Kommentar
Falsche Taktik der Union

Der Wahlkampf in Deutschland gleicht im Moment einem Ball paradox. Die Linkspartei umgarnt die rechtsradikalen Wähler. Rot und Grün tanzen getrennt auf, als ob sie niemals gemeinsam an der Regierung gewesen wären. Die flotteste Sohle legt der aufs Parkett, der nach dem 18. September in keiner vorstellbaren Konstellation mehr Kanzler sein wird: Gerhard Schröder. Und die Union? Sie hat in dem bunten Reigen offenbar den strategischen Über- und taktischen Durchblick verloren.

Wie sonst soll man sich den gestrigen Auftritt des CDU-Generalsekretärs Volker Kauder erklären? In einem Atemzug verspottet er Schröders Wahlkampf als „Abschiedstournee“ und kündigt gleichzeitig eine verschärfte Auseinandersetzung mit der amtierenden Bundesregierung als Bedingung für einen bürgerlichen Wahlsieg an. Ein wenig erinnert Kauders Vorstellung an den alten Witz von den Ruderern auf dem Atlantik: Nachdem sie die Orientierung verloren hatten, verdoppelten sie die Schlagzahl.

Wahr ist: Es bringt der bürgerlichen Opposition wenig, auf den politischen Leichnam der rot-grünen Bundesregierung einzuknüppeln. Viel gefährlicher für Angela Merkel als die sehr unwahrscheinliche Variante Schröder/Fischer III ist der weit verbreitete Wunsch nach einer großen Koalition – oder eine rot-rot-grüne Negativkoalition am Wahlabend. Die CDU/CSU führt also, ob sie das will oder nicht, in den Augen vieler Bürger eine Kampagne gegen einen fiktiven Gegner.

Deshalb hilft ein klassischer Oppositionswahlkampf mit Duellen und Denunziationen nicht weiter, sondern nur eine Positivstrategie. Drei Dinge erwarten die Wähler: Angela Merkel muss erstens deutlicher als bisher sagen, wie sie Deutschland verändern und die Wirtschaft wieder zum Laufen bringen will. Die CDU/CSU muss zweitens in der nächsten Woche einen Mann für Merkels Kompetenzteam benennen, der glaubhaft wirtschafts- und finanzpolitische Sachkunde und Entscheidungsfähigkeit ausstrahlt. Und die FDP muss ihre Nickeligkeiten einstellen und klar machen, wie sie ein Kabinett Merkel vorwärts bringen will.

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