Kommentar
Eurokraten sind für Deutschlands Nöte blind

Brüssel ignoriert die deutsche Perspektive in der Euro-Krise. Wenn der Bund aber für angeschlagene Euro-Staaten bürgen soll, muss Brüssel die Ängste der Deutschen ernst nehmen. Oder die Stimmung in Deutschland kippt.
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Wer wissen will, wie die EU-Kommission tickt, der sollte einen Blick auf ihre Morgenlektüre werfen. Zum Beispiel im Kommunikationsapparat der Brüsseler Behörde: Alle 32 Sprecher und ihre Stellvertreter lesen die britische „Financial Times“, immerhin elf haben auch die französische „Le Monde“ bestellt und jeweils sechs den italienischen „Corriere della Sera“ und „El País“ aus Spanien. Deutsche Tageszeitungen kommen in Brüssel nicht auf solche Leserquoten. Derzeit hat kein einziger Sprecher der EU-Kommission zum Beispiel die auflagenstarke „Süddeutsche Zeitung“ an seinem Arbeitsplatz abonniert.

Auf den ersten Blick mag das alles wenig überraschend sein. Englisch und Französisch dominieren die Eurokratie schließlich immer schon. Zwar ist Deutsch die meistgesprochene Sprache der EU, doch in Brüssel spielt sie traditionell nur eine Rolle am Rande.

Doch nach zwei Jahren Euro-Existenzkrise kann Altbekanntes durchaus neue Bedeutung erlangen. Deutschland geht die mit Abstand größten finanziellen Risiken für die Euro-Rettung ein. Bei jedem EU-Gipfel wächst der Druck auf die Kanzlerin, noch mehr für die finanziell angeschlagenen Euro-Staaten zu tun. Das löst hierzulande logischerweise Ängste aus und ruft immer mehr Euro-Skeptiker auf den Plan. Würden sie einen charismatischen Anführer finden, dann wären ihnen Wahlerfolge wahrscheinlich jetzt schon sicher.

Die Stimmung im größten Euro-Staat könnte also durchaus kippen - gegen die gemeinsame Währung und gegen die politische Integration. Aber dafür scheint sich in Brüssel kaum jemand zu interessieren. Wie auch? Wie sollen EU-Beamte und Europapolitiker deutsche Befindlichkeiten verstehen, wenn sie kein Deutsch sprechen und keine deutschen Medien konsumieren?

Telegrammkurze englische Zusammenfassungen deutscher Zeitungsartikel in der täglichen Presseschau der Kommission reichen nicht aus, um aus Eurokraten plötzlich Deutschland-Kenner zu machen.

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In deutschen Medien für die Europapolitik werben

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  • @EU - Jurist ( möchte gern)
    Sie sind in meinen Augen ein ganz armer Mann.
    Die besten Beiträge mit Niveau findet man im HB- Blog.
    Die Damen und Herren verfügen über ein Wissen, das sich
    sehen lassen kann. Gehen Sie mal in andere Foren, wie
    primitiv es da zugeht. Sie sind nur neidisch, da Sie nicht
    mitthalten können.
    Ein Sprichwort sagt:"Bildung ist die Fähigkeit, sich aller
    anzuhören und dabei weder die Selbstbeherrschung zu
    verlieren noch das Selbstvertrauen(R. Frost).
    Und wer den Mund so voll nimmt wie Sie, der kann nicht das letzte Wort haben.

  • Offensichtlich liest auch Frau RUTH Berschens nicht die deutschen Zeitungen.

    Denn wenn sie das tun würde, dann wüsste sie, dass in den "deutschen" Print-Medien - etwa SPIEGEL, ZEIT und HANDELSBLATT - exakt dasselbe drin steht, wie in den angel-sächsischen. Nämlich dass die Deutschen endlich für alle finanziellen Wünsche ihrer "Euro-Partner" arbeiten und bezahlen sollen in alle Ewigkeit und auch endlich ihre demokratische Souveränität über sich selbst aufgeben und an die Apparatschiks des totalitären EUdSSR-Politbüros in Brüssel abgeben sollen.

    Die "deutschen" Medien werden schließlich längst genauso von den angel-sächsischen Bänkstern kontrolliert, wie die in USA und England und betreiben daher ausschließlich Propaganda zum Wohle dieser selbstauserwählten Herrschaften.

  • Deutsche Tageszeitungen kommen in Brüssel nicht auf solche Leserquoten.
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    das sagt schon alles
    Deutsch ist verpönt, es soll nur zahlen

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