Kommentar Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

Die aktuelle Arbeitsmarktbilanz ist nur auf den ersten Eindruck enttäuschend. Tatsächlich sind die Zahlen erfreulich gut. Vor allem zwei wichtige Werte sind beeindruckend.
14 Kommentare
Dietrich Creutzburg

Der Autor ist Korrespondent in Berlin.

BerlinAuf den ersten Blick hält die aktuelle Arbeitsmarktbilanz gleich zwei große Enttäuschungen bereit: Die Zahl der Arbeitslosen ist zum ersten Mal seit einem Dreivierteljahr wieder über die Schwelle von drei Millionen angestiegen. Und damit nicht genug: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnisse ist nach ersten Hochrechnungen wieder unter die Schwelle von 29 Millionen gesunken.

Für ein realistisches Lagebild taugen solche Symbolmarken allerdings nur sehr bedingt. Der Januar ist im Saisonverlauf des Jahres stets der ungünstigste Monat für den Arbeitsmarkt. Die Winterflaute ist diesmal allerdings milder ausgefallen als üblich. Das hat mit dem - bis vor wenigen Tagen - milden Wetter zu tun, von dem typische Außenberufe wie Bauarbeiten profitierten. Das zeigt aber auch, dass die konjunkturelle Flaute bisher keine ernsten Spuren im Beschäftigungssektor hinterlässt. Bei den Unternehmen dominiert offenkundig die Erwartung, dass es bald wieder aufwärts geht.

Zwei weitere Zahlen vom Arbeitsmarkt sprechen für sich: Im Januar 2012 waren fast 265.000 Menschen weniger arbeitslos als ein Jahr zuvor. Und noch eindrucksvoller: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen ist binnen Jahresfrist sogar um mehr als 700.000 angestiegen. Das zeigt, wie groß der Personalbedarf der Wirtschaft tatsächlich ist.

Es zeigt nebenbei aber auch, dass der Jobaufschwung nicht etwa eins zu eins die Arbeitslosigkeit verringert. Das lässt sich teilweise damit erklären, das ältere Arbeitnehmer bereits länger im Job bleiben statt in Frührente zu wechseln, was ein dritter Grund zur Zuversicht ist. Es sollte aber auch eine Mahnung sein: Arbeitslose mit geringer Qualifikation und anderen Vermittlungshemmnissen werden es auch künftig nicht leicht haben, vom Jobaufschwung zu profitieren.

Mehr Menschen arbeitslos

Umso mehr Vorsicht ist angebracht, wenn nun von dem näher rückenden Bundestagswahlkampf das politische Bedürfnis wächst, mit Mindestlöhnen, Einschränkung der Zeitarbeit und anderen Arbeitsmarktregulierungen beim Wahlvolk Punkte zu sammeln. Nebenbei: Wenn Deutschland von seinen Euro-Nachbarn jetzt aus gutem Grund Reformen im Sinne wirtschaftlicher Dynamik verlangt, dann sollte es mit solcher Regulierungspolitik am Arbeitsmarkt nicht seine eigene Glaubwürdigkeit untergraben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

14 Kommentare zu "Kommentar: Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Viktor hat vollkommen recht. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit ist jenseits der amtlichen Statistikschönung noch viel höher als 3 Millionen. Wahrscheinlich um die sechs Millionen Menschen!Überhaupt wird 2012 noch so mancher ins Zittern kommen, wenn sich herausstellt, dass auch Deutschland in die Rezession abgleitet und selbstgefällige Wirtschaftsheroen wie der stets mit falschen Prognosen aufwartende Wirtschaftsweise Franz das Ausmaß der Krise mal wieder mächtig unterschätzt haben. Dann werden wir wohl -Hartz IV Empfänger und Menschen in Umschulungsmaßnahmen eingeschlossen- bei 7-9 Millionen Arbeitslosen liegen. Spätestens dann geht es auf Deutschlands Straßen rund, und es wird für unser schon jetzt schlecht gelittenes Establishment aus Reichen, Beamten und Politikern megamäßig ungemütlich. Griechenland läßt grüßen.

  • Herr Creutzburg wo haben Sie denn diese Zahlen her? Berechnet man die Zahl aller Arbeitslosengeldempfäger I+II kommt man auf über 5 Mio. Glauben Sie nur den Zahlen, die sie selbst erstellt haben.

  • Genau so oder so ähnlich hätte es Mao Tse Tung gemacht.

  • Arbeitslos bin ich auch nicht - ist wohl keiner - aber halt weitgehend Einkommenslos.

  • "Zur Senkung der Arbeitslosenzahl töten wir am besten alle Arbeitslosen und einen Zahnarzt ... Um Himmels Willen, warum denn einen Zahnarzt? Eben, von den Arbeitslosen spricht dann keiner."

  • Drei Millionen Arbeitslose sind keine Katastrophe

    DOCH ! Es ist eine Katastophe!
    .... für jeden einzelnen Arbeitslosen!

  • Der Einzelne ist Nichts!
    Das Volk ist Alles!
    China lässt Grüßen.

    P.s. bin nicht arbeitslos.

  • Es sind aber auch nicht nur Leistungsempfänger arbeitslos. Wer etwas Grund und Boden oder gewisse Rücklagen der Eltern mitbekommen hat kann sehr wohl auch arbeitslos sein, ohne Leistungen zu bekommen (und unter Umständen auch ohne als solcher gemeldet zu sein).

  • Bei dem Artikel gehts um die gesamte Volkswirtschaft.

    Da sollte sich der einzelne nicht zu wichtig nehmen.

  • Falsch: Sagen Sie das mal einem Arbeitslosen
    Richtig: Sagen Sie das mal jedem einzelnen Arbeitslosen

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%