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Kommentar: Ein mutiger Plan

Eon streckt im Gasgeschäft die Fühler in Richtung Iran aus. Iran wiederum nimmt den europäischen Markt ins Visier. Das Land will seine im Vergleich zu Nachbarn wie Oman oder Katar eher dürftigen Gasexporte ankurbeln, und Eon kann mit dem Zugriff auf die zweitgrößten Gasreserven der Welt seine Abhängigkeit von Russland verringern. Es könnte für beide ein gutes Geschäft werden.

Aber der Plan verlangt Mut. Jedes größere wirtschaftliche Arrangement mit Iran, gerade im Energiebereich, wird von der US-Regierung misstrauisch verfolgt. Die Liste jener europäischen Konzerne, die sich in Washington wegen enger geschäftlicher Verbindungen zu den Mullahs einen Rüffel abholen mussten, ist lang: Thyssen-Krupp, Shell, BASF, BP. Wie sich die Eon-Aktivitäten in den USA mit den Iranplänen vertragen, ist daher offen. Denn erst dieser Tage konnte sich Washington über die Einweihung der vor allem mit US-Mitteln gebauten BTC-Ölpipeline freuen, die den kostbaren Rohstoff vom kaspischen Raum in die Türkei transportiert. Und zwar unter Umgehung Irans.

Für den Westen könnten die geplanten Gaslieferungen nach Europa aber durchaus einen politischen Vorteil bewirken: Sie könnten bei den Verhandlungen zwischen der Islamischen Republik und der von Briten, Franzosen und Deutschen gebildeten EU-Troika über das höchst umstrittene iranische Atomprogramm möglicherweise als Druckmittel eingesetzt werden.

Denn trotz allen politischen Trotzes und aller Widersprüchlichkeit sind die Iraner auch Pragmatiker. Das Land muss immense Summen in den Aufbau seiner industriellen Infrastruktur investieren. Und dieses Geld muss zunächst mit Energieexporten verdient werden. Diese Tatsache müsste eigentlich fast zwangsläufig den Griff nach der Bombe verbieten.

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