glänzend.

Für das künftige Wachstum spielt der Gedanke einer Förderung heimischer Marken ebenfalls eine Rolle. China hat die ersten Schritte der Entwicklung bereits getan: Die Infrastruktur ist in weiten Teilen des Landes bereits gut ausgebaut, die Exportindustrie ausgereizt. Um weiterzukommen, muss China innovativer und kreativer werden. Dazu gehört auch, dass die Autobranche des Landes auf eigenen Füßen steht und selbst Top-Modelle anbieten kann. Hier kann der Staat mit seinem Milliarden-Etat für Einkäufe nachhelfen, ohne den Markt großflächig zu verzerren.

Der Autor ist Korrespondent in Peking.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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  • verdammt warum wird das nicht in europa auch gemacht dann hätten wir keine probleme mit ländernb die alles auf pump finanzierten hmhmhmhm GRIECHENLAND-.

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