KOMMENTAR
Fernsehen – Spiel ohne Grenze

Fußball ist unser Leben, sagen sich Politiker in Wahlkampfzeiten. Wenn es um die wichtigste Nebensache der Welt geht, sind Populisten schnell zur Stelle.

Diesmal hat sich Bundesinnenminister Otto Schily, in dessen Ressort der Kampf ums Leder traditionell fällt, zum Gralshüter der heilen Fußballwelt aufgeschwungen. Schily hat eindringlich davor gewarnt, den Fußball nur noch im Bezahlfernsehen zu zeigen. Hintergrund ist ein lautstarker Streit zwischen Premiere und den Vereinen über die künftige Verwertung von TV-Rechten der Bundesliga.

Premiere hatte in der vergangenen Woche mit dem Kauf der Rechte für das Pay- und Free-TV der Champions League einen Tabubruch begangen. Denn nun hat es Premiere-Chef Georg Kofler in der Hand, wie viel Champions League künftig im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein wird. Vereine, Politiker und Fans fürchten daher, dass das Beispiel Schule machen könnte und künftig auch die Bundesliga im Bezahlfernsehen verschwindet.

Die Ängste sind nicht unbegründet. Denn Premiere ist angesichts der schleppenden Abonnentenzahlen und des schlappen Börsenkurses dringend auf eine Erfolgsstory angewiesen, um die versprochenen Wachstumsziele zu verwirklichen. Das Störfeuer aus der Politik kommt daher höchst ungelegen. Schily hat mit seiner Forderung „Fußball für alle“ zweifellos Millionen von Zuschauern ohne Premiere-Abo aus der Seele gesprochen.

Doch bei aller Liebe zum Volkssport ist der Appell des Ministers reichlich naiv. Sport ist in erster Linie eine Ware. Es gibt kein Grundrecht auf Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen. Daher gilt für den Fußball die alte Grundregel des Fernsehgeschäfts: Je exklusiver das Produkt, um so wertvoller. Denn nur einzigartige Inhalte sichern Publikum, somit auch die Rendite und damit die wirtschaftliche Basis der Vereine.

Wer freilich die einfachsten Gesetze des Medienmarktes nicht begreift, läuft ins Abseits. Zuletzt hatte Bayern München kräftig auf den Tisch gehauen. Die Münchener wollen sich „mit Händen und Füßen“, so Bayern-Manager Uli Hoeneß, dagegen wehren, dass der größte europäische Vereinswettbewerb nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sein wird. In wenigen Wochen fängt der Bieterwettbewerb um die Bundesliga an. Da kann es bekanntlich nicht schaden, mal den Holzhammer rauszuholen, dachten sich die rustikalen Bayern wohl.

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