Kommentar
Draghis Feuerschutz hält nicht lange vor

Die Entscheidung der EZB, den Leitzins zu drücken, ist richtig. Aber sie bringt nur einen kleinen Zeitgewinn. Deshalb wird EZB-Präsident Mario Draghi schon bald wieder aktiv werden.
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Mario Draghi hatte heute die Chance, den Märkten einen etwas ruhigeren Sommer zu bescheren. Er hat sie genutzt - und das ist gut so. Wenn keine großen Überraschungen dazwischen kommen, haben die Euro-Länder durch die EZB-Entscheidung etwas Zeit gewonnen. Dazu tragen auch die entschlossenen Schritte der Zentralbanken in China und Großbritannien bei. Bald wird vorrausichtlich die amerikanische Notenbank folgen und eine weitere Runde der quantitativen Lockerung einleiten.

Zeit ist in der Krise ein wichtiges Gut: Je schneller Entscheidungen getroffen werden müssen, desto größer ist die Gefahr von Fehlschüssen. Allein die Umsetzung der Gipfelbeschlüsse vom vergangenen Freitag braucht mehrere Monate. Dagegen ist der Zeitgewinn durch die EZB-Entscheidung klein.

Mario Draghi steht vor einem schwierigen Problem: Seine Zinspolitik ist weitgehend wirkungslos. Die EZB hat die Zinsen seit der Finanzkrise bereits drastisch gesenkt. Dies wirkt sich aber nur dort aus, wo es am wenigsten bringt: In den Nordländern der Eurozone. In Deutschland zum Beispiel boomt die Baubranche, weil immer mehr Haushalte die niedrigen Zinsen nutzen und neue Häuser bauen. Dagegen müssen Unternehmen und Privathaushalte in den Südländern nach wie vor sehr hohe Zinsen für Kredite hinblättern - wenn sie überhaupt welche bekommen. Das liegt daran, dass die Sparer in den Südländern Angst um die Zukunft des Euro haben. Sie fliehen mit ihrem Kapital in die Kernländer der Eurozone.

Kleine Effekte bringt die Zinssenkung aber dennoch. Erstens dürften die Zinsen der Krisenländer am Anleihemarkt nun ein wenig sinken. Zweitens schwächt die Zinssenkung den Wechselkurs des Euro: Für Anleger wird es nun noch attraktiver, Kredite in Euro aufzunehmen und in anderen Währungsräumen anzulegen. Drittens sinkt auch der Zins für die langfristigen Refinanzierungsgeschäfte, mit denen die EZB im Dezember und Februar die Banken im Euroraum mit Liquidität versorgt hat.

Außerdem hat die EZB auch den Einlagezinssatz auf Null gesenkt, den die Banken bekommen, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken. Derzeit liegen fast 800 Milliarden Euro in der Einlagenfazilität der EZB. Die Zinssenkung erhöht den Anreiz für die Banken, dieses Geld stattdessen anderweitig zu verleihen.

Zwar steigt durch die Zinssenkung das langfristige Inflationsrisiko, doch dieses Risiko ist leichter kontrollierbar als die Angst um den Euro. Seit Jahrzehnten haben die Notenbanken weltweit ihre Instrumente im Kampf gegen die Inflation getestet. Wie man aber mit der komplizierten Psychologie einer Währungskrise umgehen soll, ist viel schwieriger zu beantworten.

Deshalb dürfte der heutige Zinsschritt nicht die letzte Maßnahme gewesen sein, die EZB-Chef Draghi zur Rettung des Euros in die Waagschale wirft.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Sparer haben kein Einkommen sondern Kosten. Denn wenn keine Kreditnehmer da sind müssen sie ihr Geld beispielsweise vor Taschendiebstahl schützen indem sie wieder beispielsweise einen Tresor anschaffen und einen Wachdienst bezahlen.

  • Kuendigungsschutz?

    Higher & Flyer!

    Weise erstmal nach daß Du nicht scheinselbständig bist indem Du mehrere Monate autonom von Zahlungseingängen deines größten Kunden überlebst!

  • Vergessen wird nur, dass das Realeinkommen vieler Millionen Sparer drastisch sinkt

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