Kommentar
Dynamik à la française

Und der französische Ministerpräsident begrüßte als Erster lauthals den Zusammenschluss zum drittgrößten Pharmahersteller der Welt. Dieses Muster hat in Paris Methode. Erstaunlich ähnlich entstanden in den letzten Jahren aus einer Vielzahl kleinerer französischer Spieler etwa die weltweit drittgrößte Bank BNP Paribas oder der weltweit sechstgrößte Mineralölkonzern Totalfina Elf. Auch hier waren sich die Firmenchefs einander zunächst in herzlicher Abneigung verbunden – bis sie auf höchste Order ihre Gemeinsamkeiten entdeckten.

Nach diesem turbulenten Wochenende hat Frankreich einen internationalen Champion mehr. Und Deutschland? Berlin kann nur noch zu vermeiden suchen, dass auf politischen Druck der Pariser Regierung hin die deutschen Standorte der ehemaligen Hoechst AG die Hauptlast der Anpassung tragen müssen.

Die Bundesregierung wurde vorgeführt, Bundeskanzler Gerhard Schröder, der noch am Freitag die beteiligten Regierungen zur Neutralität verpflichtete, düpiert. Er hat ganz offensichtlich die Dynamik der Ereignisse unterschätzt.

An dieser Stelle soll sicher nicht einer national motivierten Industriepolitik das Wort geredet werden – der Markt richtet besser als die Politik. Doch wer sich zu einem Spiel an einen Tisch setzt, sollte sich vergewissern, dass alle nach den gleichen Regeln spielen, bevor er Platz nimmt. Der Kanzler hat mit seinem – ordnungspolitisch durchaus wünschenswerten – Appell lediglich sich selbst gebunden, nicht aber seine politischen Freunde in Paris.

Dies war angesichts der Debatten der letzten Monate zu diesem Thema erstaunlich naiv. Die ernüchternde Erkenntnis des Wochenendes ist, dass Paris seine nationale Industriepolitik hart und erfolgreich durchsetzt, während die Bundesregierung in der Hoffnung auf eine marktwirtschaftliche Industriepolitik im europäischen Maßstab in Handlungsunfähigkeit erstarrt ist.

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