Kommentar
Ende des VW-Systems

Korrupte Manager und Tarnfirmen, Lustreisen und Luxusprostituierte: Das Drehbuch für diesen Wirtschaftskrimi hätte ein Hollywood-Macher nicht schriller schreiben können. Wer hätte gedacht, dass der solide Volkswagen-Konzern aus dem langweiligen Wolfsburg je solche Schlagzeilen produzieren würde?

Egal wie viele der Revolvergeschichten sich im Zuge der internen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bewahrheiten werden: VW hat seine Unschuld verloren. Die Affäre ist der Anfang vom Ende jenes konsensualen Systems, mit dem Europas größter Autohersteller in den letzten Jahrzehnten geführt worden ist. Die enge Verbindung – manche sagen Filz – zwischen Management, Betriebsrat und Politik wird nun entwirrt. Die bislang verwischte Verantwortung zwischen Kontrolle und Management muss wieder deutlicher werden.

Für die IG-Metall und den Konzernbetriebsrat bedeutet das einen erheblichen Machtverlust. Die kämpferischen Parolen aus dem Gewerkschaftslager sind bestes Indiz für die Angst vor dem Unvermeidlichen. Dem Management um Bernd Pischetsrieder und dem neuen starken Mann bei VW, Wolfgang Bernhard, eröffnet sich dagegen die Chance, den Konzern grundlegend zu erneuern. Dazu gehört auch, dass wirtschaftliche Notwendigkeiten über politische Interessen des Großaktionärs Niedersachsen gestellt werden. Mit der bisherigen Kuschelmentalität wird VW im Wettbewerb mit Konkurrenten wie Toyota nicht bestehen können. Nach den bereits erfolgten Kosteneinsparungen müssen weitere drastische Schritte folgen, sonst könnte VW in eine ähnlich tiefe Krise schliddern wie General Motors.

Es wird also nicht reichen, den Einfluss der Gewerkschaften zu beschneiden. Alle Protagonisten des alten VW-Systems stehen einem echten Neuanfang im Wege. Ein Rücktritt des Personalvorstands, Gewerkschaftsmitglieds und Kanzlerberaters Peter Hartz dürfte unvermeidlich sein. Und über kurz oder lang wird auch Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch seine Rolle als Volkswagens Übervater kritisch überdenken müssen.

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