Kommentar
EADS und Boeing dürfen ihre Grenzen nicht vergessen

Lockere Teile beim Dreamliner, Haarrisse am A380: Die Probleme bei der Boeing und EADS zeigen: Die Flugzeugindustrie darf ihre Grenzen nicht vergessen.
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Zugegeben, die Sache klingt dramatisch: Die A380 hat Risse in ihren Flügeln. Doch was für Laien schon nach Beinahe-Crash riecht, ist keiner.

Betroffen sind einige wenige Halter der Flügelhaut. Eine A380 hat 4000 davon, der Ausfall einzelner Riegel ist harmlos. Zudem steht fest, dass die Konstrukteure das neue Flugzeug nicht falsch berechnet haben. Fehler bei der Montage haben die Risse verursacht. So etwas ist zu beheben, So weit die Fakten. Zur wirklichen Beruhigung reichen sie kaum. Auch wenn die A380 in der Luft ein sicheres Flugzeug bleibt, ihre Probleme sind eine deutliche Mahnung an die Flugzeug-Industrie: Vergesst eure Grenzen nicht!

Der Wettstreit um immer größere und bessere Flugzeuge ist in vollem Gange. Es ist ein Teufelskreis, den die Hersteller selbst in Gang gesetzt haben, freilich nicht aus freien Stücken.

Die Fluggesellschaften erwarten massive Effizienzgewinne, bevor sie für viele Milliarden neue Flugzeuge bestellen. Bis zu 30 Prozent sparsamer muss ein völlig neues Modell sein, will es die Gnade der Airline-Chefeinkäufer finden. Es ist ein Druck, den die Fluggesellschaften nur weiterreichen. Sie selbst spüren ihn täglich in Form steigender Kerosinpreise, wachsender Konkurrenz und schrumpfender Margen.

Die Flugzeugindustrie kennt die Nöte ihrer Kunden, nützen tut ihr das nichts. Sie muss liefern. Eine Möglichkeit sind immer größere Flugzeuge. Je mehr Passagiere an Bord sind, desto weniger wird pro Fluggast verbraucht. Doch die Probleme bei der A380 führen den Technikern gnadenlos vor Augen, dass es technische und physikalische Grenzen gibt. Die Warnung kommt zum richtigen Zeitpunkt. Schon denken die Konstrukteure an bis zu 1000 Menschen, die in den Röhren einmal Platz finden könnten.

Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz neuer Materialien. Doch auch hier gilt: Die Physik mag es nicht, wenn man versucht, sie zu überlisten. Boeing hat seinen Dreamliner, der teilweise aus Kohlefaser besteht, gerade mit satter Verspätung in die Luft gebracht. Doch auch hier sind die Probleme längst nicht beseitigt. Erst zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass sich hinten im Flugzeug Teile lösen können.

Am Ende hat die Flugindustrie nur eine Chance, ihrem Dilemma zu entkommen. Sie muss zwar neue Ideen liefern, sich dafür aber mehr Zeit lassen. Allzu forsche Versprechen rächen sich. Das ist die wohl wichtigste Grenze, die die Branche nicht aus den Augen verlieren darf.

Der Autor ist Korrespondent in Frankfurt.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Kommentar: EADS und Boeing dürfen ihre Grenzen nicht vergessen"

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  • Exzellenter Kommentar, richtig erfrischend diese fundierte Meinung.

  • Also im Prinzip hat ja der Autor recht.
    Er lässt aber ein Faktum unbeachtet.
    Es sind die heuts schon längst allgemein etablierten schremppschen Größenwahninfektionen, von denen eine immer größere Zahl unserer Neuen Führungs-, Lenkungs-, Leitungskräfte, Leistungsträger, Alpharüden und Alphafehen befallen sind.
    Die Erinnerungen an Lenins in die Zukunft gerichteten Fingerzeig, der für die historische Gesetzmässigkeit der Entwicklung zum Kommunismus und an die maoistischen Parole des Großen Sprung vorwärts in den Kopf kommt, entspricht sicherlich nicht dem Selbstbild der Neuen Exzellenzelitarier. Diese Geistigkeiten, die aus der psycho-neurotischen Welt des "Big Thingking" stammen, gehören eher doch in die unendlichen Weiten des Universums, wo sich künftige Menschengenerationen als die großen Geister beweisen werden, als in die Machtfunktionen von Vorständen großer Unternehmen. Aber vielleicht ist ja diese Neue Elitarierelite so etwas wie eine virtuelle Form humanoider Dinosauerier, die nach dem finalen Platzen der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsblase genaus so überleben werden, wie die alten nach den - vermuteten - Vulkanausbruchsszenarien der Vorzeit.

  • Also im Prinzip hat ja der Autor recht.
    Er lässt aber ein Faktum unbeachtet.
    Es sind die heuts schon längst allgemein etablierten schremppschen Größenwahninfektionen, von denen eine immer größere Zahl unserer Neuen Führungs-, Lenkungs-, Leitungskräfte, Leistungsträger, Alpharüden und Alphafehen befallen sind.
    Die Erinnerungen an Lenins in die Zukunft gerichteten Fingerzeig, der für die historische Gesetzmässigkeit der Entwicklung zum Kommunismus und an die maoistischen Parole des Großen Sprung vorwärts in den Kopf kommt, entspricht sicherlich nicht dem Selbstbild der Neuen Exzellenzelitarier. Diese Geistigkeiten, die aus der psycho-neurotischen Welt des "Big Thingking" stammen, gehören eher doch in die unendlichen Weiten des Universums, wo sich künftige Menschengenerationen als die großen Geister beweisen werden, als in die Machtfunktionen von Vorständen großer Unternehmen. Aber vielleicht ist ja diese Neue Elitarierelite so etwas wie eine virtuelle Form humanoider Dinosauerier, die nach dem finalen Platzen der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugsblase genaus so überleben werden, wie die alten nach den - vermuteten - Vulkanausbruchsszenarien der Vorzeit.

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