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Kommentar: Eine Zwangsheirat

Erst als Merkel nicht mehr anders konnte, stimmte sie der Kandidatur Gaucks zu. Jetzt muss sie die politische Niederlage in einen Sieg ummünzen.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online. Quelle: Pablo Castagnola

Wer „A“ sagt, kann auch erkennen, dass „A“ falsch war. Das sagt Brecht und das befolgt Angela Merkel. Die Kanzlerin ist über ihren Schatten gesprungen. Sie hat mit Joachim Gauck den Kandidaten zugelassen, den sie vor 600 Tagen, als sie Wulff auf den Schild hob, noch verhindert hatte. „Ende gut, alles gut“, feixte ein sichtlich zufriedener SPD-Kanzlerkandidat in spe, als er gemeinsam mit den Parteichefs von FDP und Grünen die Kandidatur Gaucks kommentieren sollte. Und tatsächlich war es Sigmar Gabriel, der Gauck vor beinahe zwei Jahren das erste Mal ins Gespräch gebracht hatte. Politisch hat er mit der Kandidatur des Bürgerrechtlers nun einen Sieg eingefahren.

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Er hat Merkel in die Zwickmühle gebracht, aus der sie spätestens dann nicht mehr heraus konnte, als auch die FDP ihr Votum für Gauck abgegeben hatte. Ein Kandidat, der bei den Deutschen beliebt und von einer absehbaren Mehrheit in der Bundesversammlung getragen werden würde – gegen den konnte sich auch Merkel nicht länger stellen. Gleichgültig wen sie ins Rennen schicken würde: Ihr Kandidat würde die schlechteren Karten haben. Deswegen wählte die Kanzlerin den einzigen möglichen Ausweg und stimmte der Kandidatur Gaucks zu. Es war kein Liebesbeweis, sondern eher eine Zwangsheirat, der sie sich da hingab.

Bundespräsident

Doch Gabriels Sieg muss nicht Merkels Niederlage werden. Von einem makellosen Präsidenten kann auch die Kanzlerin profitieren. Gauck wird nicht versuchen zu polarisieren. Der Mann ohne Parteibuch wirkt glaubwürdig, wie selten ein Kandidat, wenn er verspricht, Präsident aller Deutschen werden zu wollen. Und Merkel steht nun da als eine, die unter Druck immerhin lernfähig ist. Für einen Politiker ist das ein ungewohnter Zug. Sie hat ihn schon einmal beim überraschenden Atomausstieg gezeigt, und es hat ihr nicht geschadet. Und, wer weiß: Mit Blick auf mögliche Koalitionen, wie sie nach der Bundestagswahl im nächsten Jahr vielleicht notwendig werden, könnte sich der Kandidat Gauck sogar als Glücksfall für die Kanzlerin erweisen.

  • 10.11.2012, 06:17 Uhrcoachoutlettt

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  • 21.02.2012, 10:43 UhrMary

    Kommentarfunktion geschlossen

    @Orakel,bergman

    Sie haben sehr gut gesprochen: Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer. Seite 4 "Oberrhein"- verstehe als Nicht-juristin die Kompetenzen nicht.Jedoch inhaltlich ist das doch ein Widerspruch verfassungsrechtlich,oder?!

  • 20.02.2012, 15:52 Uhrmargrit117888

    Ja, ich frage mich auch, warum Gauck damals die Akte nicht offengelegt hat.
    Aber so wie die Presse jetzt Gauck hochjubelt, wird sie auch weiterhin nichts tun um endlich mal Merkels Vergangenheit zu hinterfragen oder
    offenzulegen
    Warum das so ist, erschließt sich mir nicht. Oder hat Merkel wirklich die gesamte Presse in ihrer Hand? Also Presse wie in der DDR?
    Jedenfalls ist das sehr merkwürdig, dass seit 20 Jahren Schweigen ist über die Akte
    Dazu gehören auch etliche Akten von Bundesagsmitgliedern aus der DDR, die alle ungeprüft in den Bundestag kamen

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