Kommentar

Finger weg!

Die EZB ist schon mit ihrer Hauptaufgabe, der Sicherung der Währungsstabilität, ausgelastet. Mehr ist nicht drin. Für den Job der Bankenaufsicht wurde sie nicht geschaffen.
7 Kommentare
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online Quelle: Pablo Castagnola

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online

(Foto: Pablo Castagnola)

Die EU-Kommission will der Europäischen Zentralbank die Aufsicht über alle relevanten Banken der Euro-Zone übertragen. Auch Sparkassen und Volksbanken sollten von der EZB kontrolliert werden. Damit macht die Kommission den dritten Schritt vor dem ersten. Sie sollte die Finger davon lassen.

Die EZB hat genau einen Auftrag: Sie soll die Stabilität des Euro sichern. Derzeit traut der EZB kaum einer zu, dass sie das schafft. Es ist deswegen eine schlechte Idee, die Zentralbank in dieser heißen Phase der Währungsunion mit einer neuen Aufgabe zu betrauen. Erst wenn die Krise vorüber ist, kann die EZB darüber nachdenken, zu welchen neuen Aufgaben sie bereit ist. Ob sie die Bankenaufsicht übernimmt, muss sie davon abhängig machen, wie es dann um ihre Unabhängigkeit bestellt ist. Doch das sind Gedankenspiele.

Erst recht ist es ein Gedankenspiel, jetzt darüber nachzugrübeln, ob auch der öffentlich-rechtliche und der genossenschaftliche Bankensektor unter die Kontrolle der EZB fallen. Es gibt gute Gründe die dagegen sprechen. Der wichtigste Einwand lautet, dass die Verbünde durch ihre Struktur in der Lage sind, sich selbst zu helfen.

Fazit: Die EZB soll den Job machen, zu dem sie geschaffen wurde. Solange sie dabei nicht mehr Unabhängigkeit beweist, traut ihr die Bankenaufsicht in Deutschland niemand zu.

Startseite

7 Kommentare zu "Kommentar: Finger weg!"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Natürlich muss die EZB die letzte Dor-SK formal kontrollieren, als 1. Schritt Richtung Bankenunion, damit die deutschen Finanzinstitute das marode europ. Gesmatsystem stützen. Die Linksregierung ab 2013 wird das ohnehin durchwinken!

  • Guter Kommentar!

    Die einzige Umbaumaßnahme, die in der EZB ansteht, ist das Zumauern von Ndranghetas Büro - nachdem er reingegangen ist.

  • Mit ihrer Griechenland-Finanzierung hat sich die EZB eindeutig für den Job als Bankenaufsicht disqualifziert.
    Keine Aufsichtsbehörde der Welt würde es zulassen, dass eine Geschäftsbank Griechenland noch einen Kredit gibt - sei es auch nur kurzfristig (T-Bills). Das Land ist akut insolvenzgefährdet. Indem die EZB eine Refinanzierung der T-Bills durch die griechische Notenbank zulässt, animiert sie die Geschäftsbanken, diese Höchstrisikopapiere ins Portefeuille zu nehmen - und damit die Insolvenz der Banken zu riskieren. Damit hat die EZB klargemacht, dass sie als Aufsichtsbehörde nicht in Betracht kommt.
    Vgl. auch meinen Offenen Brief an Mario Draghi - http://beltwild.blogspot.de/2012/08/offener-brief-ezb-prasident-mario.html.

  • es sollten zwei unabhängige - von einander und von der politik, aber dual aufgebaute einrichtungen sein. ausserordentlich wichtige und wesentlich ist die zukünftige it infrastruktur. beide einrichtungen müssen durch diese infrastruktur einen zeitnahen und vollständigen informationstand haben. mehr gern später ma dazu. schönen tag an alle.

  • ha ha ha

    seit wann kümmern sich die Wegbereiter 1-Parteiensystem in Europa um absprachen oder gar geltendes Recht ?

    Wenn es um Europa geht, kümmern die sich einen Dr.... um Reecht und Gesetz. Und die letzten gengnerischen Stimmen bringt man durch die (angebliche) Krise zum Verstummen.

  • ....sorry, gefunden unter Politik.

  • Liebes Handelsblatt, bitte bringen Sie die News aus Finnland zum Ende der Eurozone von heute morgen. Danke.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%