Kommentar
Eine heikle Wahl

Cerberus wagt bei Chrysler ein gefährliches Spiel: Die Private-Equity-Gesellschaft hat den umstrittenen US-Manager Robert Nardelli zum neuen Vorstandschef des amerikanischen Autoherstellers berufen.
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Nardelli hat sich bei seiner letzten Tätigkeit nicht gerade mit Ruhm beklettert, bei der amerikanischen Baumarktkette Home Depot ist er zu Jahresbeginn mit Schimpf und Schande davon gejagt worden. Seine beruflichen Erfolge – das ist noch vorsichtig ausgedrückt – waren bei Home Depot rar gesät.

Gewagt ist die Entscheidung für Nardelli auch deshalb, weil er in seiner Vergangenheit noch nie mit dem Autogeschäft zu tun hatte. Gut, auch Ford hat sich mit dem früheren Boeing-Boss Alan Mulally einen Branchenfremden an die Spitze des Unternehmens geholt. Aber im Unterschied zu Nardelli ist Mulally bei Boeing tatsächlich eine Sanierung gelungen, der neue Ford-Chef konnte wirklich mit Erfolgen glänzen.

Bei Nardelli hingegen muss man schon deutlich länger zurückgehen, um positive Ansätze zu finden. Beim US-Mischkonzern General Electrics galt er einmal als einer der ganz großen Hoffnungsträger, der sogar als Nachfolger von Konzernchef Jack Welch gehandelt wurde. Doch daraus ist nichts geworden, Nardelli legte dann seine Bruchlandung bei Home Depot hin. Als spektakulärer Vorgang blieb nur seine Abfindung in Erinnerung: Mehr als 200 Millionen Dollar kassierte er von der Baumarktkette.

Wahrscheinlich hofft Chrysler-Eigner Cerberus darauf, Nardelli könne an seine Erfolgszeiten bei General Electric anknüpfen. Sicher scheint dabei nur, dass der neue Chrysler-Boss vor allem auf der Kostenseite ansetzen wird. Allein, es bleibt die Hoffnung, die Sanierung könnte damit gelingen. Bei Home Depot hatte Nardelli vor allem Probleme mit vielen kritischen Aktionären. Vielleicht hilft es da ein wenig, dass Chrysler jetzt nicht mehr an der Börse notiert ist und deshalb niemand unangenehme Fragen stellen kann.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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