Kommentar
Eine Herkulesaufgabe für Microsoft

Microsoft hat mit dem Kauf von Nokias Hardware-Sparte den richtigen Schritt gemacht. Das mobile Internet ist zu wichtig, als es anderen zu überlassen. Die Schwierigkeit wird sein, nun vom Wissen von Nokia zu profitieren.
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Das Ende kam schnell. 2007 wurde das iPhone angekündigt und 2013 streicht der ehemalige Marktführer die Segel. Nokia verkauft sein Mobiltelefongeschäft an Microsoft. Für den US-Konzern ist es ein klares Bekenntnis zur Zukunft nach dem PC.

Das mobile Internet ist zu wichtig, als dass man es wie damals bei den PCs Partnerunternehmen überlassen kann. Zuerst kamen die eigenen Tablets der Marke Surface. Nun kommen die eigenen Smartphones. Redmond nimmt seine Geschicke in die eigenen Hände. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, um die Verbreitungs- und Entwicklungsgeschwindigkeit von Windows-Phone als Plattform zu beschleunigen.

Ein solcher Totalauskauf kann Sinn machen, wenn dahinter ein kompetentes Management-Team steht. Es muss es verstehen, die gekauften Werte auch zu heben. IBM hatte das darbende PC-Geschäft einst an Lenovo verkauft und die Taiwanesen haben es in einem einbrechenden Markt zu einer Ertragsperle ausgebaut. Doch Microsoft hat keinerlei Erfahrungen im Hardwarebereich und kaum Erfahrungen im Privatkundengeschäft. Das zeigen die marginalen Erfolge bei den Tablets, soweit man das bislang überhaupt Erfolg nennen kann. Die Herkulesaufgabe wird es sein, Nokia nicht in das bestehende Microsoft-System hineinzupressen, sondern vom Wissen der Finnen zu profitieren, damit sie den Konzern in eine neue Zukunft führen können.

Das wird nicht leicht für jemanden, der sich noch niemals von anderen etwas hat sagen lassen müssen. Ein Grund mehr, warum Nokias früherer Chef Steven Elop einen guten Nachfolger für Microsofts scheidenden Steve Ballmer abgeben würde. Der könnte dann den nächsten Schritt gehen: Blackberry steht praktisch zum Verkauf. Die Dateninfrastruktur mit dem Charakter eines Hochsicherheitsgefängnisses würde die passende Ergänzung darstellen, um Windows-Phones mit Blackberry zur ersten Wahl im Business- und Regierungsbereich zu machen und von der Konkurrenz klar abzuheben.

Für Nokia ist es die Flucht aus einem Geschäft, das offenbar mit zu vielen Altlasten behaftet war. Der Zeitpunkt ist trotzdem günstig, weil trotz aller Probleme Nokia mittlerweile zu gefährlich für Microsoft geworden ist. Würden die Finnen die Produktion von Windows-Geräten warum auch immer einstellen, dann wäre Redmonds Mobilstrategie am Ende. Gut zwei Drittel der verkauften Masse wäre verloren.

Finanziell macht es also Sinn, aus der Position einer relativen Macht heraus zu verkaufen. Doch was kommt jetzt? Warum ausgerechnet das Netzwerkgeschäft die große Zukunft sein soll, ist nur schwer nachzuvollziehen. Zu leidvoll sind die Erfahrungen der Vergangenheit, zu groß die Konkurrenz. Sinnvoller erscheint da eine andere Lösung: Das Netzwerkgeschäft wird ebenfalls verkauft.

Interessenten dürfte es von Cisco über HP oder Dell bis zu Huawei genug geben. Dann bliebe nur das Dienstleistungsgeschäft mit Karten, Navigation und lokalen Diensten. Hier ist Nokia in der Tat eine starke Nummer zwei hinter dem allmächtigen Google und sicher für viele eine willkommene Alternative.

Mit einer finanziell sorgenfreien Zukunft ist hier zweifelsfrei eine Zukunft als unabhängiger Dritter gegeben. Navigation, mobiler E-Commerce, mobile Werbung, die Chancen sind da. Aber es ändert nichts an einer Tatsache: Das Nokia, so wie wir es kennen, ist Vergangenheit. Apple hat ganze Arbeit geleistet. Wenn das Steve Jobs noch hätte erleben können.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Das Schöne an Kommentaren im Handelsblättchen ist ja bekanntlich, dass sie von keinerlei Sachkenntnis getrübt werden. Substanzfreies Geplapper und ein paar Plattitüden, dazu als Beleg für die völlige Ahnungslosigkeit des Schreiberlings noch die Verlegung von Lenovo aus der Volksrepublik China/USA nach Taiwan ("IBM hatte das darbende PC-Geschäft einst an Lenovo verkauft und die Taiwanesen haben es in einem einbrechenden Markt zu einer Ertragsperle ausgebaut"), und fertig ist ein Geschreibsel, das den Qualitätsanspruch des Handelsblättchens weit unterhalb des Nullpunkts wieder einmal bestätigt.

    Es ist zum Fremdschämen.

  • Das Problem war doch nicht das iPhone, das Problem war Elop,
    der Ex-M$-Manager, der Nokia vernichtet hat. Na, das ist mal wieder
    eine industriepolitische Leistung der EU 8-)

    Details bloggt Tomi Ahonen seit Jahren auf http://communities-dominate.blogs.com/.

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