Kommentar
Eine gute Wahl

Die Auszeichnung für die Atomwaffenkontrolleure ist eine Überraschung – und zwar eine positive. Die OPCW ist nicht berühmt, hat aber in den vergangenen 20 Jahren die Welt von einem Großteil der Chemiewaffen befreit.
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StockholmDas Nobelkomitee in Oslo ist immer für eine Überraschung gut. Dieses Jahr bildet da keine Ausnahme. Mit dem Friedensnobelpreis an die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat das Komitee erneut eine Entscheidung getroffen, mit der fast niemand gerechnet hatte.

Denn im Vorfeld der Entscheidung war sich zumindest die Medienwelt einig, dass die erst 16-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai den Preis erhalten würde. Doch wie bereits in den vergangenen Jahren gehen die Mitglieder des Nobel-Komitees eigene Werge und lassen sich auch nicht von einen medialen Sturm beeinflussen.

Nach der Europäischen Union im vergangenen Jahr erhält nun zum zweiten Mal in Folge eine Organisation und nicht eine einzelne Person den Friedensnobelpreis. Sicher, es fällt immer schwerer, sich mit einer Organisation zu identifizieren als mit einer einzelnen Person. Doch im Gegensatz zur EU als Friedensnobelpreisträger ist die Entscheidung für die OPCW deutlich weniger kontrovers.

Denn auch wenn die in Den Haag beheimatete Organisation allenfalls seit der Syrienkrise einigen Fachleuten ein Begriff war, lässt die Osloer Wahl kaum Kritik zu: Immerhin hat die OPCW in den knapp 20 Jahren seit ihrer Gründung rund 80 Prozent aller bekannten Chemiewaffenvorräte weltweit vernichtet.

Die 200 Inspektoren der OPCW waren in den vergangenen Jahren in 86 Ländern unterwegs und haben bei 5000 Inspektionen rund 58.000 Tonnen der tödlichen Waffen vernichtet. Das ist eine Bilanz, die preiswürdig ist. Im Gegensatz zu den Preisverleihungen an US-Präsident Obama und möglicherweise auch an die Europäische Union wurde konkret geleistete Arbeit honoriert und nicht die Hoffnung auf eine noch zu leistende Arbeit.

Natürlich wäre auch die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Yousafzai eine würdige Kandidatin gewesen. Viele Menschen hätten der jungen Frau sicherlich den Preis gegönnt. In den Redaktionsstuben waren die Portraits und Homestories bereits geschrieben. Sie müssen nicht weggeworfen werden, denn allein die Spekulationen über den eventuellen Preis an Yousafzai haben ihren Kampf für Bildung von Mädchen und Frauen gestärkt und machen die mutige Frau nicht weniger wichtig.

Die junge Aktivistin jetzt aber gegen eine nahezu unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit arbeitende OPCW auszuspielen, ist völlig falsch. Das Komitee kann nur eine Organisation oder Person auszeichnen und hat zumindest in diesem Jahr eine gute Entscheidung getroffen. Helmut Steuer Nordeuropa-Korrespondent

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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