Kommentar
Eine Gefahr für die Bundesliga

Der FC Bayern legt ein Rekordergebnis vor und wird zur Geldmaschine in Europa. Das klingt nach einer guten Nachricht für den deutschen Fußball. Doch die Dominanz der Bayern ist gefährlich für die Bundesliga.
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DüsseldorfEs war ein Abend im Mai, der den Realitätssinn der meisten Fußballfans nachhaltig verzerrt hat. Fünf Mal traf der Meister gegen taumelnde Bayern - im Pokalfinale. Damit hatten die Münchener im zweiten Jahr in Folge keinen nationalen Titel gewonnen und Deutschland stellte sich die Frage: Ist die Dominanz der Bayern im deutschen Fußball vorbei? Die Antwort geben die Münchener in der aktuell laufenden Spielzeit: Nein, im Gegenteil. Seit Saisonbeginn fegen die Münchener durch die Liga, als seien die Samstagsspiele eine weitere Trainingseinheit.

Der sportliche Erfolg der Münchener mag das Ergebnis von hartem Training und genauer Spielanalyse sein - doch vor allem ist er ein Erfolg des Geldes. Während Meister Dortmund mit Shinji Kagawa wie schon in der Vorsaison einen der wesentlichen Leistungsträger gehen lassen musste, während bei Mönchengladbach der große Ausverkauf begann, konnten die Bayern ihr Team erneut zusammenhalten - und sogar noch verstärken.

Vor allem, weil die Gehälter beim Rekordmeister erheblich höher sind. 165 Millionen Euro kostete den FCB allein das Personal. Bei Borussia Dortmund sind Ausgaben in diesem Bereich mit 74,5 Millionen Euro nicht einmal halb so hoch, obwohl sie im abgelaufenen Geschäftsjahr um satte 17 Millionen Euro zulegten.

Der nüchterne Blick auf die finanzielle Realität der Liga spricht eine deutliche Sprache: Trotz des sportlichen Erfolgs von Borussia Dortmund, trotz der steigenden Umsätze ist der amtierende Meister wie alle anderen Clubs der Bundesliga noch Lichtjahre von der Finanzsituation des FC Bayern entfernt. Die finanzielle Schere zwischen dem FC Bayern und den anderen Clubs schrumpft nicht, sie wächst.

Von einem Wettbewerb auf Augenhöhe kann daher keine Rede sein. Die aktuelle Tabelle der Bundesliga zeigt, wohin die Reise gehen könnte: Die Meisterschaft könnte so einseitig werden, wie lange nicht mehr. Es drohen spanische Verhältnisse - mit dem Unterschied, dass in Deutschland nicht zwei Vereine um die Spitze streiten, sondern einer einsam seine Runden dreht.

Das Argument "Geld schießt keine Tore" ist nicht mehr als eine zaghafte Hoffnung. Kurzfristig mag das zutreffen, langfristig dominieren immer die Vereine, die auch besonders finanzstark sind. Nicht nur Real Madrid und Manchester City haben das in ihren Ligen bewiesen: Auch der FC Bayern ist in dieser Saison vor allem so stark, weil die größten Schwachstellen im Team mit viel Geld gekittet wurden. Die Konkurrenz wie Mönchengladbach darf sich keine Flops erlauben. Und welcher Verein in der Bundesliga könnte es sich leisten, einen Spieler für 40 Millionen Euro zu verpflichten und ihn auf die Bank zu setzen?

Natürlich steigt mit jeder Verpflichtung auch die Chance, mal wieder einen internationalen Titel nach Deutschland zu holen. Der Glanz der Bayern könnte auf die anderen Bundesliga-Vereine abstrahlen, meinen einige Beobachter. Doch das ist nur ein Scheinargument. Denn selbst wenn ein wenig Glanz abstrahlen sollte, den größten Gewinn macht weiter: der FC Bayern. Der attraktivste Verein für die Sponsoren bleibt: der FC Bayern.

Das Rekordergebnis der Bayern ist daher nur für den Verein selbst ein Gewinn. Ist die Allianz-Arena abbezahlt, verschärft sich die Lage noch weiter. Die Bundesliga könnte in den nächsten Jahren langweiliger werden, als manche Fußballfans zu hoffen wagen.

 

Kommentare zu " Kommentar: Eine Gefahr für die Bundesliga"

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  • Das "Problem" ist der Spagat, den die Bundesliga bewältigen muss. Einerseits will man große, europaweit konkurrenzfähige Vereine. Andererseits einen spannenden Ligabetrieb (der für einen Großteil der Fans immer noch der wichtigere Wettbewerb sein dürfte). Bisher gelingt der Bundesliga dieser Spagat relativ gut. Doch durch den wachsenden finanziellen Vorsprung der Bayern ist dieser Wettbewerb tatsächlich in Gefahr. In der Champions League konkurrieren Vereine, die aus einem ganz unterschiedlichen finanziellen Umfeld kommen und mit ganz anderen Mitteln arbeiten als die Ligakonkurrenz. Wenn die Bayern da ganz oben mitspielen wollen, werden sie zwangsläufig auch die Liga dominieren. Eine Lösung wäre evtl. die Einrichtung einer europäischen Superliga mit gleichen (finanziellen) Regeln für alle.

    Die Kritik kann sich darum weder an den FC Bayern noch an die anderen Vereine richten. Nicht mal die DFL kann da viel machen. Financial Fairplay ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

  • Genau genommen müsste sich hieraus resultierende Kritik nicht an den FC Bayern richten sondern an alle anderen Vereine. Die Finanzstärke des FCB ist nicht vom Himmelgefallen oder ein gottgegebener Zustand, sondern das Ergebnis soliden wirtschaftens und zwar über Jahre.
    Wie sonst ist es zu erklären, dass der Verein trotz massiver Investitionen (Kader + Stadion) und rießiger Personalkosten so gut wie schuldenfrei ist?
    Ich bin kein Bayern Fan aber ich glaube nicht, dass sich der Verein entschuldigen muss, weil er einen guten Job in diesem Bereich macht.
    Wenn überhaupt wirft das die Frage auf: Warum schafft so etwas kein anderer Verein, wenn es doch offensichtlich bei den Bayern möglich ist?

  • Bayern kämpft jedes Jahr um den Meisterteller und ist ein seriöser Daueranwärter auf den CL Titel. Die Gegener im Titelkampf wechseln alle 3 Jahre, weil andere Vereine zwar auch Topteams aufbauen aber sie nicht über einen längeren Zeitraum beisammenhalten und weiterentwickeln können (Leverkusen, Schalke, Wolfsburg, zuletzt Dortmund).

    Na und?

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