Kommentar Facebook versucht seine Skandale wegzusingen

Facebook steht öffentlich unter Druck. Und wie reagiert Zuckerberg? Er führt eine Karaokefunktion ein. Dahinter steckt jedoch eine strategische Neuausrichtung.
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Verdacht bestätigt – Facebook gab Nutzerdaten an chinesische Firmen

Verdacht bestätigt – Facebook gab Nutzerdaten an chinesische Firmen

Es ist knapp zwei Wochen her, da absolvierte Mark Zuckerberg seine große Imagetournee durch Europa: Er beteuerte Einsicht in Sachen Datenschutz, Wahlbeeinflussung und Hassrede vor EU-Parlamentariern. Er präsentierte sich im Gespräch mit Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron als Partner und pries den Segen künstlicher Intelligenz für die Zukunft seiner Plattform.

Doch die Ruhe hielt nur kurz: Der Europäische Gerichtshof präzisierte am Dienstag den Datenschutz auf Facebook. Danach haben Betreiber der sogenannten Fan-Pages auf der Plattform eine Mitverantwortung für die Datenerhebung. Jetzt ist die Verunsicherung unter den Kunden groß, sie warten auf weitere Klärung durch die Gerichte.

Nicht nur von Datenschützern, sondern auch von der Politik bekommt Facebook neuen Druck: Der Konzern hat mehreren chinesischen Technologieunternehmen Zugang zu Daten seiner Nutzer gewährt. Besonders US-Politikern stößt dies übel auf: Schließlich warnen Geheimdienste, dass Technologie die Möglichkeit zu Spionage oder Cyberangriffen biete.

Millionenschwere Deals mit der Musikindustrie

Der Ärger für Zuckerberg reißt also nicht ab. Und wie reagiert Facebook in dieser Lage? Das Unternehmen verkündet, dass es seinen Nutzern endlich die Möglichkeit geben will, selbst produzierte Videos mit Musik zu unterlegen – und eine Karaokefunktion einzuführen. Begleitet von Kameraeffekten soll der Facebook-Nutzer seinen Lieblingssong den Freunden live vorsingen können. Die Kalifornier haben dafür millionenschwere Deals mit der Musikindustrie ausgehandelt.

Karaoke? Wer dahinter Realitätsverlust vermutet, liegt falsch. Es ist Teil einer strategischen Neuausrichtung von Facebook. Und die lautet: weg von der Information, hin zum Entertainment. Durch die Änderung der Algorithmen werden bereits heute weniger Nachrichten in den Newsfeed der Nutzer gespült. Die zum Beispiel in den USA seit vier Jahren bestehende „Trending“-Sparte, in der Nutzer populäre Nachrichten zu sehen bekommen, wird in Zeiten von Fake News abgeschafft, wie unlängst bekannt wurde.

Mehr MTV als CNN – so lautet die neue Marschrichtung bei Facebook, mit der das Unternehmen auf seine jüngsten Erfahrungen reagiert. Es ist eben doch einfacher, mit harmlosen Inhalten Geschäfte zu machen, als mit anfälliger Meinungsmache in den Fokus öffentlicher Kritik zu geraten. Und es ist der Versuch, wieder mehr junge Leute auf die Plattform zu bekommen, die sich sonst bei Snapchat oder WhatsApp tummeln.

Denn am Ende weiß Zuckerberg: Datenskandale hin oder her, mit dem richtigen Angebot vergessen viele dann doch oft, wofür sie da eigentlich ihr Häkchen in der Einverständniserklärung zur Datennutzung gesetzt haben.

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