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Kommentar: Europa wacht auf

Endlich haben es die europäischen Regierungen begriffen: In der Finanzkrise sitzen sie alle im selben Boot mit den USA. Denn wirklich unabhängig kann Deutschland sich trotz seiner verhältnismäßig wenig betroffenen Banken nicht fühlen.
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HB BERLIN. Es nützt Deutschland angesichts der weltweiten Panik gar nichts, dass die Banken hierzulande sich nicht gar so exzessiv an Spekulationen mit schlechten US-Hypothekenkrediten verhoben hatten, wie ihre US-Konkurrenten. Die deutschen Banken mögen im Kern stabiler sein als die Pleitebank Lehman Brothers, deren Sturz am 14. Spetember der Anstoß war für jenen Dominoeffekt, der am Freitag in einer Börsenpanik endete. In den Abwärtssog wären auch deutsche Banken in wenigen Tagen geraten, wenn sich die Bundesregierung weiter einer international abgestimmten Rettungsaktion verweigert hätte.

Die Bankenrettung wird damit auch den deutschen Steuerzahler mit gigantischen Milliardenbeträgen belasten. Der Fall Lehman hat aber gezeigt, dass die Auswirkungen zusammenbrechender Banken weitaus schlimmer sind: Der Geldkreislauf stockt, und ohne die gigantische Rettungsaktion dieses Wochenendes würde auch die Realwirtschaft in eine Kreditklemme geraten. Eine lang anhaltende Weltrezession wäre die Folge gewesen.

Wie teuer die Bankenrettung am Ende sein wird, ist allerdings trotz der gigantischen Rettungssummen ziemlich offen. Hoffnung kann das Beispiel Schweden geben: Die Bankenkrise Anfang der 1990er Jahre endete zehn Jahr später für den Staat mit einem leichten Plus. Auch dort versuchte es die Regierung damals zuerst mit Bürgschaften, ehe sie sich zur direkten Staatsbeteiligung an Banken entschloss. Dividenden und spätere Privatisierungserlöse brachten der schwedischen Regierung aber die Ausgaben für das Rettungspaket verzinst zurück.

Ob dies in der aktuellen weltumspanndenden Finanzkrise gelingt, kann heute niemand sagen. Es hängt vor allem davon ab, ob es den Europäern gelingt, ihre Pakete auf ähnliche Wirkungen zuzuschneiden: Die Hilfen müssen überall ähnlich umfangreich sein. Aber auch die Auflagen für Banken, die sich aus dem Rettungspaket bedienen wollen, müssen vergleichbar sein. Nur so kann vermieden werden, dass die Banken beginnen, sich den für sie lukrativsten Hafen auszusuchen - zulasten der übrigen Staaten.

Fast noch wichtiger als die Frage, wie viele Milliarden das deutsche Paket den deutschen Steuerzahler kostet, ist es daher, dass sich die Regierungschefs der Eurozone in Paris an diesem Sonntag so genau wie es nur irgend geht, abstimmen. Ja, es kann passieren, dass deutsche Steuerzahler somöglich in den nächsten Wochen auch bei der Bankenrettung kleinerer Länder werden mithelfen müssen. Wenn man im selben Boot sitzt, ist es aber nur gut, wenn die Starken sich kräftiger in die Riemen legen, anstatt dass sie den Schwächeren das Rudern allein überlassen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

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