Kommentar
Fehlende Führung

Einmal mehr ist eine Chance zur Verringerung der nuklearen Bedrohung vertan worden. Wochenlang diskutierten Minister und Diplomaten in New York über eine Modifizierung des Vertrages über die Nichtverbreitung von Atomwaffen – vergeblich. Vor allem die USA zeigten zu wenig Entschlossenheit, zu wenig Flexibilität.

Jetzt werden Nordkoreas Diktator Kim Jong Il, die iranischen Ajatollahs oder fanatische Terroristen mit Schadenfreude und Genugtuung auf das Scheitern der Überprüfungskonferenz reagieren. Sie alle wollen die Bombe. Sie alle werden die Welt weiter in Atem halten.

Die nächste Chance, den Vertrag zu verschärfen, kommt erst in fünf Jahren. Bis dahin kann die Welt nur darauf hoffen, dass die bislang gültige, umstrittene Übereinkunft wenigstens einigermaßen hält. Doch Optimisten haben einen schweren Stand. Denn auch 35 Jahre nach dem In-Kraft-Treten des Atomwaffensperrvertrags stehen seine beiden Hauptziele nur auf dem Papier: die Unterbindung der Proliferation und die totale nukleare Abrüstung.

Die USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien, also der durch den Vertrag privilegierte Kreis der fünf offiziellen Atommächte, werden längst mit offener Konkurrenz konfrontiert. Mit Indien, Pakistan und Israel haben mindestens drei weitere Staaten bereits die Bombe, mindestens zwei weitere Länder, Iran und Nordkorea, treiben ihr Nuklearprogramm mit Hochdruck voran. Andere Staaten können eingemottete Projekte rasch wieder reaktivieren. Der Reiz ist groß: Die illegale Verbreitung von Atommaterial ist ein lukratives Geschäft.

Und sie können sich an denkbar schlechten Beispielen orientieren: Entgegen ihrer Verpflichtung zur Abrüstung stocken die Atommächte ihre Arsenale auf, basteln bereits an der nächsten Generation dieser Massenvernichtungsmittel. Insbesondere die USA stoßen in immer neue nukleare High-Tech-Dimensionen vor. Dabei müsste doch gerade die Hyper-Atommacht bei der Suche nach einem Weg aus dem nuklearen Dilemma die Führungsrolle übernehmen, die sie seit Jahren proklamiert.

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