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Dreht das Silicon Valley jetzt völlig durch?

Eine Milliarde legt Facebook für die Fotoapp Instagram hin. Eine Milliarde Dollar für ein Mini-Unternehmen ohne Gewinn. Einige warnen vor einer neuen Internetblase.
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San FranciscoDreht das Silicon Valley jetzt völlig durch? Eine Milliarde Dollar zahlt Facebook-Chef Mark Zuckerberg für eine kaum zwei Jahre alte Firma aus San Francisco mit dreizehn Angestellten und ohne Umsatz. Ihr einziges bekanntes Produkt ist Instagram, eine kleine App, eine Software, mit der man Fotos aufhübschen und mit anderen Instagram-Nutzern oder Freunden teilen kann. Ein kleiner Filter hier, ein witziger Rahmen da. Nett, aber eine Milliarde Dollar wert?

Ja, zumindest für Facebook. Denn für weniger war Instagram wahrscheinlich gar nicht mehr zu bekommen und Zuckerberg musste mehrere Probleme auf einmal lösen. Der Zukauf zementiert seine bröckelnde Vormachtstellung beim mobilen Bilder-Upload wieder und stärkt das mobile Internet, Facebooks offene Flanke. Was nicht vergessen werden darf: hinter der App steht eine komplexe Software-Plattform, ein hoch skalierbarer Cloud-Service, fix und fertig für den Einsatz.

Unternehmen nutzen Instagram bereits um Foto-Wettbewerbe für ihre Kunden abzuhalten. Die Facebook-Werbekunden werden diese Erweiterung ihrer Reichweite lieben. Das ist die Geschichte für den kommenden Börsengang, die noch gefehlt hat. Die Hau-Ruck-Milliardenakquisition zu diesem Zeitpunkt ist das klare Eingeständnis, dass der Börsengang ohne eine sichtbare Mobil-Strategie kaum zu verkaufen gewesen wäre.

Jedenfalls nicht mit einer angestrebten Unternehmensbewertung von 100 Milliarden Dollar. Wenn Zuckerberg dieses Problem nun mit einem Hundertstel des erhofften Werts gelöst hat, dann war es ohnehin nicht zu viel.

Instagram-Bilder finden sich zudem sehr oft auf Diensten wie Twitter oder Tumblr – Zuckerberg erweitert somit seinen Zugriff auf diese konkurrierenden Netzwerke. Und wahrscheinlich hat er quasi so nebenbei seinen größten potenziellen Konkurrenten ausgeschaltet, bevor er zu gefährlich werden konnte. Auch dafür ist eine Milliarde gut angelegt.

Denn Instagram, die einstige Foto-App, war längst auf dem Weg ein komplettes Social-Network wie Facebook zu werden. Aufgebaut rund um Bilder, entstand hier ein gefährlicher Gegner im mobilen Internet. Viele Instagram-Nutzer wählen genau deshalb diesen Dienst: Sie wollen unabhängig von Facebook Bilder mit ihren Instagram-Freunden teilen und diskutieren. Zuckerberg hat dieses Problem nun für sich gelöst.

Er bekommt die beliebten Instagram-Filter und Funktionen für sich und wenn die Instagram-Gemeinde weiter wächst – auch gut. Sie gehört ja bald ihm. Wenn nicht? Um so besser: Nur Stunden nach der Bekanntgabe des Deals meldet Mashable.com eine Überlastung des Dienstes durch einen Massenexodus von Kunden, die ihre Fotos sichern und dann löschen wollen.

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Das frühe Ende von Instagram?

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  • Aufgrund der Rentabilitätshürde des Urzinses kommt es am Ende zu krassen Fehlallokationen zwischen Kreditangebot und Kreditnachfrage. Wer das verstehen will, muss zuerst die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) verstehen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

  • Eine Firma, die nur attraktiv ist, weil sie ihre Dienste kostenlos anbietet, ist mit einer Milliarde $ definitiv überbezahlt. Von den 30 Mio. Instagram-Nutzern werden am Ende kaum welche übrigbleiben, denn sie werden sich nicht von Facebook vereinnahmen lassen wollen.

    Und nicht zu vergessen: Konkurrent Google+ bietet nicht nur ein für die Nutzer erheblich durchschaubarer organisiertes Social Network, sondern mit Picasa auch einen erheblich ausgefeilteren Fotobetrachter, -editor und -uploader.

    Wenn Herr Zuckerberg weiterhin so mit dem Geld um sich wirft, wird es ihm schon bald ausgehen. Irgendwann wollen nämlich auch die Facebook-Anleger Geld sehen, und davon nicht zu wenig.

  • 1% Dividende weniger. Naja, wer facebook kauft, denkt wahrscheinlich nicht in Peanuts...

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