Kommentar
Fahrt ins Ungewisse

Bahnchef Hartmut Mehdorn muss sich warm anziehen. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da er den wirtschaftlichen Erfolg des langen Sanierungsprozesses der Deutschen Bahn vermelden kann, bläst ihm kalter Wind aus der Politik entgegen.

Der bundeseigene Konzern wird sich darauf einstellen müssen, dass sich sein Eigentümer künftig stärker in die Belange des Unternehmens einmischen wird. Das Scheitern der Verhandlungen zwischen dem Hamburger Senat und der Bahn über Beteiligungen an der Hamburger Hochbahn und der Hamburger Hafen und Logistik AG markiert einen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Bahn-Management und Eigentümer. Für Mehdorn sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen ihm der damalige Regierungschef und Freund Gerhard Schröder fast völlig freie Hand bei der Entwicklung der Bahn AG ließ. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat jedenfalls klar gemacht, dass sie den natürlich von politischen Interessen bestimmten Standpunkt des Bahn-Eigentümers knallhart zu vertreten weiß.

So geht aus einem im November letzten Jahres formulierten Positionspapier des Hamburger Senats und der Bahn eindeutig hervor, dass bei den Verhandlungen über eine Beteiligung der Bahn an den Stadtstaat-Töchtern ein Junktim galt. Mehdorn sollte gleichzeitig seine Konzernzentrale und -führung von Berlin an die Elbe umsiedeln. Dieses Papier ist zwar kein unterschriebener Letter of Intent, es zeichnet aber ganz klar die Konturen des Verhandlungspakets.

Es mag sein, dass es sich dabei, wie Mehdorn immer wieder erklärte, nur um maximale Verhandlungspositionen handelte. Doch das schon Ende November formulierte Nein der Bundeskanzlerin zur Verlagerung des Konzernsitzes von Berlin nach Hamburg „aus strukturpolitischen Gründen“ hat den Gesprächen zwischen Senat und Bahn schon damals die Grundlage entzogen. Dies einzugestehen wäre ehrlicher gewesen. Mehdorns Behauptung, eine Verlagerung des juristischen Konzernsitzes habe nie zur Diskussion gestanden, wirkt im Nachhinein jedenfalls nicht glaubwürdig.

So ist Mehdorn nun ausgerechnet zu einem Zeitpunkt angeschlagen, an dem entscheidende politische Weichen für die Zukunft des Konzerns gestellt werden müssen. Dabei geht es vor allem um die Frage, was aus der Bahn überhaupt werden soll. Mehdorns Strategie ist klar: Ausbau der internationalen Logistik neben dem klassischen Geschäft.

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