Kommentar
Ein Wachstumspakt ist unverzichtbar

In Deutschlands ureigenem Interesse liegt es, mehr Wachstum in Europa zu schaffen. Finanziell wäre das auch möglich. Die Mittel müssen aber effizienter eingesetzt werden.
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In den vergangenen Jahren ist viel Energie darauf verwendet worden, die Führung der Euro-Zone neu zu erfinden. Gipfel auf Gipfel diente dazu, ein System aus Haushaltsdisziplin und Brandmauern zu entwerfen. Sicherlich war das notwendig, und es hat die Finanzmärkte bis zu einem gewissen Grad auch beruhigt. Aber es wird immer deutlicher, dass wir die Schuldensituation in der Euro-Zone, in Großbritannien, in den USA und in Japan nicht in den Griff bekommen, solange die Volkswirtschaften nicht wieder wachsen.

Wir haben keine Chance, all jene Jobs zu schaffen, die die katastrophalen Arbeitslosenzahlen in der westlichen Welt reduzieren können, wenn wir nicht schleunigst auf einen Wachstumspfad einschwenken. Abgesehen von den äußerst schädlichen sozialen und individuellen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit existiert auch ein ernstes politisches Risiko. Arbeitslosigkeit, geringe Einkommen und trübe Aussichten für die Zukunft bieten ein perfektes Gewässer, in dem populistische Politiker fischen können. Daher ist es unverzichtbar, dass wir einen Wachstumspakt mit dem gleichen Nachdruck schaffen wie den Fiskalpakt. Das sollten wir in Europa gemeinsam anpacken. Und wir sollten ihn so schnell wie möglich auf die Nachbarstaaten Europas, über den Atlantik und in die Welt ausdehnen. Aber beginnen müssen wir damit zu Hause, in Europa.

Darin steckt eine Menge Psychologie. Die Märkte reagieren nicht auf Fakten, sondern auf Annahmen. Daher würden ein klares Signal und einige einleitende Schritte helfen, die Märkte weiter zu beruhigen, nicht zuletzt deswegen, weil sie selbst mittlerweile erkannt haben, dass Wachstum ebenso notwendig ist wie Haushaltsdisziplin. Inzwischen gehen aber viele zu Recht davon aus, dass Sparen zur größten Gefahr für Wachstum und Jobs werden kann.

Was also kann und muss auf europäischer Ebene sofort geleistet werden? Am wichtigsten ist, dass die europäischen Politiker genauso viel Zeit für das Thema Wachstum aufwenden wie für die Haushaltskonsolidierung. Und dabei müssen sie schnell Ergebnisse vorlegen. Als Erstes sollten sie sich mit den 80 Milliarden Euro beschäftigen, die in den Strukturfonds liegen und nicht ausgegeben wurden. Das ist ein Desaster für Europa. Was könnte man nicht alles für neue Jobs und mehr Optimismus in weiten Teilen Europas erreichen, die von der Krise am schlimmsten betroffen sind, wenn diese 80 Milliarden Euro investiert würden.

Kommentare zu " Kommentar: Ein Wachstumspakt ist unverzichtbar"

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  • Das Handelsblatt hat gut daran getan diesen Artikel schnellstmöglich von der Hauptseite zu entfernen. Ich musste in der Tat googlen um den Artikel wiederzufinden. ;)

    Herr Martens, sie schreiben:
    "Arbeitslosigkeit, geringe Einkommen und trübe Aussichten für die Zukunft bieten ein perfektes Gewässer, in dem populistische Politiker fischen können."

    Das ist die typische Tour, kritische Geister die sich gegen den vorherrschenden Mainstream der Idiotie stemmen, als Populisten zu diskreditieren. Aber das funktioniert nicht mehr. Die Menschen können sich unabhängig informieren.

    Wir müssen endlich erkennen, das Problem in Europa ist der Euro und die EU seit dem Lissaboner Vertrag.
    Die konstruktivistische und kollektivistische Ideologie, mit der die EU-Politik ihre Vorstellungen durchsetzen will, ohne sich um die ökonomischen Folgen zu kümmern, hat uns in diese Lage gebracht.

    Jetzt ist die Idee, mit weiteren Schulden Wachstum "konstruieren" zu können, en vogue. Die Folgen dieser fortgesetzten Politik werden wie immer verheerend sein.

    "Daher ist es unverzichtbar, dass wir einen Wachstumspakt mit dem gleichen Nachdruck schaffen wie den Fiskalpakt. Das sollten wir in Europa gemeinsam anpacken. Und wir sollten ihn so schnell wie möglich auf die Nachbarstaaten Europas, über den Atlantik und in die Welt ausdehnen."

    Genau, an deutschen Euro-WTF-bonds soll die Welt genesen. Sie wollen also den Wohlstand des Deutschen Volkes opfern um ihre internationalistische Agenda durchzusetzen? Sie wollen die Früchte der harten Arbeit zweier deutscher Nachkriegsgenerationen vernichten?
    Soviel idiologische Verblendung und Willenfanatismus liest man selten.

    Im übrigen ist es neben der Eurokratie vor allem die schon vorhandene Schuldenlast, die organisches Wachstum verhindert.

  • Und was hat uns das ganze Megawachstum gebracht???
    - Schulden
    - Investment Banken
    - Und Geldscheine, die man nicht fressen kann.

    - Aber auch Ausrauben unserer Enkel und unserer Zukunft

    Die Bankster sind die wahren Herren und sie benehmen sich wie die fetten Parteifunktionäre aus China und der UdSSR. Diese fetten Säcke, die alles anderes als deutsch denkend sind, bestimmen über unsere Regierung und wer Bundespräsident oder Bundeskanzler wird.

    Wir sind keine Bankster oder Piraten, wie Spanien, Frankreich, England oder Amis. Wir erreichen Wohlstand nur durch eigene Arbeit und nicht durch Schuldenmachen. Schulden machen ist nur ein ausraueben unserer Enkel.

  • Zitat:

    "Der Euro hat Deutschland einen Vorteil verschafft. Vor dem Euro haben die meisten europäischen Staaten gegenüber der DM abgewertet und dadurch Deutschlands Wettbewerbsvorteil zunichte gemacht"

    Was für ein Unsinn! Deutschland war vor der Euroeinführung nicht schlechter gestellt als jetzt. Jedenfalls war Deutschland noch nicht mit drohenden Billionenlasten behaftet.

    Bitte, liebes HB, derartige Artikel sind zum Fremdschämen!

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