Kommentar
Ein Aktionsbündnis mit Realitätsmangel

Sigmar Gabriel will die Reichen höher besteuern. Doch die Pläne seines Aktionsbündnis treffen stattdessen den deutschen Mittelstand, die Leistungsträger unserer Gesellschaft. Die SPD schadet sich so nur selber.
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Es ist schade um Sigmar Gabriel. Da hat er mal eine gute Idee und einen guten Tag und kritisiert zu Recht die Banken für ihre Unfähigkeit zur Verantwortung. Und schon meint er, nachlegen und sich mit einem neuen „Aktionsbündnis" für eine umfassende neue Besteuerung der „Reichen" gemein machen zu müssen. Die Vorlage dieses Bündnisses aus Gewerkschaften, Sozialverbänden und Globalisierungsgegnern war offenbar so verführerisch, dass der SPD-Vorsitzende übersehen hat, dass der Ball nicht auf dem Elfmeterpunkt vor dem gegnerischen Tor der Regierungskoalition lag, sondern vor dem eigenen.

Und so trifft dieser Vorstoß auch einen großen Teil der eigenen sozialdemokratischen Klientel: jene Facharbeiter und Leistungsträger der Gesellschaft, die die Mittelschicht und damit den Stabilitätsanker unseres Landes ausmachen und die in früheren Jahren vielfach SPD gewählt haben.

Denn völlig unklar ist seitens des Aktionsbündnisses, wer eigentlich als „Reicher" gemeint ist. Zwar redet der Verdi-Chef Frank Bsirske davon, dass Deutschland ein „Steuerparadies" für Vermögende, Erben und Spekulanten sei, doch werden Zerrbilder durch Wiederholung nicht wahrer.

Wenn es nämlich um Vermögen (und nicht um jährliche Einkommen) ab 250.000 Euro geht, dann wären eben sehr schnell auch fleißige Hausbesitzer, Familien mit Immobilien und Sparguthaben sowie einer Lebensversicherung dem Zangengriff der neuen Umverteiler ausgesetzt.

Diese Gruppe der stillen Leistungsträger bezeichnete man einst auch als „Helmut-Schmidt-Wähler", und sie war das Fundament, auf dem die SPD erst solche Mehrheiten zusammenbringen konnte, die sie an die Regierung brachten. Mit Aktionsbündnissen gewinnt man jedenfalls keine Wahl.

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  • Danke, Herr Inacker!
    Jedes Wort spricht mir aus der Seele.
    Wenn man in einem qualifiziertem Vollzeit-Beruf Geld verdient, wird man in Deutschland nur noch an den Pranger gestellt. Dabei habe ich in meinen vergangenen 28 Berufsjahren immense Summen in die Sozial- und Steuersysteme eingezahlt. Der Staat wird sowieso nie sparen. Es ist viel zu einfach, fremdes Geld zum Fenster hinauszuwerfen.
    Deutschland ist wirklich das einzige Land auf der Welt, in dem man sich dafür entschuldigen muss, dass man mit Arbeit Geld verdient.

  • --@ihr

    Dass sie kein Hintergrundwissen haven, ist mir schon klar.
    Wahrscheinlich nur aus den Propaganda Maschinen ARD bezogen

    Bildung hat übrigens nix mit wissen von Fakten zu tun.

    Wir laufen nun mal ins Ende der Demokratie, schwatzen Sie ruhig weiter. Was kümmert es einer dt. Eiche, wenn ne dünne Sau sich an ihr scheuert, die Karawane zieht weiter, auch wenn die köter am Straßenrand kläffen

  • "Wenn wir endlich chinesische Verhältnisse haben, ist es vorbei mit lustig"

    Richtig, wer dort > 1Mio Dollar veruntreut wird hingerichtet.

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