Kommentar: Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

Kommentar
Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

Die aktuelle Arbeitsmarktbilanz ist nur auf den ersten Eindruck enttäuschend. Tatsächlich sind die Zahlen erfreulich gut. Vor allem zwei wichtige Werte sind beeindruckend.
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BerlinAuf den ersten Blick hält die aktuelle Arbeitsmarktbilanz gleich zwei große Enttäuschungen bereit: Die Zahl der Arbeitslosen ist zum ersten Mal seit einem Dreivierteljahr wieder über die Schwelle von drei Millionen angestiegen. Und damit nicht genug: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisse ist nach ersten Hochrechnungen wieder unter die Schwelle von 29 Millionen gesunken.

Für ein realistisches Lagebild taugen solche Symbolmarken allerdings nur sehr bedingt. Der Januar ist im Saisonverlauf des Jahres stets der ungünstigste Monat für den Arbeitsmarkt. Die Winterflaute ist diesmal allerdings milder ausgefallen als üblich. Das hat mit dem - bis vor wenigen Tagen - milden Wetter zu tun, von dem typische Außenberufe wie Bauarbeiten profitierten. Das zeigt aber auch, dass die konjunkturelle Flaute bisher keine ernsten Spuren im Beschäftigungssektor hinterlässt. Bei den Unternehmen dominiert offenkundig die Erwartung, dass es bald wieder aufwärts geht.

Zwei weitere Zahlen vom Arbeitsmarkt sprechen für sich: Im Januar 2012 waren fast 265.000 Menschen weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor. Und noch eindrucksvoller: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen ist binnen Jahresfrist sogar um mehr als 700.000 angestiegen. Das zeigt, wie groß der Personalbedarf der Wirtschaft tatsächlich ist.

Es zeigt nebenbei aber auch, dass der Jobaufschwung nicht etwa eins zu eins die Arbeitslosigkeit verringert. Das lässt sich teilweise damit erklären, das ältere Arbeitnehmer bereits länger im Job bleiben statt in Frührente zu wechseln, was ein dritter Grund zur Zuversicht ist. Es sollte aber auch eine Mahnung sein: Arbeitslose mit geringer Qualifikation und anderen Vermittlungshemmnissen werden es auch künftig nicht leicht haben, vom Jobaufschwung zu profitieren.

Umso mehr Vorsicht ist angebracht, wenn nun von dem näher rückenden Bundestagswahlkampf das politische Bedürfnis wächst, mit Mindestlöhnen, Einschränkung der Zeitarbeit und anderen Arbeitsmarktregulierungen beim Wahlvolk Punkte zu sammeln. Nebenbei: Wenn Deutschland von seinen Euro-Nachbarn jetzt aus gutem Grund Reformen im Sinne wirtschaftlicher Dynamik verlangt, dann sollte es mit solcher Regulierungspolitik am Arbeitsmarkt nicht seine eigene Glaubwürdigkeit untergraben.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Viktor hat vollkommen recht. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jenseits der amtlichen Statistikschönung noch viel höher als 3 Millionen. Wahrscheinlich um die sechs Millionen Menschen!Überhaupt wird 2012 noch so mancher ins Zittern kommen, wenn sich herausstellt, dass auch Deutschland in die Rezession abgleitet und selbstgefällige Wirtschaftsheroen wie der stets mit falschen Prognosen aufwartende Wirtschaftsweise Franz das Ausmaß der Krise mal wieder mächtig unterschätzt haben. Dann werden wir wohl -Hartz IV Empfänger und Menschen in Umschulungsmaßnahmen eingeschlossen- bei 7-9 Millionen Arbeitslosen liegen. Spätestens dann geht es auf Deutschlands Straßen rund, und es wird für unser schon jetzt schlecht gelittenes Establishment aus Reichen, Beamten und Politikern megamäßig ungemütlich. Griechenland läßt grüßen.

  • Herr Creutzburg wo haben Sie denn diese Zahlen her? Berechnet man die Zahl aller Arbeitslosengeldempfäger I+II kommt man auf über 5 Mio. Glauben Sie nur den Zahlen, die sie selbst erstellt haben.

  • Genau so oder so ähnlich hätte es Mao Tse Tung gemacht.

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